Wiener Taxifahrer stahl Uhren von Kunden: 60 Opfer meldeten sich

Wiener Taxifahrer stahl Uhren von Kunden: 60 Opfer meldeten sich
Nach der Festnahme des Mannes in der Vorwoche meldeten sich zahlreiche weitere Betroffene.

Bereits 60 Opfer haben sich im Fall um einen Wiener Taxifahrer gemeldet, der von Kundinnen und Kunden seit rund einem Jahr hochpreisige Uhren gestohlen haben soll. Das teilte Polizeisprecher Philipp Haßlinger am Montag der APA mit.

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Die Ermittler hatten dem Mann vor einer Woche nach monatelangen Ermittlungen das Handwerk gelegt. Der 33-Jährige wurde in Untersuchungshaft genommen, zunächst war es um 39 Opfer gegangen. Diese Zahl erhöhte sich nun nach einem Aufruf der Polizei.

Für die Ermittler gilt es nun abzuklären, ob die Menschen, die sich gemeldet haben, tatsächlich der Serie zuzuordnen sind. Der Mann soll seit einem Jahr in seinen regulären Nachtdiensten immer wieder die starke Alkoholisierung seiner Opfer ausgenützt haben.

K.o.-Tropfen in Kaugummis

Erstmals öffentlich bekannt wurde die Serie im Frühjahr 2023. Zu diesem Zeitpunkt waren bei der Polizei 22 Taten registriert, zum Taxifahrer oder dem Fahrzeug gab es aber keine entscheidenden Hinweise. Die Opfer hatten damals teilweise angegeben, von dem Lenker möglicherweise mit angebotenen Kaugummis oder Zuckerln K.o.-Tropfen verabreicht bekommen zu haben.

Wiener Taxifahrer stahl Uhren von Kunden: 60 Opfer meldeten sich

Dem 33-jährigen Türken werden die Diebstähle vorgeworfen.

Die ersten bekannten Taten der Serie wurden im Sommer 2022 verübt, schilderte Martin Roudny, Leiter des Landeskriminalamtes Wien, Außenstelle Zentrum-Ost, in der vergangenen Woche bei einer Pressekonferenz.

Der Taxilenker sprach bei seinen Nachtfahrten neben regulären Kunden auch gezielt vor Szenelokalen in der Innenstadt gut gekleidete, vorwiegend männliche Personen an, ob sie ein Taxi bräuchten oder gerufen hätten. Teilweise hatten die Betroffenen tatsächlich ein Taxi oder Uber angefordert und stiegen in der Annahme ein, es sei der bestellte Fahrer.

Der Diebstahl wurde von den alkoholisierten Opfern immer erst deutlich nach Verlassen des Fahrzeugs bemerkt, sodass sie später keine Angaben zum Fahrer, Automodell oder Kennzeichen machen konnten. 

So kamen Ermittler dem Taxilenker auf die Spur

"Zum Glück hat dann ein Kollege von der Polizeiinspektion Klosterneuburg eine Anzeige erstellt", berichtete Chefinspektor Andreas Lang, Leiter der Ermittlungsgruppe, in der Vorwoche. So kamen die Ermittler im Juni auf das Kennzeichen des Fahrzeugs und konnten die Identität des Lenkers ausforschen.

Wiener Taxifahrer stahl Uhren von Kunden: 60 Opfer meldeten sich

Mit diesem Taxi war der Täter unterwegs.

In der Nacht auf vergangenen Montag beobachteten die Ermittler den Lenker mit seinem silbernen Ford Mondeo Kombi wieder und sahen, wie in Wien-Hietzing ein Mann, der in das Schema der anderen Opfer passte, in das Fahrzeug stieg.

Auf der längeren Route durch die Stadt schlief der Kunde auf der Rückbank ein und der Lenker stellte sich in Rudolfsheim-Fünfhaus einige Minuten auf einen Parkplatz, um dann nach Währing weiterzufahren und seinen Gast dort abzusetzen.

Rolex in der linken Hosentasche

Polizisten sprachen den Ausgestiegenen sofort an, ob er seine Armbanduhr noch hatte. Als dieser verneinte, wurde der Taxifahrer durchsucht, die Rolex in der linken Hosentasche sichergestellt und der Beschuldigte festgenommen, berichtete Lang.

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Bei der Amtshandlung wurde ein Beamter leicht verletzt. Eine anschließende Hausdurchsuchung führte zur Sicherstellung weiterer hochwertiger Uhren, die von Taxikunden stammen könnten.

Mögliche weitere Opfer oder Zeugen werden ersucht, sich (auch anonym) unter der Telefonnummer 01-31310-62800 an das LKA Wien, Außenstelle Zentrum-Ost, zu wenden.

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