Wiens Taxi-Obmann macht Druck auf Tarif-Erhöhung
Resul Ekrem Gönültaş, Taxi-Obmann in der Wirtschaftskammer Wien, fordert schärfere Kontrollen.
Immer wieder gibt es Debatten über die Qualität der Wiener Taxis. Fehlende Ortskenntnisse werden genauso kritisiert wie die mangelnde Bereitschaft, Kartenzahlung zu akzeptieren. Resul Ekrem Gönültaş, Taxi-Obmann in der Wirtschaftskammer Wien, fordert im KURIER selbst schärfere Kontrollen für seine Branche. Außerdem macht er Druck, dass die Tarife wieder erhöht werden.
Heißer Sommer, Wirtschaftskrise: Wie läuft das Taxigeschäft?
Resul Ekrem Gönültaş: Im Sommer fahren traditionell viele unserer Lenkerinnen und Lenker auf Urlaub, weil sie Familie im Ausland besuchen. Das hat in der Vergangenheit auch zu längeren Wartezeiten bei Bestellungen geführt. Heuer merken wir das allerdings weniger. Viele Fahrer können sich längere Urlaube schlicht nicht mehr leisten. Sommerloch gibt es in der Branche aber keines. Gerade ältere Menschen steigen bei großer Hitze häufiger aufs Taxi um. Wer nicht in überfüllten Öffis unterwegs sein möchte oder nicht direkt ans Ziel kommt, nutzt eher das Taxi.
Spüren Sie den Baustellen-Sommer?
Das ist eine enorme Herausforderung, es entstehen Staus und längere Fahrzeiten. Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig Ortskenntnis ist. Wer Wien gut kennt, kann Alternativrouten wählen und Fahrgäste trotzdem möglichst rasch ans Ziel bringen.
In der Realität beobachten wir oft Preisdumping. Der Taxameter sollte wieder für alle dieselbe Grundlage sein. Das wäre transparenter und fairer, sowohl für die Kunden als auch für die Branche.
Taxi-Obmann der Wirtschaftskammer Wien
Wie nah sind Sie als Obmann noch am Alltag der Fahrer?
Sehr nah. Ich will wissen, was auf der Straße passiert und wo die Probleme liegen. Man kann eine Branche nicht vom Schreibtisch aus vertreten. Dabei höre ich immer wieder dieselben Sorgen: fehlende Wirtschaftlichkeit, unfairer Wettbewerb und die Unsicherheit, wie es weitergeht.
Dabei spielen Sie vermutlich auf den Tarif an.
Der Tarif wurde zuletzt 2023 angepasst. Seitdem sind Versicherungen, Reparaturen, Ersatzteile, Treibstoff und Personalkosten massiv gestiegen. Nur der Taxitarif ist gleich geblieben. Wir können unsere Preise nicht selbst festlegen, sondern sind an den behördlichen Tarif gebunden. Deshalb brauchen wir regelmäßig Anpassungen. Quer durch alle Fraktionen fordern wir die Abschaffung des Preisbandes. Die Idee war, dass Vermittlungsplattformen einen gewissen Spielraum bei Fixpreisen haben. In der Realität beobachten wir oft Preisdumping. Der Taxameter sollte wieder für alle dieselbe Grundlage sein. Das wäre transparenter und fairer, sowohl für die Kunden als auch für die Branche. Niemand kann mehr nachvollziehen, warum dieselbe Strecke einmal 15 Euro und ein anderes Mal 20 Euro kostet.
Wie laufen die Tarif-Gespräche mit der Stadt?
Wir haben umfangreiche Unterlagen geliefert und ein unabhängiges Gutachten erstellen lassen. Es zeigt klar, dass viele Taxiunternehmen wirtschaftlich unter Druck stehen. Ich habe bei den Verhandlungen darauf hingewiesen, dass die Stadt Wien die Preise bei den Wiener Linien erhöht hat. Das ist verständlich, aber wir sind auch auf unseren Tarif angewiesen.
Resul Ekrem Gönültaş, Taxi-Obmann in der Wirtschaftskammer Wien, fordert schärfere Kontrollen.
Was ist die Kernaussage des Gutachtens?
Es zeigt, dass viele Unternehmer derzeit weniger verdienen als ihre eigenen Fahrer. Das ist in kaum einer anderen Branche der Fall.
Ist die Branche noch geduldig?
