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Flucht ins Waldviertel: Woanders ist es (n)immer schöner

Über zu hohe Erwartungen, zu hohe Temperaturen und eine Hitzeflucht mit Hindernissen.
Johanna Kreid
Das Stift Zwettl im sommerlichen Waldviertel.

Es heißt, wir wollen immer das, was wir nicht haben.

Dies zeigt sich insbesondere bei der Urlaubsplanung. So zog es uns früher in spanische Dörfer, zu den Faultieren im Amazonas oder an den Sandstrand irgendeiner kleinen Insel – Hauptsache Wärme und Sonne.

Doch andere Zeiten, andere Träume: Lebensgefährte W., der während des Morgenkaffees gerne den Teletext studiert, blieb dort zuletzt stets auf einer speziellen Seite hängen – auf jener mit den Temperaturen der Bezirkshauptstädte. „Nur 12,5 Grad am Vormittag“, las er begeistert vor.

In Zeiten, in denen in Wien an die 40 Grad herrschen, klang das wie eine Verheißung. Oder, vielleicht etwas treffsicherer formuliert: nach richtiger Erholung. So ging es diesmal eben nach Zwettl.

Wir buchten ein Zimmer in einem kleinen Hotel außerhalb des Ortes, idyllisch am Waldrand gelegen. Voller Vorfreude verfolgten wir die Wetterprognose: Es zeichnete sich ab, dass unser Waldviertelaufenthalt just auf jene Tage fallen sollte, an denen für Wien bis zu 37 Grad angesagt waren. Der ideale Zeitpunkt also, um aus der Stadt zu flüchten.

Was soll man sagen: In Zwettl hatte es 36 Grad. Wir und die anderen Wiener Klimaflüchtlinge schwitzten also kollektiv im Waldviertel, wo es, weil normalerweise nicht nötig, weit und breit keine Klimaanlage gab.

Freilich, dafür erwarteten uns herzliche Gastfreundschaft, ein kühler Wald und ein noch kühleres Biotop. Und uns blieb immer noch der Humor: Es könnte schlimmer sein, immerhin waren wir nicht im Death Valley – wo es mit 49 Grad noch deutlich heißer war.

Zurück in Wien, warfen wir (in dieser Reihenfolge) Ventilator, Teletext und Laptop an. Diesmal wollten wir Wetter-mäßig auf Nummer sicher gehen – und buchten einen Flug nach Irland. Wo wir uns dann sicher über Regen und 16 Grad beschweren und uns ins heiße Wien zurückwünschen werden.

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