Zigarrenclub: Wo Raucher sich in Wien vernetzen
Günter Liska gründete den Zigarrenclub, als das Rauchverbot in der Gastro nahte.
Heuer feiert der Wiener Zigarrenclub „A&B Circle“ zehnjähriges Bestehen. Er ist der einzige in Wien, der über eigene Räumlichkeiten verfügt – und zwar in der Waaggasse im vierten Bezirk.
Zum Interview trifft man sich, wenn im „Art and Business“-Zigarrenclub wenig los ist, nämlich am Vormittag. „Bei Veranstaltungen, wenn etwa 30 Zigarren gleichzeitig geraucht werden, kann das für Nichtraucher schon hart werden“, erklärt Präsident Günter Liska.
„Vom MA48-Arbeiter bis zum Generaldirektor wird geraucht. Wer die Bessere raucht, ist nicht gesagt.“
Gründer
Für 98 Euro im Monat kann man im „A&B Circle“ aus und ein gehen. „Wir wollten keinen elitären Club. Zu uns kann jeder dazustoßen, deshalb ist die Mitgliedschaft preislich auch so gestaltet“, erklärt Vizepräsidentin Isolde Seer einem Interessenten beim Clubabend, er ist auf Einladung da. Sie sind beim „Aperitif“, einer Zigarre, an der man nur etwa 45 Minuten raucht – „Short cut“.
Männersache?
Nach dem Essen – ein fliegendes Buffet – folgt die Hauptattraktion des Abends: eine Zigarre einer Edition, die bereits ausverkauft ist. „Da rauchen wir bestimmt eineinhalb bis zwei Stunden“, erklärt die 56-Jährige, die noch nie eine Zigarette geraucht hat. „Ich war 30 Jahre alt, als ich das erste Mal Zigarre probiert habe“, schildert sie.
Vizepräsidentin Isolde Seer möchte die Frauenquote erhöhen. Sie zeigt gerne, was beim Rauchen beachtet werden muss.
Die Zigarre verbindet die Menschen in der etwa 130 Quadratmeter großen Wohnung, vorwiegend sind es Männer. An diesem Abend sind fünf Frauen da, weibliche Clubmitglieder gibt es derzeit nur vier. Das versucht die Geschäftsfrau mit stetigem Engagement zu ändern – etwa bei Ladys Nights. „Man braucht jemanden, der einem das Zigarrenrauchen erklärt“, sagt sie. Da geht es etwa darum, dass man keine Lungenzüge macht, wie man sie „anschneidet“ und anzündet.
„Nicht jedes Getränk passt zu jeder Zigarre"
Beim Rauchen selbst gehe es um Genuss, weshalb bei Club-Events, die etwa einmal im Monat stattfinden, auch immer Wein und Spirituosen wie Whiskey oder Rum gereicht werden. Im Eingangsbereich steht ein Spezialitätenschrank mit erlesenen Spirituosen. Daneben ein anderer: der Humidor, ein spezieller klimatisierter Aufbewahrungsort für die Zigarren.
„Nicht jedes Getränk passt zu jeder Zigarre, da gibt es große Unterschiede – es ist wie bei Wein und Käse, je nach Sorte, verändert sich der Geschmack“, zieht die Kennerin einen Vergleich. Auch Gründungsmitglied Liska findet häufig Parallelen zwischen Zigarrenrauchen und Weintrinken. Etwa wenn er davon spricht, dass jeder andere Vorlieben hat, dass manche jüngere Weine bevorzugen, andere auf ältere setzen, dass es Zigarren um fünf Euro gebe, die gut schmecken würden und welche um hundert oder Tausende Euro, die es nicht tun. „Nach oben hin gibt es beim Preis keine Grenze“, erklärt er. „Über Zigarren kann man ähnlich wie über Wein stundenlang debattieren“, schmunzelt er.
Beim Clubabend sind zuerst die Plätze rund um einen großen, schweren Holztisch belegt. „Das ist immer so“, kommentiert Liska. Oft wird über Kunst gesprochen. An den Wänden hängen derzeit Werke einer Graffiti-Künstlerin aus Niederösterreich. „Wir machen hier Vernissagen. Alle paar Monate sieht es anders aus“, erzählt Liska im KURIER-Gespräch.
Vizepräsidentin Isolde Seer gerne, was beim Rauchen beachtet werden muss.
Der Club ist für manche zum zweiten Wohnzimmer geworden. Zu jeder Tages- und Nachtzeit können die Mitglieder – die alle ein „Bewerbungsgespräch“ absolviert haben – mittels Fingerprint hinein. Liska erzählt, dass ein Anwalt oftmals spät abends kam, um seine Akten bei zwei bis drei Zigarren durchzuarbeiten. Die Zigarren nimmt man selbst mit (abseits von Veranstaltungen mit Sponsoren).
Wer ist Mitglied?
Obwohl es sich um keinen elitären Club handelt, waren doch schon einige Top-Manager, Vorstände oder Promis auf der Vereins- oder zumindest der Gästeliste. „Bei manchen Menschen, würde man nicht vermuten, dass sie Zigarrenraucher sind“, sagt Liska, der selbst aus dem Profi-Sport kommt. „Wir machen nichts Illegales, aber trotzdem wollen manche, dass nicht bekannt wird, dass sie Zigarre rauchen. Wir legen Wert auf Diskretion“, sagt Liska. Etwa 50 Mitglieder hat der Club zurzeit. Dem Zigarrenrauchen hafte das Image des „Bonzentum“ an. Das sei allerdings Blödsinn. „Vom MA48-Arbeiter bis zum Generaldirektor wird geraucht. Wer die Bessere raucht, ist nicht gesagt“, betont er.
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