Zigaretten-Konsum: Forscher warnen jetzt vor dieser Auswirkung

Bei den Auswirkungen von Tabakkonsum ist meist von körperlichen Gefahren wie Krebs die Rede. Aber auch für die Psyche gibt es große Risiken.
Young woman enjoying a cigarette

Personen, die Zigaretten rauchen oder früher geraucht haben, haben ein höheres Risiko, in ihrem Leben an einer Depression zu erkranken, als Personen, die nie geraucht haben. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie einer Forschungsgruppe unter der Leitung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, Deutschland. 

Am höchsten war das Risiko für depressive Symptome bei aktuell rauchenden Personen, gefolgt von ehemaligen Rauchern. Am geringsten war es bei Personen, die nie geraucht haben.

Steigendes Depressionsrisiko

Gleichzeitig konnte auch eine Dosis-Wirkungs-Beziehung festgestellt werden: Je mehr Zigaretten pro Tag geraucht wurden, desto stärker fielen die aktuellen depressiven Symptome aus. Und je früher im Leben mit dem Zigarettenkonsum begonnen wurde, desto früher kam es zu einer ersten depressiven Episode. 

Ein späteres Alter beim Beginn des Rauchverhaltens bedeutete hingegen einen späteren Beginn der Depressionssymptome. Die Daten zeigten auch, dass ein Rauchstopp neben allen positiven körperlichen Effekten auch der Psyche nützt: Je länger der letzte Zigarettenkonsum zurücklag, desto geringer war das Risiko, an einer Depression zu erkranken.

Unsere Beobachtungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern und die Entwöhnung zu fördern, um die psychische Gesundheit zu verbessern.

von Fabian Streit, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim

Die Analyse umfasste Daten von 173.890 Erwachsenen im Alter von 19 bis 72 Jahren, davon je 50 Prozent Frauen bzw. Männer. 81.775 Personen hatten noch nie geraucht, 58.004 waren ehemalige Raucherinnen und Raucher und 34.111 waren aktuell Rauchende. Die Daten stammen aus der größten deutschen Bevölkerungsstudie (NAKO-Gesundheitsstudie). Die Analyse umfasste nur den Konsum klassischer Zigaretten mit Tabak.

"Unsere Ergebnisse unterstützen eine Verbindung zwischen Rauchen und Depression", heißt es in der Studie, die im Fachjournal BMC Public Health erschienen ist. Es gebe eine "robuste Dosis-Wirkungs-Beziehung", wobei ein höherer Zigarettenkonsum mit schwereren depressiven Symptomen und eine längere Zeit seit der Raucherentwöhnung mit weniger Symptomen verbunden war.

Unterschied bei 40- bis 59-Jährigen am größten

Am stärksten zeigten sich die Unterschiede zwischen Rauchenden (ehemalig und aktuell) auf der einen und Nie-Rauchenden auf der anderen Seite in den Altersgruppen zwischen 40 und 59 Jahren. "Das weist darauf hin, dass neben sozialen Faktoren auch zeitliche Effekte eine Rolle im Zusammenspiel von Rauchen und psychischer Gesundheit spielen könnten", sagt Carolin Marie Callies, Doktorandin am Lehrstuhl für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim.

Diese Ergebnisse würden unterstreichen, dass Rauchen ein bedeutender und veränderbarer Faktor für aktuelle und lebenslange Depressionen sei. Gleichzeitig legen sie nahe, dass ein Rauchstopp oder zumindest eine Reduktion des Zigarettenkonsums der psychischen Gesundheit zugutekommen könne.

"Unsere Beobachtungen unterstreichen, wie wichtig es ist, den Einstieg ins Rauchen zu verhindern und die Entwöhnung zu fördern, um die psychische Gesundheit zu verbessern", wird einer der Autoren, Fabian Streit, in einer Aussendung zu der Studie zitiert: "Besonders hervorzuheben sind in dieser Hinsicht die gezeigten dosisabhängigen Auswirkungen des Rauchverhaltens: Ein höherer Zigarettenkonsum ging nach unserer Auswertung mit schwereren depressiven Symptomen einher, während ein längerer Zeitraum seit dem Rauchstopp mit besseren Depressionswerten verbunden war."

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