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Chronik Wien
10/25/2021

Wiens Gastro-Obmann Dobcak fordert allgemeine Impfpflicht

Er habe auf die Vernunft der Menschen gehofft, doch offensichtlich sei das ein Irrweg gewesen.

von Andreas Puschautz

Peter Dobcak, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wiener Wirtschaftskammer, sprach sich am Montag mit deutlichen Worten für eine allgemeine Impfpflicht aus und kritisierte gleichzeitig die heimische Corona-Politik scharf.

"Als Enkelkind der Kriegsgeneration, aufgewachsen mit einem für die Zeit selbstverständlichen Glauben an die Entscheidungskraft unserer gewählten Volksvertreter", sei es für ihn "zunehmend unerträglich", sich seitens ebenjener Volksvertreter "jeden Tag diese Feigheit vor dem Herrn" anzuhören, schrieb Dobcak in einer Kolumne auf dem Online-Portal gastronews.wien.

"Verschreckte Kinder"

Die Volksvertreter wurden gewählt, um auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wenn diese sich als notwendig erweisen, so Dobcak weiter. Stattdessen würden sie "wie verschreckte Kinder in einer so wichtigen Zeit um den heißen Brei herumreden, vor jeder notwendigen Entscheidung Umfragen durchführen und nachfragen, ob die Entscheidung hoffentlich so genehm ist".

Den Grund für diese von ihm kritisierte Passivität ortet Wiens oberster Gastronom im Zeitgeist, "dem Geschrei jeder noch so kleinen Minderheit absolutes Gehör und damit völlig übertriebenes Gewicht zu schenken".

Als Bürger und Vertreter einer von der Pandemie besonders schwer betroffenen Branche frage er sich aber, "wie wir dazu kommen bei den inzwischen zur Verfügung stehenden Impfungen noch immer unter massiven Einschränkungen leiden zu müssen, wirtschaftlich, wie gesellschaftlich?"

Dobcaks Forderung an die Bundesregierung: "Führt doch endlich die allgemeine Impfpflicht ein und werdet Eurer Verantwortung gegenüber Österreich gerecht!"

Sinneswandel

Bemerkenswert ist das nicht zuletzt, weil sich Dobcak im Sommer bezüglich einer Impfpflicht noch äußerst skeptisch gezeigt hatte. Woher also der Sinneswandel?

"Ich habe auf die Vernunft der Menschen gehofft; darauf, dass die Informationskampagnen wirken, aber offensichtlich ist das nicht der Fall", sagt Dobcak zum KURIER. Um das zu sehen, müsse man sich nur die Zahlen anschauen.

Ob er mit seinem Wunsch nach einer Impfpflicht in der persönlichen Kolumne auch für die Mehrheit "seiner" Mitgliedsbetriebe spricht, wisse er nicht. "Ich weiß nur, dass die absolute Mehrheit der Mitgliedsbetriebe dieses Hin und Her satt hat und wir uns wieder auf unser Kerngeschäft konzentrieren wollen."

Fakt ist: Dobcak ist nicht der erste Gastronomie-Funktionär, der eine allgemeine Impfpflicht fordert. Sein Pendant in der österreichischen Wirtschaftskammer, Mario Pulker, hatte sich bereits im Juli dafür ausgesprochen.

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