Wiener Waterfront: Seestadt-Weiterbau trotz S1-Verzögerung gestartet
Die Waterfront soll künftig „die Skyline der Seestadt“ prägen.
Sonnenblumenfelder und Brachflächen: Während der Süden der Seestadt bereits realisiert ist, herrschte im Norden bisher Stillstand. Nun sind jedoch die Bagger aufgefahren und die ersten Kräne positioniert. Sie ziehen die künftige Waterfront hoch.
Bis Ende 2028 entsteht das Quartier Seeterrassen (siehe Grafik unten), realisiert werden drei Projekte: „LIL-Y am See“, „PIER05“ und „Das Seestädter“. Gebaut wird schon das „LIL-Y“, die anderen folgen in den nächsten Monaten.
Links: Blick auf die Baustelle der Waterfront. Rechts, wie sie bis Ende 2028 aussehen soll.
Geplant sind 750 Wohnungen, viele davon frei finanziert, beim „Seestädter“ sind jedoch 80 Prozent der Wohnungen gefördert. Gebaut werden auch Büros, Gewerbeflächen und zehn Restaurants mit Gastgärten an der Promenade. Eingeplant sind auch konsumfreie Zonen, Sitzstufen, Liegeflächen und Spielangebote.
Das angrenzende Quartier, das Seecarré, das aus acht Projekten bestehen wird, soll ab 2027 errichtet werden. Hier sollen drei Projekte geförderten Wohnbau aufweisen, eines gemischte Wohnformen und weitere drei frei finanziert sein. Zudem kommt eine Garage.
Ein Klotz am Bein
Beide Quartiere hätten ursprünglich aber noch gar nicht realisiert werden dürfen. Sie waren laut Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) an die fertige Stadtstraße und S1-Spange samt Anschlussstellen West und Ost geknüpft. Die westliche soll die Seestadt an die Stadtstraße, die östliche an die Spange anbinden und am Knoten Raasdorf in die S1, auch Lobautunnel bzw. -autobahn genannt, münden.
Die Spange soll jedoch erst ab 2029 gebaut und bis 2032 fertig sein. Ohne sie hätten die drei Projekte laut der Auflagen nur bebaut, aber nicht besiedelt werden dürfen. Ein ziemlicher Klotz am Bein der Stadtentwicklung, bedenkt man das politische Hickhack um die umstrittene S1. Ex-Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) legte das Projekt auf Eis, Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) lässt es nun doch bauen.
Die „Wien 3420 Aspern Development AG“ brachte schon 2023 einen Abänderungsantrag zum UVP-Bescheid ein, um die Baufelder von den Straßen zu entkoppeln. Bedingung für Bau und Besiedelung sollte nur mehr die fertige Stadtstraße inklusive der Anschlussstelle West sein.
Letztere baut die Stadt Wien anstelle der Asfinag selbst. Diese ist zu 90 Prozent fertig und soll gemeinsam mit der Stadtstraße 2027 für den Verkehr freigegeben werden. Die Kosten von 70,5 Mio. Euro lässt sich die Stadt vom Bund refundieren.
Quartier für Quartier
Dem Abänderungsantrag wurde im Spätsommer 2025 stattgegeben. Damit dürfen nun neben den Quartieren Seeterrassen und Seecarré auch vier Baufelder im Quartier „Am Seebogen Mitte“ (in der Grafik noch ausgegraut) realisiert werden. Das Projekt soll schon in diesem Herbst ausgeschrieben werden.
Fast alle der noch ausgegrauten Baufelder sind weiterhin an die S1-Spange samt Anschlussstellen geknüpft. Dass für manche davon ebenfalls Abänderungsanträge gestellt werden, scheint man jedenfalls zu erwägen: „Wir prüfen bei jedem potenziellen Projekt immer die UVP-rechtliche Genehmigungsfähigkeit und ob schutzwürdige Interessen beeinträchtigt würden. Sollte ein Projekt konkret werden, wird nach diesen Kriterien ein Antrag gestellt“, erklärt die Aspern Development AG.
Aktuell leben 12.000 Menschen in der Seestadt. Im Endausbau sollen es mehr als 25.000 sein sowie 20.000 Arbeits- und Ausbildungsplätze. Fertig ist die Seestadt dann im Jahr 2035.
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