Vom Land in die Stadt: In Wien sind immer mehr Füchse zu sehen
Schuhe verschwinden, Gartenhandschuhe tauchen vier Gärten weiter wieder auf, Hühner sind plötzlich weg. Viele Gärten in den grünen Bezirken wirken chaotisch. Die Übeltäter solcher „Gartenkrimis“ sind Füchse.
Derzeit sind die Tiere in Wien besonders häufig zu sehen. Grund dafür ist ihr saisonaler Aktivitätsrhythmus. Die Jungfüchse sind in den Sommermonaten bereits mobil und erkunden ihre Umgebung, heißt es vom Wildtierservice der Stadt.
Füchse am Küniglberg
Wie selbstverständlich die Tiere dabei durch Wiens Gärten streifen, erlebt Manuela Singer beinahe täglich. Sie wohnt am Küniglberg in Hietzing, Füchse gehören dort schon lange zu ihren tierischen Nachbarn. „Der Tag meines Mannes beginnt meist damit, unsere Schuhe im Garten wieder einzusammeln“, erzählt sie.
Neu sind die Füchse für Singer also nicht. Neu ist, wie nahe sie mittlerweile kommen. Vor allem in den vergangenen drei Jahren seien die Begegnungen deutlich intensiver geworden. Früher hätten sich die Tiere vor allem in der Dämmerung gezeigt.
Heute würden sie Singers Garten beinahe wie ihr eigenes Revier nutzen. „Sie legen sich auf unser Sofa auf der Terrasse und entspannen.“ Wenn Singer in den Garten geht, würden die Füchse nicht einmal wegrennen.
Vom Wald in die Stadt
Dass sich Füchse im städtischen Raum wohlfühlen, ist für das Wildtierservice keine Überraschung. Die Tiere gelten als sogenannte Kulturfolger und kommen mit dem urbanen Lebensraum bestens zurecht. Mitunter fühlen sich Wildtiere in der Stadt sogar wohler als auf dem Land oder im Wald.
Abfall und Komposthaufen
Vor allem das Nahrungsangebot lockt die Tiere in die Nähe von Wohnhäusern. Füchse seien anpassungsfähige „Nahrungsopportunisten“. Offen zugängliche Abfälle oder Komposthaufen können dazu beitragen, dass sie immer wieder zurückkehren.
Füttern sollte man die Tiere deshalb keinesfalls. „Sie verlieren dadurch ihre natürliche Scheu, betteln um Futter und verweilen langfristig in der unmittelbaren Umgebung von Menschen“, heißt es vom Wildtierservice.
Jungtiere in Döbling
Dass sich die Tiere längst nicht nur für Fressbares interessieren, zeigt sich einige Bezirke weiter nördlich in Döbling. Dort beobachtete Klaus Fessel vor wenigen Tagen Jungfüchse beim Spielen in seinem Garten. Ihr Spielzeug: ein Arbeitshandschuh. „Ich habe meinen Augen nicht getraut“, erzählt er.
Die Füchse in Fessels Garten seien allerdings deutlich scheuer als jene am Küniglberg. „Ich musste mich regelrecht anschleichen, um ein Bild zu machen.“
„Etwas Besonderes“
Gestört fühlt sich Fessel von den tierischen Besuchern aber nicht. Im Gegenteil: „Ich finde das herzig. Es ist etwas Besonderes, solche Tiere mitten im städtischen Raum beobachten zu können.“
Keine Angst
Angst vor den Füchsen haben weder Fessel noch Singer. „Uns selbst tun sie nichts“, sagt Singer. Wie nah die Tiere den Menschen kommen, erleben die beiden allerdings unterschiedlich.
Während sich Fessel sich eben anschleichen muss, um die Jungfüchse zu beobachten, ziehen sich die Tiere in Singers Garten selbst dann kaum zurück, wenn Menschen anwesend sind.
Grund zur Sorge besteht bei einer Fuchsbegegnung laut Wildtierservice nicht. Füchse seien in der Regel von Natur aus scheu und würden den direkten Kontakt mit Menschen meiden. Wer einem Tier begegnet, sollte ruhig bleiben, Abstand halten und ihm einen Rückzugsweg lassen.
Wann soll man den Wildtierservice anrufen
Ein allein gesichteter Jungfuchs ist ebenfalls zunächst kein Fall für das Wildtierservice. Meist befinden sich die Elterntiere in der Nähe.
Eingreifen sollte man nur, wenn ein Tier offensichtlich verletzt, krank oder in Not ist. Das Wildtierservice ist täglich von 7.30 bis 22 Uhr unter 01 4000-49090 erreichbar.
Kommentare