Wiener Würstelstände bleiben vegan: So lief der Monat ohne Fleisch
Die Wiener Würstelstände von Mike Lanner nehmen am Veganuary teil, die Stände in der Pfeilgasse und in Spittelau verlängern das Experiment um weitere drei Wochen im Februar.
Im "Veganuary" gab es bei den Wiener Würstelständen in der Pfeilgasse 1 (Josefstadt) sowie an der U4-Station Spittelau (Döbling) ausschließlich pflanzliche Speisen. Der Jänner ist vorbei, die Standorte bleiben jedoch vegan.
Mike Lanner verlängert das Experiment um weitere drei Wochen im Februar. "Wenn man am Würstelstand plötzlich als ‚woke Wappler‘ gilt, dann weiß man, dass man etwas angestoßen hat", sagt Lanner in Erinnerung an eine der weniger freundlichen Reaktionen auf die Umstellung.
Manche wünschten ihm gar die Pleite. Eingetreten ist die zwar nicht, doch hat sich der fleischlose Monat tatsächlich rentiert?
Lanner: "Befürchtung war, dass wir Geld verbrennen"
"Die Prämisse war, dass es nicht schlechter laufen darf als sonst. Im Jänner ist keine Würstelstand-Hochsaison und die Fallhöhe wetterbedingt gering. Von der Tendenz her haben wir in der Pfeilgasse aber mehr Umsatz als sonst gemacht", schildert Lanner im KURIER-Gespräch.
Andere Voraussetzungen galten beim Experiment für den Stand in der Spittelau. Der blieb im Winter bisher geschlossen und wurde extra für den Veganuary geöffnet. "Die Befürchtung war, dass wir dort durch die Personalkosten Geld verbrennen. Das ist zum Glück nicht passiert, wir haben also kein Verlustgeschäft gemacht."
Ein besonders spannendes Fazit nach einem Monat Veganuary: Besser als sonst sei das Trinkgeld ausgefallen. "Wir haben viele Leute sehr glücklich gemacht und mehr Zuspruch bekommen als im gesamten letzten Jahr", zeigt sich Lanner zufrieden.
Die Top 5 der veganen Wurstgerichte
Was Lanner auch sagen kann, ist, welche der veganen Speisen bei den Gästen am besten ankamen. Die beliebtesten Gerichte waren:
- Original Bosna (19%)
- Southern Style Backhendl (16%)
- Kimchi Dog (14%)
- Kopenhagen Dog (14%)
- Currywurst (13%)
Der Jänner war die Honeymoon-Phase, alle waren verliebt und das Konzept neu und frisch. Ich will mir das aber länger ansehen.
Betreiber Wiener Würstelstand
Veganes Angebot wird ausgebaut
Damit es spannend bleibt, kommen im Februar neue vegane Wurstgerichte auf die Karte, den Anfang macht ab Donnerstag das vegane Crispy Chicken Sandwich. Für die fundierte Wurst-Grundlagenforschung will man Expertinnen und Experten aus Biologie, Ernährungswissenschaft, Soziologie und Kultur zu Diskussionen einladen.
Ob das rein vegane Angebot nochmals bis in den März verlängert wird, lässt Lanner offen. "Der Jänner war die Honeymoon-Phase, alle waren verliebt und das Konzept neu und frisch. Ich will mir das aber länger ansehen." Weniger werden die veganen Speisen laut Lanner in Zukunft aber sicher nicht und der Würstelstand auch nicht zum Fleischpalast.
Der Jänner sei schlicht zu kurz gewesen, um eine Antwort auf die zentrale Frage zu finden, ob ein Wiener Würstelstand vegan sein kann und darf. Viele Gäste hätten auch den Wunsch geäußert, weiter zu probieren und weiter zu diskutieren.
Geld-zurück-Garantie "juckt keinen"
Auch er selbst habe nicht damit gerechnet, dass der vegane Monat so gut anlaufen würde, dass man hinter der Budel sogar ins Schwimmen kommt - auch weil man so viel selbst herstellt: "Und für die veganen Speisen ist der Aufwand noch größer als sonst."
Was Gästen an Lanners Würstelständen versprochen wird: eine Geld-zurück-Garantie, sollte jemand unzufrieden sein. In Anspruch genommen wurde das laut Lanner aber von niemandem. Für Gäste, die am Würstelstand etwas Veganes ausprobieren wollen, sei die Garantie auch kein Anreiz. "Das juckt niemanden. Wir haben auch von niemanden gehört, dass es teuer oder zu teuer wäre."
Das vegane Angebot zog Gäste trotz Winterwetter auch zum Würstelstand in der Spittelau.
Was Lanner mit dem veganen Konzept erreichen wollte: Provozieren und einen Beitrag zum Diskurs über Klima, Ernährung und Esskultur leisten. Er will zeigen, dass veganes Essen am Würstelstand genauso gut sein kann wie Käsekrainer und Co.
"Der Veganuary war für uns kein Statement, sondern ein Test. Und ein Experiment wird dann interessant, wenn man merkt, dass es viel mehr Menschen betrifft als nur jene, die es gestartet haben", sagt Lanner.
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