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Chronik Wien
10/21/2020

Wo es in Wien heuer keine Weihnachtsbeleuchtungen geben könnte

Die Betriebe der Wiener Einkaufsstraßen finanzieren ihre Weihnachtsbeleuchtungen zu einem guten Teil selbst. An zwei Standorten fehlt das Geld. Das hat vor allem mit Corona zu tun, aber auch mit einer auslaufenden Förderung

von Julia Schrenk

5.000 Euro.

Das ist der Betrag, der dem Währinger Wirtschaftsverein noch fehlt, damit er sich eine neue Weihnachtsbeleuchtung für den Advent in der Währinger Straße anschaffen kann. Und das ist auch der Betrag, den man – als Weisheit letzter Schluss – über Facebook durch eine Crowdfunding-Aktion heranschaffen wollte.

Die alte ist in die Jahre gekommen, von den 50 Lichtern haben nur noch etwas mehr als 30 geleuchtet, der Magistrat hat bei der Überprüfung im Frühling dafür keine Genehmigung mehr ausgestellt.

Nur: Eine neue Weihnachtsbeleuchtung ist ganz schön kostspielig. 100.000 Euro würde jene für die Währinger Straße im 18. Bezirk kosten. 50.000 Euro davon – abzüglich der Förderung von Wirtschaftskammer und Wirtschaftsagentur – müssen die Unternehmen und Betriebe selber zahlen. Und das können sie sich nicht leisten.

Heuer, im Krisen-Jahr, schon gar nicht.

187 Betriebe und Unternehmen hat Michael Richter, Obmann des Währinger Wirtschaftsvereins, angeschrieben und um eine finanzielle Spende gebeten. 77 Betriebe zahlen mit, 21 haben abgesagt, die restlichen 86 haben sich nicht zurückgemeldet.

Jetzt ist fraglich, ob es in der Währinger Straße in diesem Advent überhaupt eine Weihnachtsbeleuchtung geben wird.

Und nicht nur dort.

33 Wiener Einkaufsstraßen und Einkaufsgebiete haben im Advent 2019 „ihre“ Straßen mit Weihnachtslichtern geschmückt. Wie viele es heuer sein werden, ist unklar.

Zwar stellt die Wiener Wirtschaftsagentur jährlich 300.000 Euro Förderung allein für die Weihnachtsbeleuchtung bereit. Aber für den Rest der Kosten der Weihnachtslichter müssen die Einkaufsstraßenvereine – die aus den Kaufleuten einer bestimmten Straße bestehen – aber zu einem großen Teil selbst aufkommen.

Und im Krisenjahr 2020 haben viele Unternehmer schlicht nicht das nötige Kleingeld, um ihren Beitrag zur Weihnachtsbeleuchtung zu bezahlen. Der beläuft sich immerhin auf mindestens mehrere Hundert Euro.

Viele sind noch dabei, die fehlenden Umsätze vom Frühling auszugleichen.

Das ist auch in der Wollzeile so. Für die Weihnachtsbeleuchtung dort fehlt „ein ganzer Brocken Geld“, sagt Magda Hassan, Obfrau der IG Kaufleute Wollzeile. Konkret sind es 7.000 Euro.

Dabei haben schon 47 Unternehmen mitbezahlt und insgesamt 22.000 Euro netto aufgebracht. „Das ist irre viel Geld“, sagt Hassan. Aber auch das reicht nicht für die neue Weihnachtsbeleuchtung. Und die alte hat der Magistrat beanstandet.

Keine Förderung

Dass man in der Währinger Straße und in der Wollzeile unbedingt noch heuer in neue Weihnachtsbeleuchtung investieren will, hat zwei Gründe.

Erstens hofft man, so Kunden in die Geschäfte locken (und sie vom Online-Einkauf abhalten) zu können. Zweitens – und das ist der triftigere Grund – ist nicht klar, ob es die 50-prozentige Förderung, die Wirtschaftskammer und Wirtschaftsagentur 2019 und 2020 für die Anschaffung von neuen Weihnachtsbeleuchtungen ausbezahlt haben, auch 2021 gibt.

Und nächstes Jahr das Doppelte zahlen, das geht sich schon gar nicht aus.

Hilfe von Sponsoren

In der Währinger Straße wie in der Wollzeile hofft man, die Kosten für die Weihnachtsbeleuchtung noch irgendwie zusammenzukratzen. „Wir wollen das wirklich um alles in der Welt“, sagt Magda Hassan. „Aber leider ist es nicht mehr unvorstellbar, dass wir heuer keine Weihnachtsbeleuchtung haben.“

Bis nächste Woche soll die Entscheidung fallen.

In der Währinger Straße hat Michael Richter nun sogar schon Ärzte und Chefs von Wirtschaftskanzleien um Sponsoring gebeten, obwohl für deren Geschäft ja nun wirklich keine Weihnachtsstimmung nötig ist.

Das Gute ist: Manche haben tatsächlich etwas zugeschossen.

Dass in anderen Bezirken die Weihnachtsbeleuchtung ausfinanziert ist, hat übrigens die unterschiedlichsten Gründe: In der Hütteldorfer Straße und in der Landstraßer Hauptstraße hat man sich durch abgesagte Veranstaltungen so viel Geld erspart, dass die Weihnachtsbeleuchtung drin ist. Und in der Neubaugasse – wo heuer 44 Herrnhuter Sterne mehr aufgehängt werden – hat der Bezirk 30.000 Euro für eine Reparatur zugeschossen.

Auch in der Josefstadt gab es eine finanzielle Spritze vom Bezirk: Dort wird heuer nach zwei Jahren Pause erstmals wieder Weihnachtsbeleuchtung montiert.

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