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„Endlich ruckelfrei“: Polit-Jubel am Wienfluss kommt 20 Jahre zu spät

Das lästige Kopfsteinpflaster à la Paris/Roubaix ist planiert. Ein langjähriger Kritiker hält die Freude aber für absurd.
Ein Radfahrer mit Rucksack steht auf einem Weg aus Kopfsteinpflaster neben einer asphaltierten Strecke und einer Steinmauer.

Sommerliche Meldungen aus der Rathauskorrespondenz sind – dem Wetter entsprechend – normalerweise eher leichte Kost. So auch jene von Ende Juli, als die Stadtpolitik die höchst erfreuliche Nachricht verbreitete, dass der „Wienflussweg endlich durchgängig ruckelfrei“ befahren werden könne. „Nun steht dem Radl-vergnügen auf über 6 Kilometer von Auhof bis nach Hietzing nichts mehr im Wege“, wurde Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) zitiert.

Auch Neos-Klubvorsitzende Selma Arapovic und SP-Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner schwangen sich auf den Sattel, um auf dem frisch asphaltierten Belag für ein Foto zu posieren.

Doch hinter dieser beschwingt anmutenden Erfolgsmeldung verbirgt sich eine Geschichte, die für die Stadtpolitik – allen voran die früher lange für den Wienfluss zuständige Sima – wenig schmeichelhaft ist: 

Denn das besagte Kopfsteinpflaster nervte insbesondere die Radfahrer 20 lange Jahre, ohne dass auf Kritiker eingegangen und die halbseitige Rumpelpiste beseitigt worden wäre. Und vor allem: Es war sehr gefährlich dort.

Der KURIER-Autor war vor 20 Jahren auf dem damals neu eröffneten, 2,3 Kilometer langen Abschnitt in Auhof entlang der Wien unterwegs – und hielt diese Mängel (auch große, spitze Randsteine stachen ins Auge!) entsprechend medial fest. Und zwar im Rahmen einer Reportage mit dem damaligen Grün-Bezirksrat Wolfgang Krisch aus Penzing, der als passionierter Radler die Tücken des Kopfsteinpflasters genau kannte. Und drastische Vergleiche zog: „Das ist wie bei Paris–Roubaix – sehr gefährlich und für Alltagsradler ungeeignet“, sagte er damals.

Die „Hölle des Nordens“ – wie der bekannte Radklassiker auch heißt – forderte dann im Wiener Westen auch tatsächlich das eine oder andere Opfer.

Frau mit Schädelbruch

„Besonders dramatisch war der Fall einer Frau, die aufs Kopfsteinpflaster ausgewichen und gestürzt ist. Die hatte sogar einen Schädelbruch“, berichtet Krisch nun viele Jahre später. Der 72-jährige pensionierte Lehrer ist mittlerweile im „politischen Unruhestand“ und nicht mehr auf dem Drahtesel unterwegs („Das Kreuz!“), die Endlos-Causa Wiental-Radweg hat er aber nicht vergessen. Denn all seine Anstrengungen, das holprige Pflaster mit politischem Druck wegzuzaubern, scheiterten.

Daher freut ihn die späte Einsicht zwar, zugleich hält er den Polit-Jubel aber geradezu für „absurd“: „Hätte man von Anfang an die Praktiker gefragt, hätte man es gleich anders gemacht. Leider brauchte das Offensichtliche in Wien ganze 20 Jahre“, resümiert Krisch. Der in dieser Posse sogar Karl Kraus’ Bonmot übertroffen sieht. „Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich nach Wien. Dort passiert alles zehn Jahre später“, sagte der Satiriker einst. Womit sich aus den Pflastersteinen vom Wiental vielleicht wertvolle Kopfstücke für Rathaus-Politiker ergeben.

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