Chronik | Wien
31.03.2018

Yoga-Boom in Wien: Herabschauender Hund im heißen Kokon

Die indische Lehre ist längst kein Nischenprodukt mehr. Die Angebote werden kreativer

Schweiß rinnt über die Stirn, über die Wange, über den Oberarm. Nicht nur, weil die Position des Herabschauenden Hundes auf Dauer anstrengend ist, sondern auch, weil es in dem Übungsraum 37 Grad hat. „Übungsraum“, trifft es dabei nicht ganz. Es ist ein Kokon, in dem die Yoga-Stunde abgehalten wird, eine violette Luftburg in der Form eines Iglus, das in einer Altbauwohnung in Wien-Margarethen aufgestellt wurde. „Hot Pod Yoga Vienna“ (dt. heiße Kapsel, heiße Schale) heißt das neue Studio passenderweise.

Studiobetreiber Laura Kleibl und Jean Philippe hatten das Konzept in London kennengelernt – und sich gedacht, dass es auch in Wien Anklang finden würde. Und das tut es.

In den vergangenen drei Jahren hat sich am Wiener Yoga-Markt viel getan. Das bekannte „Doktor Yoga“-Studio (dem Coldplay-Sänger Chris Martin einmal einen Besuch abstattete) hat eine zweite Filiale bekommen, das „Yoga8“ hat in der Josefstadt eröffnet, das „Re:Treat“ in Mariahilf, um ein paar Beispiele zu nennen. „Im Vergleich mit anderen Großstädten ist Wien aber noch am Aufholen“, sagt Hot-Pod-Betreiberin Kleibl.

Es eröffnen jedenfalls weiterhin neue Studios – mitunter mit ungewöhnlicheren Konzepten. Im neuen „Across the Universe“, einem Concept Store für Yoga, Kunst und Nachhaltigkeit in der Piaristengasse (8. Bezirk), wird Yoga zusammen mit einer Kakaozeremonie angeboten.

Ooom und Omelette

Wie groß das Interesse an neuen Angeboten ist, weiß auch Yoga-Lehrerin Jasmin Spanitz. Seit Jänner bietet die 28-Jährige im Backstein-Ambiente desBrick 5“ (15. Bezirk) den „Yoga Brunch Vienna an. Dabei wird eine Yoga-Einheit mit einem anschließenden vegetarischen Buffet angeboten. Einen Tag nachdem Jasmin Spanitz den Ticketverkauf eröffnet hat, war die Einheit ausverkauft. Mittlerweile findet der „Yoga Brunch“ alle drei Wochen statt.

Das nächste Konzept ist übrigens bereits in Planung. Im Sommer wird die Wienerin zu „Stand Up Paddling Yoga“ auf der alten Donau laden.

Warum es mehr Menschen zu Yoga zieht? „Die Yoga-Präsenz auf Instagram“, ist sicher ein Faktor“, sagt Jasmin Spanitz.

Dazu komme, meint Laura Kleibl, „der Lebenswandel vieler Menschen – zu wenig Bewegung, schlechte Ernährung, gepaart mit der Informationsflut“. Dafür sei Yoga ideal. Weil es den Körper kräftige und helfe, zu Ruhe zu kommen.“

Und: Yoga helfe einfach in allen Lebenslagen: „Wenn ich Husten habe“, sagt Spanitz, „gehe ich als erstes in die Fisch-Pose. Weil das die Bronchien öffnet.“