© Franz Gruber

Chronik Wien
06/28/2012

Zigarette löste das Doppelmord-Rätsel

Nach dem Mord an zwei Frauen in Wien-Meidling sind zwei Verdächtige in Haft. DNA-Beweise liegen vor.

Tagelang war gerätselt worden, woher die Mörder der 89-jährigen Stephanie Vogrin (und ihrer Heimhilfe Hlina H.) wussten, dass bei ihr viel Geld zu holen war. Am Wienerberg sind sich die Bewohner nun ziemlich sicher: Der mutmaßliche Täter und der Sohn des Opfers kannten einander aus einem Lokal, dem Magalufin der Wienerbergstraße 12. Genau dort wurde Andreas B., 46, am Mittwochnachmittag auch vor zahlreichen Schaulustigen von der Eliteeinheit WEGA verhaftet.

Auf die Spur des am halben Körper tätowierten und muskulösen Mannes kam das Landeskriminalamt über eine im Umfeld des Tatorts gefundene Zigarette. Die dort sichergestellten Speichelspuren ergaben einen Treffer in der DNA-Datenbank. Diese führten zu Andreas B., der bereits polizeibekannt ist. Der 46-Jährige war 2006 im Zuge von Ermittlungen gegen einen Drogenring verhaftet worden. Ein Wiener Boxpromotor hatte damals in einer Wohnung 11,5 Kilo Haschisch, 1,5 Kilo Marihuana und 350 Gramm Kokain gebunkert. Andreas B. soll dabei mitgewirkt haben. Auch über eine Körperverletzung gegen einen Taxler wird gemunkelt.

"Er ist kein unbeschriebenes Blatt, so etwas wundert mich nicht. Er stand das ganze Leben über mit dem Gesetz im Konflikt", sagt Monika S., eine Nachbarin des verhafteten Mannes. Dieser leugnet hingegen die Tat und macht keine Aussagen. "Er hat damit überhaupt nichts zu tun. Er kann sich nicht erklären, warum ihm ein Mord angelastet wird", sagt der Anwalt des Verdächtigen, Marcus Januschke.


"Ich bin total schockiert, er war immer sehr gemütlich und hilfsbereit", sagt eine weitere Nachbarin. "Am Mittwoch habe ich ihn noch gesehen. Er war sehr lustig drauf." Auch auf der Facebookseite von Andreas B. ist zu sehen, wie sich der Hüne liebevoll um seinen Hund kümmert, als dieser im Jahr 2010 mehrere Welpen geworfen hatte. Wie zum Hohn ist er in der Facebookgruppe "Eine Zigarette verkürzt das Leben um drei Minuten" dabei. Mitunter verkürzt die Zigarette offenbar auch sein Leben in Freiheit.

Als mutmaßlicher Mittäter wurde ein 35-jähriger Mann verhaftet. Seine Rolle ist noch unklar, bisher ist er laut Polizei jedenfalls noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Nach der Tat gab es allerdings schon sehr bald Spekulationen, dass zwei Tatwaffen bei dem Mord in der Meidlinger Böckhgasse verwendet wurden. Beide Verdächtige hatten laut Polizeisprecher Thomas Keiblinger außerdem Kratzspuren am Körper, die einige Tage alt sind.

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