Chronik | Wien
19.03.2016

Zoofachhändler sollen keine Welpen mehr verkaufen

Die Bundesländer drängen auf ein Verbot. Eine entsprechende Verordnung ist bereits in Vorbereitung.

Geht es nach den Tierschutz-Verantwortlichen der Bundesländer, dann soll der Welpenverkauf im Zoofachhandel (wieder) verboten werden. Im Ministerium von Sabine Oberhauser laufen sie damit offene Türen ein: Dort wird derzeit eine entsprechende Regelung vorbereitet, wie eine Sprecherin der Ministerin bestätigt.

Tierschutzorganisationen und zuständigen Landespolitikern ist der Verkauf von Hunden und Katzen im Zoofachhandel bereits seit seiner Wiedereinführung 2008 (davor war er ebenfalls verboten) ein Dorn im Auge. Damals wollte der Gesetzgeber den Handel mit Tieren „in kontrollierbare Bahnen lenken“, dem illegalen Kofferraum- und Internet-Handel sollte entgegengewirkt werden. Der erhoffte Erfolg blieb allerdings aus.

Zudem gebe es nach Ansicht der Experten gewichtige Gründe, den Verkauf von acht bis zwölf Wochen alten Hunden in Tierhandlungen zu verbieten: Wiens Tierschutz-Ombudsfrau Eva Persy kritisiert etwa ein gesteigertes Risiko von Mitleidskäufen, die unzureichende Betreuung der Tiere durch das Verkaufspersonal sowie deren mangelhafte Sozialisierung in der Abgeschiedenheit eines Geschäftslokals, die zu Verhaltensstörungen bei erwachsenen Hunden führen könne.

Ein wesentlicher Kritikpunkt ist auch, dass die angebotenen Tiere zur Gänze aus dem Ausland – hauptsächlich aus Ungarn und Tschechien – stammen. Österreichische Züchter beliefern nämlich keine Zoofachhandlungen.

Nervöse Händler

In der Branche liegen bereits die Nerven blank. Auf KURIER-Anfrage zeigte sich kein einziger Händler zu einem Lokalaugenschein bereit. Begründung: Die Medien würden immer nur negativ berichten. Ein Großhändler, der Filialen in Wien, NÖ und im Burgenland betreibt, droht sogar mit Klagen, sollte der KURIER seinen Namen in Zusammenhang mit der aktuellen politischen Debatte nennen.

Die Einwände gegen den Welpenverkauf weist man zurück. Die Kunden würden ausreichend informiert, die Haltung der Tiere in zumindest sechs Quadratmeter großen und 2,5 Meter hohen Boxen müsste von der Behörde abgenommen und von Tierärzten regelmäßig kontrolliert werden. Zudem herrsche in Europa freier Warenverkehr, sagt Kurt Essmann von der Berufsgruppe in der Wirtschaftskammer. Auch in Ungarn oder Tschechien gebe es gute Züchter. „Und alle Tiere haben einen Impfpass.“

Über selbigen konnte die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ 2011 die Herkunft eines Mops zurückverfolgen – bis zu einer ungarischen Hinterhof-Zucht, die nach österreichischem Tierschutzgesetz verboten wäre ( der KURIER berichtete). Verkauft wurde das Tier in einer Filiale jenes Unternehmers, der jetzt mit Klagen droht. Laut Indra Kley von „Vier Pfoten“ war dies nicht der einzige Vorfall: „Pro Monat bekommen wir etwa 30 Meldungen über Probleme mit im Zoofachhandel gekauften Tieren. Meistens geht es darum, dass die Tiere krank sind. Parasiten, Würmer und Durchfall sind oft ein Thema.“ Die Konsumenten wüssten oft nicht, wie sie beweisen sollen, dass der Welpe beim Kauf bereits krank war.

Vor Kurzem startete die Organisation eine Online-Petition, die das Verbot des Welpenverkaufs in Zoofachhandlungen fordert. Bis Freitagnachmittag fand man rund 19.300 Unterstützer.

Seuchenschutz

Im Ministerium überlegt man nun, den Verkauf unattraktiver zu machen. Etwa, indem man den Import der Hunde von einer wirksamen Tollwutimpfung abhängig macht. Die Tiere wären dann 15 Wochen alt – also zu groß für 6-Quadratmeter-Boxen, aufwendiger in der Betreuung, und auch das Kindchenschema fiele dann weg.

Für Wiens Tierschutz-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), die das Verbot bereits seit Jahren fordert, wäre das „ein großer Schritt“, für Essmann „eine Anlassgesetzgebung infolge des medialen Drucks“. Zumal die Tollwut so gut wie ausgestorben sei. Zwinge man eine mehrfach kontrollierte Branche, ältere Hunde zu verkaufen, forciere man erst recht den illegalen Handel.