Wiener Würstelstände werden vorübergehend komplett vegan
Mike Lanner läutete für Würstelstände ein neues Zeitalter ein. An veganen Speisen führt für ihn auch hier kein Weg vorbei.
Zartbesaitete sollten ihre Würste festhalten: Die beliebten Wiener Würstelstände von Mike Lanner sind ab 2026 offiziell komplett vegan.
Die Ankündigung wird in Großbuchstaben auf den sozialen Medien herausposaunt, der erste Freuden- oder Schreckmoment, je nachdem wen man fragt, wird im nächsten Satz abgemildert.
Die Stände in der Pfeilgasse 1 (Josefstadt) sowie an der U4-Station Spittelau (Döbling) machen beim „Veganuary“ mit. Heißt, man verzichtet zumindest für einen Monat auf alle tierischen Produkte. Was automatisch die Frage aufwirft: Warum nicht gleich ganz?
Die veganen Schließungen der letzten Zeit sind noch deutlich in Erinnerung: Swing Kitchen, die Konditorei „Moriz“, die fleischlose Burger King-Filiale oder die Streichung des „McPlant“ bei McDonald’s.
Ist die vegane Küche einfach keine wirtschaftlich tragbare Dauerlösung – schon gar nicht für einen Wiener Würstelstand?
Ganz nahe am Klischee
„Wenn man an die Zukunft der Würstelstände denkt, führt daran kein Weg vorbei“, entgegnet Lanner. Und der weiß schließlich, wovon er spricht. Die Wiederbelebung der verstaubten Würstelstandkultur geht maßgeblich auf seine Kappe.
Er war der Erste, der vegane Bosna anbot und ein Biogütesiegel erhielt. Viele haben es ihm seither nachgemacht.
Die Vegane Currywurst aus Bio-Bratwürstel mit hausgemachter Currysauce im Bio-Wecken vom Mauracherhof sowie "Southern Style Backhendl" aus Austernpilz, eingelegt in Buttermilch und frittierte, dazu Zitrus-Mayonnaise, eingelegte Zitronen und Pilzstaub.
Am „Veganuary“ nehme er aus zwei Grünen teil: Nachhaltigkeit und Vielfalt, wobei ihm Letzteres fast noch wichtiger sei: „Wir wollen möglichst nahe am Klischee und ein Hütterl im öffentlichen Raum sein, zu dem jede und jeder gehen kann. Bei den Speisen sind aber viele gar nicht so offen, wie es das Klischee verspricht.“
Neues auf der Karte statt "Alt-Herren-Programm"
Dieser soziale Aspekt sei ihm auch wichtiger als die Burenwurst, die man vom Menü gestrichen hat: „Sie wurde kaum gekauft und war eher ein Alt-Herren-Programm.“
Neu auf der Karte (und ebenfalls bio) sind für den „Veganuary“ Currywurst aus Seitan sowie „Southern Style Backhendl“ aus Austernpilzen, eingelegt in veganer Buttermilch und frittiert, dazu eingelegte Zitronen und Zitrus-Mayo. Drei Hotdogs, Bosna sowie hausgemachten Soßen und Beilagen sind seit Eröffnung vegan.
Das Menü dauerhaft umzustellen, würde sich für Lanner mit dem sozialen Aspekt beißen. Aber: „Vielleicht kommt noch der vegane Februar, das wäre zumindest die Hoffnung.“
Auch wirtschaftlich glaubt er an das vegane Konzept, auch am Würstelstand: „Der Markt wäre groß genug. In Wahrheit bedient man ja nicht nur Veganer, sondern auch Vegetarier und zu einem noch größeren Teil Flexitarier.“
Erster rein veganer Stand
Wiens erste rein vegane Wurstbude gab es ab 2022 in der Neustiftgasse 81 (Neubau) mit „Eh Wurst“ von Raphael Rosdobutko. Während andere ein paar Fleischalternativen anboten, gab es hier die ganze Bandbreite: Bosna aus Pilzen, Curry-Seitanwurst, Bratwurst und Hotdog aus Tofu oder Leberkäse auf Basis von Erbsenprotein.
Im Dezember 2024 kam jedoch das überraschende Ende. Einen rein vegetarischen oder veganen Würstelstand gibt es seither nicht mehr. Vielleicht irgendwann wieder.
Übrigens: Der erste teil-vegetarische Würstelstand eröffnete bereits im Oktober 2002 am Wallensteinplatz in Anwesenheit zahlreicher Prominenz. Und Fleischwürste gab es auch hier.
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