Vor dem Eurovision Song Contest gab es Überlegungen, mit einer großen Demonstration auf unsere Situation aufmerksam zu machen. Ich habe mich aber klar dagegen ausgesprochen. Der Eurovision Song Contest war ein internationales Aushängeschild für Wien. Da schaut die ganze Welt auf unsere Stadt. Ich wollte nicht, dass die Bilder von protestierenden Taxifahrern um die Welt gehen. Das hätte Wien geschadet, aber auch unserer Branche. Stattdessen haben wir unsere Mitglieder eingeladen, den aktuellen Stand der Verhandlungen erklärt und um Geduld gebeten.
Wenn die Politik mehr Qualität fordert, muss sie auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen und konsequent kontrollieren.
Taxi-Obmann der Wirtschaftskammer Wien
Eine wesentliche Forderung ist die Steigerung der Qualität. Haben Sie da wirklich geliefert?
Qualität ist auch für uns das wichtigste Thema. Deshalb haben wir die Ausbildung verschärft, achten stärker auf Deutschkenntnisse und führen kommissionelle Prüfungen durch. Wir arbeiten laufend daran, schwarze Schafe aus der Branche zu drängen. Aber Qualität ist keine Einbahnstraße. Wenn die Politik mehr Qualität fordert, muss sie auch die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen und konsequent kontrollieren.
Was fordern Sie von der Politik?
Es braucht strengere Kontrollen und spürbare Konsequenzen bei wiederholten Verstößen. Wer sich dauerhaft nicht an die Regeln hält, sollte auch mit einem Konzessions- oder Lizenzentzug rechnen müssen. Das schützt jene Unternehmer und Fahrer, die ordentlich arbeiten.
Immer wieder beschweren sich Fahrgäste darüber, dass Kartenzahlung verweigert wird.
Dabei ist die Rechtslage eindeutig. Seit 2021 muss jedes Wiener Taxi Kartenzahlung anbieten. Wer das verweigert, verstößt gegen die Landesbetriebsverordnung. Solche Beschwerden werden über unsere Beschwerdekommission geprüft und an das Verkehrsamt weitergeleitet.
Warum verweigern manche Fahrer trotzdem Kartenzahlung?
Für die Unternehmer entstehen dadurch Kosten. Kartenzahlungen werden oft erst Wochen später ausbezahlt, außerdem fallen Transaktionsgebühren an. Trotzdem gilt: Wer ein Taxi betreibt, muss sich an die Regeln halten. Darüber gibt es keine Diskussion.
Warum gibt es aber so viele Fälle, in denen nicht nach den Regeln gehalten wird?
Wir fordern seit Jahren: Nur Wiener Taxis auf Wiener Straßen. Über Vermittlungsplattformen werden viele Fahrten an Fahrzeuge aus Niederösterreich vergeben. Diese Fahrer absolvieren nicht dieselbe Ausbildung wie Wiener Lenker, kennen oft weder die Wiener Landesbetriebsordnung noch den Wiener Tarif ausreichend. Wenn Fahrgäste schlechte Erfahrungen machen, heißt es anschließend aber nicht: „Das war ein Taxi aus Niederösterreich“, sondern: „Das Wiener Taxi war schlecht.“
Macht das wirklich einen so großen Unterschied?
Überspitzt gesagt: In Schwechat gibt es drei Adressen und eine rote Ampel. Fragen dazu kann ein Kind in der dritten Schulklasse auch beantworten. Das hat mit der Wiener Prüfung nichts zu tun. Außerdem entgehen der Stadt Wien so auch Steuereinnahmen.
Wie läuft der Umstieg auf Elektro-Taxis?
Knapp elf Prozent der Wiener Taxis fahren bereits vollelektrisch, rund zwei Drittel sind Hybridfahrzeuge. Grundsätzlich unterstützt die Branche die Transformation. Das eigentliche Problem ist aber die Ladeinfrastruktur.
Was fehlt?
Mehr Schnellladestationen. Ein Taxi ist kein Privatfahrzeug, das stundenlang laden kann, während ich gemütlich esse. Jede Minute an der Ladesäule ist verlorene Arbeitszeit. Sinnvoll wäre außerdem ein Reservierungssystem, damit Fahrer bereits während einer Fahrt einen Ladeplatz buchen können. Das würde den Betrieb wesentlich effizienter machen. Wenn ich mit 30 Prozent Akku einen Fahrgast nach Strebersdorf bringe, möchte ich schon unterwegs einen Ladeplatz reservieren können und anschließend direkt laden.
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