Ziesel bekommen nächstes Jahr Hunderte neue Nachbarn

…
Foto: KURIER/Reinhard Vogel Nach dem Winterschlaf sehen sich die Nager mit Baggern konfrontiert.

Ab September werden neben dem Lebensraum der geschützten Nager 130 Wohnungen errichtet.

Die Weinbergschnecken werden bereits eingesammelt (und angeblich anderswo wieder ausgesetzt). Voraussichtlich kommende Woche werden dann die – unter sechs Tonnen schweren und deshalb als Leichtgerät geltenden – Bagger auffahren. Dann ist es mit der Idylle auf dem Ziesel-Areal nördlich des Stammersdorfer Heeresspitals endgültig vorbei. Sobald die letzten der EU-weit streng geschützten Nager aus dem Winterschlaf erwacht sind, werden auf dem westlichen Teil des Geländes die Grasnarbe und in weiterer Folge der Humus abgetragen (der KURIER berichtete). Dadurch käme zwar kein Tier zu Schaden, heißt es von der ökologischen Bauaufsicht. Die Ziesel siedeln sich dadurch aber nicht mehr auf der betreffenden Fläche an – und machen den Weg für die ersten 130 Wohnungen frei.

Wie bekannt, wollen Kabelwerk, Donaucity und drei weitere Bauvereinigungen auf dem von geschätzten 180 Zieseln bewohnten Areal rund 950 Wohnungen errichten.  Mit den Bauarbeiten wird voraussichtlich im September begonnen. Und zwar auf dem westlichsten Teil der Projektfläche – von wo die meisten Ziesel bereits abgewandert sind. Biologin Ilse Hoffmann von der Uni Wien, die für die ökologische Bauaufsicht zuständig ist, konnte dort nur mehr einen einzigen Zieselbau feststellen und gab deshalb grünes Licht für das Abtragen des Oberbodens. Die Umweltschutzabteilung (MA 22) erteilte die Genehmigung dafür.

130 Wohneinheiten

Erst am Wochenende hatten Tierschützer, Grüne, FPÖ und ÖVP gegen die Bebauung der Ziesel-Gründe demonstriert. Mehr als 200 Teilnehmer schlossen sich der Kundgebung der örtlichen Bürgerinitiative an. Umsonst, wie es aussieht. Denn Anfang September rechnet man seitens Kabelwerks mit dem Baubeginn der ersten 130 Wohnungen auf besagtem Ziesel-freien Geländeteil.

Kabelwerk Wasner Ziesel Stammersdorfer Heeresspita… Foto: KURIER/Bernhard Ichner Kabelwerk-Chef Manfred Wasner ist optimistisch. Diese werden im  Frühjahr 2018 fertig – und vermutlich teurer als bisher angenommen. Denn die durch die Ziesel verursachte Bauverzögerung kostete Kabelwerk bis dato rund zwei Millionen Euro, schätzt Geschäftsführer Manfred Wasner.

Er geht davon aus, dass sich die Ziesel auf dem angrenzenden Teil der Projektfläche von den Bauarbeiten gestört fühlen und ebenfalls abwandern werden.
Falsch verstanden wolle man aber nicht werden. „Wir erwarten zwar gewisse Effekte“, relativiert Ziviltechniker Thomas Knoll. „Eine brutale Bauführung wird es aber nicht geben. Negative Auswirkungen auf die benachbarten Flächen müssen vermieden werden.“ So sei etwa ein Sicherheitsabstand von mindestens 50 Metern zum nächst gelegenen Zieselbau einzuhalten, betont Hoffmann. Wo dies  in Zukunft nicht möglich sei, werde die Behörde (die MA 22; Anm.) andere Schutzmaßnahmen vorschreiben, sagt Knoll.

Nun liege es an den Zieseln, wann (und ob) erneut das Abtragen des Oberbodens auf anderen Teilen der Projektfläche beantragt werden kann. Wasner schließt nicht aus, dass ein Teil unbebaut bleiben könnte.

Skurril

Ziesel-Brücke "ist kontaminiert" - durch Ziesel

Die Geschichte von der Ziesel-Brücke über den Marchfeldkanal wird immer skurriler. Nicht nur wurde der Grünsteg von Magier und Naturwacht-Obmann Tony Rei erfunden, um die Nager zur Übersiedlung auf die Ausgleichsflächen am anderen Ufer zu bewegen. Er wurde Mitte 2015 auch ohne Baubewilligung um rund 70.000 Euro errichtet.

Ziesel-Initiative Foto: Kurier/David Niedermayer Kontaminieren Ziesel die Ziesel-Brücke? Bei der Baupolizei glaubte man an ein Missverständnis – der Bauträger („Kabelwerk“) habe nicht gewusst, dass nur öffentliche Brücken bewilligungsfrei sind. Darum fand nun die nachträgliche Bauverhandlung statt.

Der Eigentümer einer landwirtschaftlichen Nutzfläche, die als Ausgleichsfläche gedacht wäre, hat allerdings wenig Freude mit dieser Verwendung seines Grundes und beanstandete die Baubewilligung. Das Argument:  die Brücke sei kontaminiert – durch Ziesel, die für die Landwirtschaft Schädlinge wären. Ob das zutrifft, muss jetzt die MA 22 entscheiden. Bis dahin sei die Baubewilligung „in Schwebe“, heißt es bei der Baupolizei.

(Kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?