Die Bahnmitarbeiter erhalten ein spezielles Sicherheitstraining.

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Drogen
05/31/2016

Drogenkriminalität: Mehr Sicherheit an Hotspots

Neues Gesetz erleichtert das Vorgehen gegen Dealer. Auch Sicherheitspaket für Badner Bahn.

von Johanna Kreid, Patrick Wammerl

Praterstern, Handelskai und mehrere Stationen der U-Bahn-Linie U6 gelten derzeit als Hotspots in Wien: Vor allem der florierende Drogenhandel sorgte für Beunruhigung bei vielen Passanten. Aufgrund einer Gesetzesänderung wird es ab morgen, 1. Juni, rascher möglich sein, Straßendealern das Handwerk zu legen. Die Polizei wird daher mit 200 zusätzlichen Einsatzkräften an besagten Hotspots präsent sein. Und auch in der Badner Bahn, wo Unbekannte zuletzt gebrauchte Spritzen in die Sitzflächen montiert haben, startet ein Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit.

Der Hintergrund: Anfang Jänner trat eine Gesetzesänderung in Kraft, laut der es sich erst um gewerbsmäßigen Drogenhandel handelte, wenn ein Dealer zum dritten Mal oder mit Drogen im Wert von 400 Euro erwischt wurde. "Das führte zu deutliche mehr Kriminalität", erklärt Polizeisprecher Paul Eidenberger. Alleine bei den Stationen Thalia Straße und Josefstädter Straße gab es im Februar und März 2016 doppelt so viele Anzeigen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 82 Prozent davon waren Drogendelikte.

Nun wurde das Suchtmittelgesetz verschärft: "Damit räumen wir Möglichkeiten ein, Dealer wieder leichter in U-Haft zu nehmen", sagt Justizminister Wolfgang Brandstetter. Eidenberger erklärt: "Ab 1. Juni werden 200 zusätzliche Beamte rund um die Uhr an den Hotspots für Sicherheit sorgen. Entlang der U6 werden viele Drogenspürhunde eingesetzt, um die Drogenverstecke aufzuspüren."

Spritzen auf Sitzbank

Für Verunsicherung haben auch Zwischenfälle in der Badner Bahn gesorgt. Auf der Strecke zwischen Baden (NÖ) und Wien wurden Injektionsnadeln so zwischen Rückenlehne und Sitzbank angebracht, dass sich Fahrgäste stechen konnten. Einen ähnlichen Vorfall, bei dem sich eine Frau tatsächlich gestochen hat, gab es auch in der Wiener S-Bahn.

Bei der Badner Bahn soll sich nun etwas ändern. Neben verstärkter Polizeiüberwachung wurde von den ÖVP-Frauen und den Bahnbetreibern ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl speziell von Frauen zu erhöhen.

Die Bahnmitarbeiter und Kontrollore erhalten ein spezielles Sicherheitstraining, neue Uniformen sollen sie außerdem sichtbarer machen. In den Zügen und Bahnsteigen gibt es Notfallsprechanlagen, die in einer Gefahrensituation sofort gedrückt werden können. "Um die Kontrolle speziell in den Bahnhofsbereichen kümmern sich Beamte aus den Bezirken Mödling und Baden", erklärt Niederösterreichs Polizeisprecher, Markus Haindl.

Ein Lokalaugenschein am Montag bei der Badner Bahn zeigt, dass sich nur wenige Fahrgäste vor Spritzen fürchten. "Natürlich schaut man genauer, aber den Sitzplatz kontrolliere ich sowieso immer", sagt Schülerin Anastasia Adlitzer.

Wichtig sind die Maßnahmen vor allem Fahrgästen, die oft abends pendeln. "Ich wurde mehrmals blöd angemacht und hatte nicht das Gefühl, dass mir jemand helfen würde, wenn etwas passiert. Am Abend fahre ich nur noch mit dem Taxi", erklärt Gabriele B.

Spritzen im Zug: „Chance einer Ansteckung sehr gering“

Die in Nahverkehrszügen deponierten Spritzen verunsicherten zuletzt viele Passagiere.

Zuletzt wurden in einem Zug auf den Sitzen gebrauchte Spritzen deponiert. Welche Krankheiten können so übertragen werden?

Grundsätzlich alles, was mittels Blutkontakt übertragen werden kann. Es gibt Viruserkrankungen wie etwa HIV oder Hepatitis B oder C. Theoretisch können es auch bakterielle Krankheiten wie etwa Syphilis sein. Das alles ist aber sehr unwahrscheinlich.

Sie raten von großer Panik ab?

Auf jeden Fall. Es ist klar, dass es für die Betroffenen ein Horrorszenario ist. Aber: Die Chance einer Ansteckung ist extrem gering. Sie kennen etwa die Geschichten von Kindern, die sich im Park an einer weggeworfenen Spritze stechen: Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem das zu einer Infektion geführt hätte.

Kann man das Risiko beziffern? Gibt es da Erfahrungswerte?

Es gibt ein Beispiel aus dem medizinischen Bereich: Sticht man sich unmittelbar nach der Blutabnahme bei einem HIV-positiven Patienten mit der Nadel, beträgt die Ansteckungsgefahr 0,3 Prozent. Das heißt, laut Statistik stecken sich drei von 1000 an – und das nur unter für das Virus sehr günstigen Bedingungen.

Doch wie realistisch ist diese Statistik?

Die Daten stammen aus den frühen 1990er-Jahren. Damals gab es nicht so gute Therapien wie heute. Mittlerweile sind geschätzte 90 bis 95 Prozent der bekannten HIV-Infizierten in erfolgreicher Behandlung und haben daher nur in wenigen Fällen nachweisbare Mengen an Viren im Blut. Bei einer geringeren Anzahl sinkt auch die Ansteckungsgefahr.

Wie lange überleben Viren außerhalb des Körpers?

Das ist unterschiedlich. In der Regel ist etwa das HI-Virus sehr empfindlich auf Austrocknung und überlebt nur kurze Zeit. Auch bei Hepatitis B und C überleben die Erreger normalerweise nicht lange. Bei Hepatitis C ist das Risiko der Ansteckung zwar um den Faktor Zehn höher als bei HIV, dennoch ist es sehr gering. Zudem ist Hepatitis C mittlerweile eine heilbare Infektionskrankheit.

Was raten Sie Betroffenen?

Natürlich weiß man nicht, von wem die Nadel ist. Man sollte daher einen Arzt konsultieren. Gegen Krankheiten wie Hepatitis B sollte man sich zudem impfen lassen. Aber man darf auch nicht vergessen: Es gibt in Österreich zirka 8000 HIV-Infizierte; nur sehr wenige davon konsumieren intravenös Drogen. Die Chance, sich anzustecken, ist wirklich extrem gering. Wahrscheinlicher ist, dass man sich eine ganz banale Wundinfektion zuzieht. Empfehlenswert ist außerdem ein Schutz gegen Tetanus.

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