Danube Flats

© Soravia Group

Danube Flats
02/13/2013

Zores um Hochhaus in Kaisermühlen

Die Gegner sehen viele Ungereimtheiten. Laut Bauherrn wird das Hochhaus die Gegend aufwerten.

von Josef Gebhard

Von der SPÖ war erst gar niemand gekommen, also musste die grüne Gemeinderätin Jennifer Kickert die Prügel der erbosten Bewohner des Seidler-Towers in der Donaustadt einstecken. Sie luden Montagabend zu einer Podiumsdiskussion, um ihren Unmut über die geplanten Danube Flats unmittelbar vor ihrer Haustür Luft zu machen.

Auf dem Gelände des ehemaligen Cineplexx-Kinos soll ein 150 Meter hoher Turm mit mehr als 500 überwiegend hochpreisigen Wohnungen entstehen. Die Anrainer befürchten eine massive Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität durch Lärm und Sichteinschränkung (der KURIER berichtete). Der Stadt und ausgerechnet den Grünen, so ihr Vorwurf, seien ihre Bedenken vollkommen gleichgültig.

„Das Nichtkonzept der Donaucity mit ihrem wilden Hochhaus-Durcheinander soll hier fortgesetzt werden“, kritisiert Roland Ertl, Vertreter der Bürgerinitiative (BI). Vor allem, dass sich der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr als Jurymitglied des Wettbewerbs für das Projekt ausgesprochen hat, sorgt für Ärger. „Uns hat auch überrascht, dass eine Schwester des Bauherrn Soravia den Architekten-Wettbewerb (Team project A01, Anm.) gewonnen hat“, sagt Bewohner Wolfgang Nölscher.

Werner Hammer von der Bezirks-FPÖ wundert sich, dass der Verkauf des Areals so klammheimlich über die Bühne ging. „Es entsteht der Eindruck, dass es sich hier jemand gerichtet hat.“

Umwidmung

„Es ist ein guter Standort mit guter Verkehrsanbindung“, kontert Gemeinderätin Kickert, die den Vorwurf der Mauschelei zurückweist. Eine Bürgerbeteiligung in dieser Phase des Projekts könne sie nicht versprechen, im Umwidmungsverfahren werde man aber auf die Kritikpunkte eingehen.

Die Bauträger verstehen die Aufregung nicht: „Es handelt sich um die Nachnutzung eines nach dem Ende des Cineplexx toten Ecks“, betont Reinhard Schertler von der S+B Gruppe am Dienstag. „Der Standort ist derzeit wirklich grindig“, formuliert es Erwin Soravia etwas schärfer. Dass versucht worden sei, seiner Schwester den Architekten-Auftrag zuzuschanzen, weist er zurück: „Bei einem Projektvolumen von 180 bis 200 Millionen Euro wäre das fahrlässig.“

Laut Gutachten werde sich die Lärm- und Verkehrsbelastung mit den Projekt sogar verbessern – unter anderem durch eine Überplattung der Autobahnzufahrt. Geplant seien auch Geschäfte und ein Kindergarten. Bewusst habe man den Turm so gedreht, dass das Blickfeld der Bewohner des Seidler-Turms nur um zwölf Prozent eingeschränkt werde.

Rund zehn Prozent der Wohnungen sollen zudem im leistbaren Bereich liegen – etwa mit einer Mietzinsobergrenze von 7 €/m².

Dass die Anrainer nicht informiert worden seien, weist Soravia zurück: „Es hat drei Info-Veranstaltungen gegeben.“ Weitere sollen folgen.

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