1984 nutzten die Kaufleute der Neubaugasse einen Elefanten als lebende Werbetafel.

© Mastnak

Chronik Wien
11/20/2021

Wiener Traditionsgeschäft: Mastnak und der Elefant im Papierladen

Seit 111 Jahren gibt es das Papiergeschäft Mastnak. Früher belieferte der Laden das Militär und wurde bekannt für Buchhaltungsspaltenbücher und einen Elefantenbesuch

von Nina Oezelt

Vor 37 Jahren spazierte ein echter Elefant einfach mal so durch die Neubaugasse.  Alle kamen vorbei, jeder wollte das Spektakel sehen. Die Idee dafür hatte der damalige Chef von dem Papierladen Mastnak. „Als in Schönbrunn der letzte Elefant starb, kauften mein Vater und die anderen Kaufleute in Ungarn für 100.000 Schilling einen neuen Elefanten“, erzählt seine Tochter und jetzige Chefin Birigt Payer. 

Bild links: © Mastnak

Bild rechts: © Mastnak

Im Laufe der Zeit

1910 gründet Friedrich Mastnak die Papierhandlung in der Neubaugasse. 1956 übernimmt Werner Sopper das Geschäft.

Bevor er dem Zoo übergeben wurde, spazierte er quasi als lebende Werbetafel durch die Neubaugasse. „Heuer wäre das aufgrund des Tierschutzes nicht mehr möglich“, sagt Payer. 

Shop der Monarchie

Aber zurück zum Ursprung: Im Jahre 1910 gründete Friedrich Mastnak eine Papierhandlung in der Neubaugasse 31. Damals kauften dort die Behörden der Monarchie ein, genauso wie das Militär.  Man profitierte von der nahen Stiftkaserne in der Stiftgasse. Mastnak wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt für die damals äußerst wichtigen Buchhaltungsspaltenbücher, heute etwa vergleichbar mit Excel-Sheets. 

Bild links: © Mastnak

Bild rechts: © Kurier/Juerg Christandl

Damals und heute

In den vergangenen Jahren wurde die Neubaugasse zur "Begegnungszone" umgebaut. Der Eingang des Geschäfts wird nun nicht mehr zugeparkt, aber der 13 A fährt in beide Richtungen.

„Wir sind wie eine Familie“, sagt die 54-jährige Gabriele Fellner. Sie arbeitet seit 35 Jahren im Betrieb. „Die Mitarbeiter sind alle fünf, zehn, 20 Jahre hier“, sagt sie. Es sind 22 Mitarbeiter auf vier Ebenen. Bei Mastnak gibt es Papier, Tinten, alles für den Künstlerbedarf, Geschenke und edle Füllfedern. Sogar der Altkanzler Christian Kern (SPÖ) holte sich hier sein Schreibgerät persönlich ab.

Herrenausstatter Knize
1., Graben 13
Vor 163 Jahren gegründet  vom  Schneidermeister Josef Knize. Adolf Loos entwarf den Shop  

Parfümerie Filz
1., Graben 13.
Hier gibt es seit 212 Jahren Düfte, Cremen und Haarspangen – auch historische Düfte, wie „Wiener Wasser“

Wäschegeschäft Zur schwäbischen Jungfrau
1., Graben 26.
Über 300 Jahre: Tisch-, Bett- und Frotteewäsche. Die Chefin wird „Linen Lady“ genannt

Drogerie Neuber’s Enkel
6., Linke Wienzeile 152.
Seit 156 Jahren Drogerie und Chemikalien – vom Fläschchen bis zur Tankfüllung

Mit 21 Jahren

In Wien gibt es nicht viele Läden, die so lange überlebt haben. Ein Beispiel ist das Traditionsgeschäft am Graben: die 212-jährige Parfümerie Filz. Mastnak ist da mit seinen stattlichen 111 Jahren fast noch jugendlich. „Mein Vater, Werner Sopper, übernahm Mastnak mit 21 Jahren“, erzählt Brigit Payer. Ihr Vater war 1955 Buchhalter eines anderen Papiergeschäfts gewesen. Als die Inhaber bei einem Autounfall verstarben, hatte er plötzlich keinen Job mehr. Sopper kaufte dann das Geschäft der Witwe Mastnak ab.

Stolz auf Papier

2017 übernahm Birgit Payer das Geschäft von ihrem Vater.

 40.000 Artikel findet man in dem 420 Quadratmeter großen Shop  

Als Jüdin flüchtete diese im Jahr 1938 mit ihrem Mann, Friedrich Mastnak dem ursprünglichen Besitzer des Ladens, nach Australien. Ein Verwalter übernahm danach, und als sie Jahre später zurückkam und ihr Mann verstarb, verkaufte sie das Geschäft. Für Werner Sopper, den Vater von Birgit Payer, startete somit 1956 die Papier-Ära. 

Im ersten Monat konnte der junge Unternehmer kaum seine drei Mitarbeiter zahlen; ihm fehlten 2.000 Schilling. Über die Jahre wurde Sopper aber zu einem bekannten Geschäftsmann. Er wurde Obmann der Geschäftsleute der Neubaugasse und gründete auch den Neubaugassenflohmarkt. Der ist heute als Flaniermarkt bekannt.

„Der damalige Bürgermeister Zilk vertraute ihm und ließ ihn das machen“, sagt seine Tochter. Payer, die ehemalige Bankangestellte, übernahm  2017 nach dem Tod ihres Vaters. Um Kosten zu sparen, musste sie den zweiten Standort im EKZ Galleria im 3. Bezirk schließen. Das Traditionshaus soll auf jeden Fall mit ihrem Sohn weiterleben – und das digitaler. Er wird nämlich eher mit einer Maus als mit einem Elefanten arbeiten.

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