Fleisch ist zurück: Vegan-Experiment am Wiener Würstelstand beendet
Mike Lanner hat in seinen Wiener Würstelständen den veganen Betreib zwei Monate lange geprobt.
Seit Dienstag gibt es bei den Wiener Würstelständen von Mike Lanner in der Pfeilgasse 1 (Josefstadt) sowie an der U4-Station Spittelau (Döbling) wieder Bio-Fleischwürste. Das vegane Experiment, dass mit dem „Veganuary“ begann und auf zwei Monate ausgedehnt wurde, ist damit beendet.
Alles beim Alten, also? Nein, das Konzept lautet nun primär vegan und weniger Fleisch als vorher. „Die Option vegan zu bleiben war am Tisch. Damit erreichst du aber nur die, die davon schon überzeugt sind. Ich denke, dass wir so mehr Menschen mitnehmen und die Mitte verschieben können“, sagt Lanner im KURIER-Gespräch.
Offen für alle zu sein, (und damit auch für Fleischesser), habe für ihn einen besonders hohen Stellenwert: „Ich mags, wenn's bunt ist. Dass der Würstelstand ein sozialer Ort und in vielen Jahren noch relevant ist, ist mir viel wichtiger. Je niederschwelliger, desto besser. Das taugt den Menschen. “
Vom Sternerestaurant zum Würstelstand
Dauerhaft übernommen wird auf der Karte die vegane Currywurst. Das besonders beliebte aber für die Hochsaison zu aufwendige Backhendl aus Austernpilzen sowie der Hotdog „Veganer Vogel“ gehen in Sommerpause.
Neu ist dafür der vegane Hotdog mit Krennmayo und Sauerkraut (statt dem Kimchi-Hotdog) sowie Aufstrichbrote (Grammelschmalz, Leberwurst und Pilzpaté) sowie Lumpa Salat (Vorarlberger Wurstsalat).
Der Kopf hinter den Speisen ist übrigens Alexander Hafele, der im Sternerestaurant Steirereck lernte und nach einjähriger Station in der Labstelle beschloss, ganz beim Würstelstand einzusteigen.
„Qualität ist für mich nicht an Sterne gebunden und ich bin nach dem Dienst immer zum Würstelstand gegangen. In der gehobenen Küche ist man so losgelöst und sieht die Freude der Gäste nicht. Beim Würstelstand habe ich direkten Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen“, sagt Hafele.
Qualität ist für mich nicht an Sterne gebunden und ich bin nach dem Dienst immer zum Würstelstand gegangen.
Koch
Finanziell hat sich der vegane Betrieb laut Lanner gelohnt – in der Pfeilgasse habe man im Jänner und Februar tendenziell mehr Umsatz gemacht. In der Spittelau, wo im Winter bisher geschlossen blieb, habe er jedenfalls kein Geld verbrannt: „Das werte ich als Erfolg.“ Das Trinkgeld fiel sogar an beiden Standorten besser aus.
Gäste bekommen Gender-Pay-Gap-Rabatt
Was Lanner bei seinen Gästen auch wahrgenommen hat: viele kommen ganz bewusst, darunter mehr Frauen und FLINTA-Personen (Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender, also geschlechtsneutrale Menschen).
Eine für Lanner augenöffnende Erfahrung, aus der die Frage entstanden ist: Wenn der Wiener Würstelstand immaterielles UNESCO-Kulturerbe ist, was kultivieren wir dort eigentlich? Und haben dort alle gleich viel Platz?
Darum wird der Würstelstand im März gemeinsam mit Bier von „Muschi Kraft“ feministisch. Den ganzen Monat gibt es einen Gender-Pay-Gap-Rabatt von 11,6 %, die Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen in Österreich.
Von 26. bis 28 März wird am Stand in der Spittelau ein dreitägiges Festival gefeiert, veranstaltet werden Gesprächsrunden, Workshops und Livemusik. Überhaupt habe man laut Lanner eine neue Zielgruppe erreicht, „die uns auch erhalten bleibt. Und den Titel als die vegane Adresse untern den Würstelständen haben wir jetzt.“
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