Wiener Würstelstand expandiert vom Friedhof nach Schönbrunn
Patricia Pölzl hat bei Schönbrunn ihren "Würstel Pavillon" eröffnet.
Viele dürften es nicht mehr wissen, doch beim Hietzinger Tor bei Schönbrunn stand bis in die 1960er-Jahre ein Kiosk der Mobil-Tankstellen, bekannt für das Pegasus-Logo. Sie sind längst aus dem Stadtbild verschwunden, ebenso wie die historischen, roten Zapfsäulen.
Geblieben ist jedoch der kleine Pavillon am Platz 9. Nach jahrelangem Leerstand hat ihn Patricia Pölzl übernommen und in den fröhlich gelben „Wiener Würstel Pavillon“ verwandelt.
Der Pavillon ist ein wenig versteckt, liegt aber strategisch gut: Flankiert von der Pfarrkirche und einer Polizeistation bringt der öffentliche Parkplatz mit WC-Anlage Laufkundschaft. Geöffnet ist erst seit zwei Wochen, immer Donnerstag bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr.
Alte und neue Bekannte
Schon jetzt kommen alte und neue Bekannte: Taxifahrer, die Pölzl von ihrem Stand „Eh scho wuascht“ am Zentralfriedhof in Simmering kennt. Eine Dame will unbedingt ein Foto vom „herzigen“ Würstelstand machen und verspricht, Kundschaft („Meine Jugend.“) vorbeizuschicken.
Patricia Pölzl hat bei Schönbrunn ihren "Würstel Pavillon" eröffnet.
Oder Herr Simon, Anrainer und mit 80 Jahren noch immer gerne als Reiseleiter in Anzug und Krawatte unterwegs. Zwischen seinen Geschichten von New York bis Kuwait kommt er auch über Pölzl ins Schwärmen: „Sie macht das gut, eine richtig fleißige Frau.“
Aus für vegane Würste
Auf sechs Quadratmetern grillt die 29-Jährige Frankfurter, Buren- und Bratwürste, geliefert von der Fleischerei Ferdinand Wild aus dem Gaweinstal im Weinviertel. Das Angebot ist aus Platzmangel etwas kleiner als am Zentralfriedhof.
Ich bin auch offen für Veganes und schließe es nicht aus, das Angebot muss aber zum Standort passen.
Würstelstandbetreiberin
Was nicht (mehr) auf der Karte steht, sind vegane Würste, die bei Würstelständen der neuen Generation fast schon zum Standardrepertoire zählen.
„Ich habe es am Zentralfriedhof ausprobiert, aber es hat nicht so wirklich funktioniert. Es gibt schon sehr coole Würstelstände mit veganem Angebot, wie die von Mike Lanner (Wiener Würstelstand, Anm.). Ich bin auch offen für Veganes und schließe es nicht aus, das Angebot muss aber zum Standort passen“, sagt Pölzl.
Aus dem Grund sei der Pavillon auch nicht einfach ein zweiter „Eh scho wuascht“-Stand geworden: „Den gibt es nur ein einziges Mal.“
Auf der Wunschliste
Bei beiden Standorten scheint Pölzl aber ein Faible für Sehenswürdigkeiten zu haben. Neben dem Wiener Publikum bedient Pölzl da wie dort auch Touristen. Viele davon haben den Besuch bei einem Würstelstand auf ihrer Wunschliste. Mit dem Unterschied, „dass vor allem die Deutschen den Zentralfriedhof lieben. Bei Schönbrunn ist das Publikum internationaler.“
Ursprünglich wollte die Waldviertlerin in die Hotellerie gehen. Mit 19 Jahren kam Pölzl nach Wien und studierte Tourismusmanagement. Mit nur 25 Jahren entdeckte sie jedoch den einst leer stehenden Stand am Zentralfriedhof und auch in den Pavillon bei Schönbrunn habe sie sich sofort verliebt.
Als Mit-Initiatorin ist es der Unternehmerin auch maßgeblich zu verdanken, dass die UNESCO die Wiener Würstelstände seit 2024 als immaterielles Kulturerbe anerkennt. Diese Hingabe merkt man Pölzl an: „Es hat einen besonderen Reiz, etwas Altem neues Leben einzuhauchen. Ein Würstelstand macht so viel Spaß und ich kann mich nix anderes vorstellen.“
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