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Chronik | Wien
05/04/2019

Wiener Naschmarkt: Verkehrsressort wirbt am Biertisch für Radweg

Das Verkehrsressort rückte im Alfred-Grünwald-Park zur Verteidigung des umstrittenen Lückenschlusses aus.

„Die Radfahrer müssen mal richtig erzogen werden“, sagt Tatjana Weiler. Die Frau in Kostüm steht im Alfred-Grünwald-Park in Mariahilf einer jungen Sportlerin in Radlerhose gegenüber. Auf einem Metallzaun hinter den beiden hängen mehrere Tafeln und Plakate: Sie zeigen, wo der neue Radweg auf der Linken Wienzeile genau verlaufen soll. „Die Autofahrer sind doch mindestens genau so schlimm“, kontert die junge Frau. „Sie nehmen die ganze Stadt ein.“

Das Verkehrsressort hat am Freitag zu einer zweitägigen Dialogveranstaltung zu dem umstrittenen Radweg-Lückenschluss geladen. Auf Biertischen liegen Äpfel und Süßigkeiten, daneben mehrere ausgedruckte Pläne.

 

Das darauf skizzierte Vorhaben der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou sorgt seit fast einem Jahr für Verstimmung im Rathaus und im betroffenen Grätzel: Wie berichtet, soll entlang der Linken Wienzeile zwischen Nibelungengasse und Köstlergasse Platz für einen Radweg geschaffen werden.

Gastronomen befürchten, dass ihre Schanigärten und Ladezonen verschwinden müssen. Anrainer und Autofahrerklubs äußerten Bedenken, weil 60 Parkplätze verloren gehen. Vassilakou versprach daraufhin, die Bürger einzubinden. Allerdings: Wenige Tage nach dieser Ankündigung wurde der Lückenschluss in der „Fachkommission Verkehr“ – einem Expertengremium – einfach auf den Weg gebracht.

Das erzürnte die Projekt-Kritiker erneut, sie sprachen von „Pseudo-Beteiligung“.

Was sie im Alfred-Grünwald-Park geboten bekamen, beruhigte sie nun kaum. „Vassilakou fährt über die Bürger drüber – siehe Mariahilfer Straße und Heumarkt“, sagt Tatjana Weiler, die den Streit mit der jungen Radfahrerin inzwischen beendet hat.

Bürgerbeteiligung

Vizebürgermeisterin Vassilakou ist an diesem Nachmittag nicht in den Alfred-Grünwald-Park gekommen, dafür die Oppositionsparteien aus dem Bezirk.

„Das ist kein Bürgerdialog, sondern ein Monolog“, schimpft der Mariahilfer ÖVP-Chef Gerhard Hammerer. Es seien mehrere Varianten für den Lückenschluss im Gespräch gewesen. Warum nun die Linke Wienzeile dafür ausgewählt wurde, sei nicht nachvollziehbar. FPÖ-Bezirksparteichef Leo Kohlbauer: „Rot-Grün geht es nicht um den Radweg, sondern um Autofahrer-Hass. Wir wünschen uns ein echtes Beteiligungsverfahren.“

Aber auch Befürworter finden sich rund um die Biertische. „Es gibt in Wien immer mehr Radfahrer, das Stadtbild muss dieser Realität angepasst werden“, sagt etwa Günther Treytl, der mit dem Fahrrad gekommen ist. Er kann es nicht erwarten, bis der Radweg gebaut wird: „Er kommt viel zu spät.“

Auch Anrainer Dominik Hauser ist da, um den Radweg zu unterstützen. „Um die Klimaziele zu erreichen, müssen Radwege geschaffen werden. Wobei ich zugebe, dass das Projekt schlecht kommuniziert wurde.“

"Alles ist möglich"

Die Grünen wollen sich den Vorwurf, die Betroffenen unzureichend einbinden, nicht gefallen lassen. „Wir arbeiten die Anregungen, die wir heute und morgen bekommen, ein “, heißt es aus dem Büro von Vassilakou. Und auch ihr Parteikollege Michi Reichelt, Vize-Bezirkschef in Mariahilf, versichert: „Bevor der Gemeinderat das Vorhaben im Juni nicht beschlossen hat, ist noch alles möglich.“

Am Samstag den 4. Mai, 10 bis 14 Uhr, geht die Info-Veranstaltung in die zweite Runde.