Um die Probleme mit dem Schwarzwild in den Griff zu bekommen, ändert Wien nun sein Jagdgesetz.

© APA/dpa/Fredrik von Erichsen

Chronik Wien
04/05/2020

Wiener Jäger nehmen Wildschweine mit Hightech ins Visier

Die massiv anwachsende Schwarzwildpopulation wird zum Problem. Wiens 100 Top-Jäger verwenden deshalb bald Nachtsichtgeräte.

von Bernhard Ichner

Wildschweine fühlen sich in den heimischen Wäldern sauwohl. Aufgrund der günstigen Witterungs- und Ernährungssituation wuchs die Schwarzwildpopulation zuletzt stark an. Weil die Tiere jedoch ein Sicherheitsrisiko darstellen, schwere Sachschäden verursachen und überdies die Afrikanische Schweinepest übertragen können, sehen die Länder dringenden Handlungsbedarf. Punkto Strategie gehen die Meinungen allerdings auseinander.

Die Stadt Wien ändert in Kürze etwa ihr Jagdgesetz, um mittels Hightech die Abschusszahlen zu erhöhen: Künftig dürfen Wildschweine mit Hilfe von Nachtsicht-Zielfernrohren erlegt werden. Darauf haben sich alle Rathausparteien (außer DAÖ) geeinigt. Der Beschluss im Landtag ist Formsache.

Eine Obergrenze gibt es in der Abschussplanung keine. Die Kapazität sei nach oben offen, sagt Forstdirektor Andreas Januskovecz.

Risiko für Spaziergänger

Das hat mehrere Gründe. Zum einen vermehrt sich das Schwarzwild rasant. Pro Jahr kann eine Bache bis zu drei Mal werfen (zurzeit ist es gerade wieder so weit). „Insbesondere in dicht besiedeltem Gebiet kann es daher leicht zu Gefahrensituationen kommen“, warnt Januskovecz. Wenn etwa Spaziergänger oder Jogger in stark besuchten Erholungsgebieten wie Lobau, Lainzer Tiergarten, Wienerwald und Co. auf Wildschweine treffen.

Zum anderen verursachen die Tiere schwere Sachschäden in Privatgärten. Um an verlockende Komposthaufen oder Abfalleimer zu gelangen, ruinieren sie die Zäune. Auf der Suche nach Futter graben sie ganze Gärten um. Auch Landwirte kennen dieses Problem.

Prävention

Außerdem sind die Schwarzkittel potenzielle Überträger der Afrikanischen Schweinepest – die zwar nicht auf den Menschen, aber auf Hausschweine übergreifen kann. Wäre ein Schweinemastbetrieb davon betroffen, müssten alle Tiere getötet werden, erklärt Januskovecz. Die finanziellen Einbußen wären massiv. In Tschechien oder Ungarn gibt es das Problem bereits. In Österreich setzt man daher auf Prävention.

Um das nachtaktive Schwarzwild möglichst effizient dezimieren zu können, dürfen Wiens Jäger künftig also zum Nachtsicht-Zielfernrohr greifen. Das gilt allerdings nicht für jeden, der eine Jagdlizenz hat – sondern nur für 100 speziell geschulte Jagdaufseher bzw. Jagdausübungsberechtigte.

Unterschiedliche Zugänge

Anders wird das im benachbarten Niederösterreich gehandhabt. Dort dürfen sich alle Jäger, die zumindest das dritte Mal in Folge eine Jagdkarte besitzen, mit Nachtsichtgerät auf die Lauer legen. Ein System, das man in Wien nicht will, weil die Dauer, wie lange jemand Jäger sei, nichts über die Schussroutine aussage.

Im Burgenland lehnt die Landesregierung die Hightechgeräte dagegen als „nicht waidgerecht“ ab.

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