Chronik | Wien
07.12.2018

Wiener Krankenhaus Nord: Das vollautomatisierte Spital

In dem neuen Haus will die Stadt den Spitalsalltag der Zukunft erproben. Patienten könnten künftig mehr selbst erledigen.

Die Wurstsemmel selbst über die Kasse ziehen. Am Flughafen in Eigenregie einchecken. Den Erlagschein am Automaten ausfüllen. Selbstbedienung ist bereits in vielen Branchen Realität - bald könnte sie auch in die Wiener Gemeindespitäler einziehen.

Self-Check-in-Terminals (Automaten zur Eigenanmeldung, Anm.) zählen zu jenen Digitalisierungsprojekten im Gesundheitswesen, die Gesundheitsstadtrat Peter Hacker und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (beide SPÖ) am Donnerstag bei einem Rundgang durch das Krankenhaus Nord in Floridsdorf präsentierten.

Der Ort war freilich nicht zufällig gewählt: „Das Haus ist ein Beispiel dafür, wo wir hinwollen“, erklärte Hacker.

Selbst machen statt warten

Die Idee hinter den Terminals ist folgende: Anstatt in Stoßzeiten auf die Anmeldung zu warten, erledigen die Patienten diese kurzerhand selbst.

Das Wiener AKH setzt solche Automaten bereits seit 2016 ein. An derzeit vier Kliniken stecken die Patienten ihre eCard in einen Terminal und bestätigen so ihren Termin, im Hintergrund werden die Daten überprüft.

Bei gültigem Versicherungsverhältnis könne der Patient dann – ohne Kontakt mit dem Leitstellenpersonal – in der Wartezone Platz nehmen, erklärt eine Sprecherin. Die „zusätzliche Anmeldemöglichkeit“ verkürze die Wartezeiten deutlich, bei Problemen helfe das Personal.

Eine solche Unterstützung ist für die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz unbedingt notwendig. Für benachteiligte Personen – etwa Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen – müsse es einen Plan B geben, betont sie.

Zukunftsmusik

Welche Spitäler künftig Check-in-Terminals erhalten, und ab wann, hat der KAV noch nicht fixiert.

Im Krankenhaus Nord hätten die Automaten „nicht allererste Priorität“, erklärt eine Sprecherin. Da die 16 Fachambulanzen des Hauses nur mit Termin aufgesucht werden können, vermeide man Wartezeiten von vornherein. Die technischen Voraussetzungen für Self-Check-in-Terminals seien aber gegeben.

Doktor Technik

Vorerst wird sich die Digitalisierung im Krankenhaus Nord also eher im Verborgenen abspielen – etwa in der Fördertechnikhalle. 40 fahrerlose Roboterwagen werden auf Knopfdruck von dort ausschwärmen und Medikamente, Speisen oder Wäsche auf die Stationen transportieren.

Sie orientieren sich anhand von runden Metallplättchen im Boden, vor Hindernissen stoppen sie selbstständig ab.

Vollautomatisch werden an der Brünner Straße auch Blut- und Gewebeanalysen ablaufen. Die Proben gelangen per Rohrpost von der Station ins Labor. Dort nimmt sie eine Maschine aus dem Transportbehälter und setzt sie in die Analysegeräte. Die Befundung könne somit deutlich schneller erfolgen, versicherte Peter Plundrak, Projektleiter des Facility Managements.

Die Patienten selbst werden aber  auch etwas von der  neuen, digitalen Krankenhauswelt zu sehen bekommen.

 

Konkret ist jedes Bett mit einem fix montierten Bildschirm ausgestattet, der für 2,50 Euro pro Tag Zugriff auf mehr als 50 TV-Programme, 100 Hörbücher, Zeitungen, Computerspiele und Radioprogramme bietet.

Die erste Bewährungsprobe für das Unterhaltungssystem steht nächsten Sommer an: Im Juni soll der erste Patient behandelt werden.