Entlang der U6 wurden Straßendealer festgenommen oder vertrieben.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Schwerpunkt in Wien
08/02/2016

"Müssen neue Drogen-Hotspots verhindern"

220 Straßendealer sind seit 1. Juni in Haft. Doch die Banden suchen nach neuen Absatz-Plätzen.

von Michael Berger

Seit 1. Juni nahm die Polizei in Wien entlang der U-Bahnlinie U6 rund 600 Personen fest. Gut die Hälfte waren Straßendealer. 220 Personen wurden wegen Drogenverkaufs sofort in Haft genommen. Die Maßnahme, bereits nach dem ersten Delikt ins Gefängnis zu kommen, besteht seit einer Gesetzesnovelle Anfang Juni.

"Unser Ziel, Straßendealer aus dem öffentlichen Raum weg zu bekommen und somit die Bevölkerung zu schützen, ist erreicht. Wir müssen jetzt Sorge dafür tragen, dass sich keine neuen Drogen-Hotspots bilden", sagte Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl am Dienstag.

Um das zu erreichen, gibt es eine enge Kooperation mit den diversen Magistratsabteilungen (die täglich in Wien unterwegs sind) und der Wiener Drogenkoordinationsstelle.

Andrea Jäger, in der Koordinationsstelle für den öffentlichen Raum zuständig, bestätigt den Erfolg. Sie appelliert aber an die Exekutive: "Die Polizei muss dranbleiben. Das ist wichtig." Denn die verhafteten Straßendealer können personell über Nacht ersetzt werden. Und es gibt bereits erste Meldungen, dass Banden nach neuen Absatz-Plätzen in der Stadt suchen. So sollen laut Presse in den Straßenbahn-Linien 6 und 18 zwischen Simmering und dem Westbahnhof bereits illegale Drogengeschäfte abgewickelt worden sein. Aber auch in Parks und Grünanlagen, wie dem Bruno-Kreisky-Park in Wien-Margareten und dem Prater versuchen sich die organisierten Dealer zu etablieren.

Seitens der Wiener Linien will man warten, ob dies Einzelfälle waren, oder tatsächlich eine Verdrängungs-Dynamik von der Linie U6 in die Straßenbahnen und Parks stattfindet. Unternehmenssprecher Michael Ungar dazu: "Das ist jetzt noch nicht abzusehen. Aber wir können nach Absprache mit der Polizei sofort reagieren. Wir stehen in engem Kontakt mit den Behörden."

Dabei spiele jedoch die Personaldecke eine Rolle. "Derzeit sind unsere Securitys noch an der U6 eingesetzt. Denn wir wollen ja nicht die Dealer zur Rückkehr animieren", erklärt Ungar.

eMails von Bürgern

Auch der Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Karlheinz Hora (SPÖ) spricht von den Versuchen, neue Hotspots zu errichten: "Ich habe eMails von besorgten Bürgern erhalten, die vom Donaukanal diese Entwicklung gemeldet haben." Nachsatz: "Ich habe den kurzen Dienstweg gewählt und den Stadthauptmann der Leopoldstadt kontaktiert. Sehr schnell waren Beamte vor Ort. Das hat bestens funktioniert. Die Drogendealer waren vertrieben."

90 Prozent der seit 1. Juni inhaftierten 220 Straßendealer sind laut Polizei Asylwerber. Sie verkauften in erster Linie Cannabis, in geringen Mengen Kokain und Heroin. Und seit der Gesetzesänderung gab es 618 Suchtmittel-Sicherstellungen.

Hinter der Gruppe der Straßen-Verkäufer stehen bestens vernetzte und organisierte Drogen-Lieferanten.

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