Wie gefährlich sind E‑Zigaretten? Forschende warnen vor Krebsrisiko

Vapen gilt als weniger schädlich als Tabakzigaretten. Doch eine neue Übersichtsarbeit zeigt: Auch E-Zigaretten sind "wahrscheinlich krebserregend".
Eine junge frau raucht eine E-Zigarette.

E‑Zigaretten gelten für viele als weniger schädliche Alternative zur Tabakzigarette. Doch neue wissenschaftliche Bewertungen legen nahe, dass auch das Dampfen mit nikotinhaltigen Produkten Krebs verursachen könnte - und zwar möglicherweise auch für Menschen, die zuvor noch nie konventionelle Zigaretten geraucht haben. Eine australische Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass der regelmäßige Konsum von E‑Zigaretten „wahrscheinlich krebserregend“ ist und das Risiko für Lungen‑ und Mundhöhlenkrebs erhöhen kann. 

Eine formale Einstufung durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) steht zwar noch aus, dennoch verdichten sich die Hinweise aus Studien. Langzeitdaten am Menschen fehlen bislang – vor allem, weil E‑Zigaretten erst seit rund 15 Jahren verbreitet sind und viele Krebsarten eine lange Entstehungszeit haben. In der aktuellen Studie trugen die Forschenden Veröffentlichungen seit 2017 zusammen, um eine Risikobewertung durchführen zu können. Sie konzentrierten sich auf die Datenlage für den Konsum von E-Zigaretten im Vergleich zu Nichtrauchern. Dual-Use, also wenn E-Zigaretten und Tabakzigaretten parallel konsumiert werden, wurde ausgeschlossen. 

Warum klare Beweise noch fehlen

Direkte Daten zu Krebserkrankungen bei ausschließlichen E-Zigaretten-Nutzern ohne Tabak-Vorerfahrungen fehlen, sagt Martin Widschwendter, Professor für Krebsprävention und ‑Screening an der Universität Innsbruck. Das habe strukturelle Gründe: „E‑Zigaretten sind erst seit etwa 2010 breit verfügbar, Lungenkrebs hat aber eine Latenzzeit von 20 bis 40 Jahren.“ 

Hinzu komme, dass in den bisher verfügbaren Studien bis zu 97 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer auch Tabak geraucht haben, was die Isolierung eines eigenständigen Vaping-Effekts erschwere. "Das ist jedoch keine Entwarnung, sondern eine Frage der Zeit“, betont Widschwendter.

Deutliche Warnsignale aus Studien

Gleichzeitig sei die vorhandene Evidenz aus anderen Forschungsbereichen bereits alarmierend. Studien zeigten bei Nutzern von Zigaretten erhöhte Spiegel bekannter Karzinogene, außerdem Hinweise auf DNA‑Schäden in Zellen der Mundschleimhaut, sagt Widschwendter. Besonders besorgniserregend seien epigenetische Veränderungen, die mit einem späteren Lungenkrebsrisiko in Zusammenhang stehen. Auch Tierexperimente lieferten deutliche Signale: Im Tiermodell entwickelten 22,5 Prozent der Mäuse nach inhalativer E-Zigaretten-Exposition Lungenkrebs. 

Eine formale IARC-Bewertung steht noch aus – das IARC hat jedoch die Evaluation elektronischer Nikotinabgabesysteme für 2025 bis 2029 als hohe Priorität eingestuft. "Eine Einstufung in Gruppe 1, wie sie für Tabakrauch gilt, erfordert epidemiologische Langzeitdaten, die zeitbedingt noch nicht vorliegen können. Beim Tabak hat es Jahrzehnte gedauert, bis die Epidemiologie die Biologie einholte – diesen Fehler sollten wir bei E-Zigaretten nicht wiederholen“, sagt Widschwendter.

Weniger gefährlich als Rauchen – aber nicht harmlos

Der Verdacht, dass E-Zigaretten krebserregend sein könnten, stützt sich auf die Tatsache, dass das Aerosol der Dampfer Substanzen enthält, die als gesichert oder wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft sind, sagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). 

Wichtig sei zudem der Vergleich mit herkömmlichen Zigaretten, betont Mons. „Da die Menge und Konzentration krebserzeugender Substanzen im Aerosol von E‑Zigaretten in der Regel deutlich geringer ist als im Rauch herkömmlicher Tabakzigaretten, ist davon auszugehen, dass auch das karzinogene Potenzial von E‑Zigaretten geringer ist als das von Tabakzigaretten.“ Das bedeute jedoch nicht, dass sie unbedenklich seien.

Denn klassisches Rauchen ist eindeutig als hochgefährlich belegt: „Das Rauchen herkömmlicher Tabakzigaretten ist von der IARC in die Gruppe 1 eingestuft (‚karzinogen für den Menschen‘)“, sagt Mons. Laut IARC verursacht Rauchen mindestens 20 verschiedene Krebsarten.

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