Fuchs attackiert Kater in Wiener Innenhof: Nachbarn sind besorgt

Wildtier hat sich mit Jungen einen Bau im urwaldähnlichen Innenhof des Nachbar eingerichtet und hat Kater zwei Mal attackiert.
Ein Fuchs in einem Wiener Innenhof.

Auf der einen Seite eine gepflegte Gartenhütte, eine Pergola mit Kieselsteinen, ein akkurat geschnittener Rasen, auf dem Kinder spielen. Auf der anderen Seite eine Art Urwald, wie er nur selten im Wiener Stadtgebiet zu finden ist. Dort, im Innenhof eines Mehrparteienhauses in Gersthof in Währing, hat sich schon länger ein Fuchs offenbar einen gemütlichen Bau eingerichtet.

Mehr noch. Mittlerweile streunt auch der Nachwuchs durch das Idyll, in dem sich buchstäblich Fuchs und Hase gute Nacht sagen könnten. Was der Fuchs natürlich nicht tut. Was er aber tut: Er bleibt nicht in seinem Urwald, sondern lässt sich gerne auch in Nachbars gepflegtem Garten blicken. 

Fuchsbaby unter einer Leiter mit Blättern im Maul.

Das Fuchsbaby.

Was diesen naturgemäß weniger freut. Denn der Fuchs ist nicht nur bereits über die Treppe bis zum Terrassenfenster auf seinen Streifzügen vorgedrungen. Nein, er dürfte Rocky, den Kater des Nachbarn, bereits zwei Mal attackiert und verletzt haben. Die Tierärztin, bei der Rocky in Behandlung war, geht jedenfalls von einem Fuchsbiss aus. 

Eine verletzte Katze.

Katze Rocky mit der Bissverletzung. 

In dem Haushalt leben allerdings nicht nur Katzen und Erwachsene. "Was ist, wenn der Fuchs Kinder angreift", fragt sich der Nachbar, der davon ausgeht, dass der Fuchs auch an anderen Plätzen in der Nachbarschaft auf Suche nach Futter und Spielsachen für die Jungen ist. So ist etwa eines Tages ein fremder Schuh im verwilderten Garten aufgetaucht. 

Füchse legen Scheu ab

Der Fuchs hat bereits viel Scheu abgelegt, auch die Jungen lassen sich immer wieder filmen. Was auf den ersten Blick sehr idyllisch gewirkt hat - nicht zuletzt wegen der entzückenden Fuchsbabys - entwickelt sich für die benachbarte Familie mittlerweile zu einem Problem. 

Zuletzt haben die Füchse sogar ihr Junges im Garten zurückgelassen, als sie vertrieben wurden - ein langes Geheul in der Nacht war die Folge, bis das Jungtier selbst in den verwilderten Garten zurückkehren konnte. 

Kein Einzelfall

Offenbar kein Einzelfall, wie ein kurzer Blick auf die Website "Stadtwildtiere" zeigt. Dort sind zwei Rotfüchse zu sehen, die auf einem Sportplatz bei einer Wohnhausanlage nahe eines Spielplatzes auf der Schmelz zu sehen. Ein anderer wird der Gentzgasse von einer Kamera festgehalten, ein anderes Mal ein völlig abgemagertes Jungtier in der Lynkeusgasse in Hietzing. 

"Kulturfolger im Stadtgebiet"

Auch in Spitalsarealen, die große Grünflächen aufweisen, tauchen immer wieder Füchse auf. Was also tun mit diesem Wildtier? Florian Hutz von der MA49, zu der das Wildtierservice der Stadt zählt, ist zuerst einmal nicht überrascht: "Generell kommen Füchse als Kulturfolger im gesamten Wiener Stadtgebiet vor und sind teilweise auch gegenüber Menschen vertraut."

Das entstehe dadurch, dass Wildtiere "bewusst aber auch oft unbewusst", etwa durch offene Komposthaufen oder Katzenfutter vor der Haustüre gefüttert werden und dadurch die Scheu verlieren würden. 

Ein verwilderter Innenhof mit einer alten Gartenliege.

Der verwilderte Innenhof, ein paradiesischer Fuchsbau. 

Hutz weiß auch, dass Füchse in Innenhofgärten, wie im eingangs geschilderten Fall, bereits längst als Stammgäste gelten. Rechtlich gesehen ist der Fuchs aber ein "herrenloses Gut", wie jedes Wildtier, betont Hutz. 

"Vergrämung" ist Sache des Grundeigentümers

Jeder Grundeigentümer, der sich gestört fühle, müsse demnach "selbst Maßnahmen zur Abwehr der Wildtiere" ergreifen. "Vergrämung" heißt das im Fachjargon, der Begriff wurde vor allem bei Wolfsichtungen in den letzten Jahren bekannt.

Was nicht erlaubt ist: Einen Fuchs zu fangen oder gar zu töten, wenn man kein jagdausübungsberechtigter Grundeigentümer ist. Das gilt natürlich noch viel mehr für Nachbarn - auch wenn niemand für den Schaden, den ein Fuchs anrichtet, haftbar gemacht werden kann. 

Eigentümer sind informiert

Zuletzt waren die Eigentümer des Hauses, in dem sich der Fuchs niedergelassen hat, wieder einmal vor Ort - eine Kontaktaufnahme, um zu erfahren, was sie gegen das Wildtier zu unternehmen gedenken, sei nicht möglich gewesen, schildern Nachbarn. 

Grundsätzlich ist Hutz überzeugt, dass "von der bloßen Anwesenheit einzelner Füchse in der Nähe eines Wohngebäudes in der Regel keine erhebliche Gefahr für die Gesundheit oder Sicherheit, auch nicht für Kinder, ausgeht". Im aktuellen Fall rät er aber, dass "die Situation weiterhin beobachtet werden" sollte. 

Um schließlich anzubieten, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wildtierservice Wien natürlich die Situation vor Ort ansehen und Vergrämungsmaßnahmen vorschlagen könnten: "Wir können auch versuchen, mit dem Eigentümer des Hauses in Kontakt zu treten." 

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