Warum in Floridsdorf eine Straßenbahn-Haltestelle als wahre „Hölle“ gilt
Statt im Wartehäuschen bequem sitzen, heißt es hier im Stehen schwitzen: Fahrgäste bei Bim-Haltestelle Fultonstraße.
Schon fast zwei Jahre müssen die Dutzenden Bewohner an der Höhenstraße auf ein neues Wartehäuschen warten, nachdem das alte beim 43A-Halt Promenadeweg von einem Autofahrer zerstört worden ist (der KURIER berichtete). Zwei Jahre? Da können die Tausenden Anrainer und betroffenen Fahrgäste an der Fultonstraße in Floridsdorf nur müde lächeln. Denn dort – an der Straßenbahn-Hauptschlagader in Transdanubien mit gleich drei Tramlinien – fehlt seit Jahrzehnten schon ein Witterungsschutz.
Außer den Linien 25 und 26 passiert seit einem Jahr auch der neue 27er die Fultonstraße im Donaufeld (siehe Grafik): Dennoch verfügt die stark frequentierte Haltestelle nordseitig Richtung Floridsdorf über kein Wartehäuschen. Beim KURIER-Lokalaugenschein drängen sich die Fahrgäste in der August-Hitze – eigentlich außerhalb des Haltstellenbereichs – um einen auf Privatgrund situierten Baum beim Café Helga. Apropos Hitze: Vor zwei Jahren haben die Grünen ebendort in der prallen Sonne 53,8 Grad Celsius gemessen: „Diese Haltstelle ist die pure Hölle“, skandierte Parteichefin Judith Pühringer damals. Geändert hat sich seitdem nichts.
Ausreden statt Kompromiss
Auch nicht, als die Fultonstraße im Frühjahr beim VCÖ-Haltestellencheck mit gleich zehn Eintragungen „durchfiel“. Anrainer und KURIER-Leser Josef Eisenköck (Name geändert) kämpft trotzdem weiter unermüdlich für einen adäquaten Schutz gegen Sonne, Wind, Schnee und Regen: „Und zwar seit wir 2011 hergezogen sind. Aber es kommen immer nur Ausreden, warum es nicht geht“, klagt der Wiener. Es sei völlig unverständlich, dass viele Millionen in eine neue Straßenbahnlinie investiert, dann aber ein paar Tausend Euro für einen Wartebereich fehlen würden, so Eisenköck. Was er vorwiegend zu hören bekam? „Es geht nicht, weil der Gehsteig zu schmal ist.“
Allerdings sei vor Kurzem das angrenzende kleine Haus mit Handyshop abgerissen worden, wodurch sich im Zuge des Neubaus eine Chance eröffnet hätte. „Die Wiener Linien hätten dort die nötigen drei bis vier Quadratmeter erwerben und einen schönen Wartebereich integrieren können.“
„Gehsteig zu schmal“
Hätte. Denn der Rohbau ist schon auf vier Geschoße angewachsen – und der Zug (respektive die Bim) für diese Idee längst abgefahren. „Wir errichten unsere Wartehäuschen auf öffentlichem Grund oder auf Grund, der den Wiener Linien gehört“, blockt man bei den Verkehrsbetrieben grundsätzlich ab und wiederholt Altbekanntes: „Der Haltestellenbereich bei der Fultonstraße ist zu schmal für die Errichtung eines Wartehäuschens.“ Kompromisslösung? Fehlanzeige.
Und so wird vielen Fahrgästen wohl weiter der alte DÖF-Song im Kopf herumschwirren: „I’ wart’ auf a Häuserl, aber es kummt net, kummt net, kummt net...“.
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