Wer sich neben der MA 48 um den Wiener Müll kümmert

In Wien sind 483 Unternehmen mit 7.333 Beschäftigten in der Abfallwirtschaft tätig, wobei öffentliche Unternehmen eine überdurchschnittliche Rolle spielen.
Eine Greifzange hievt Müll über einen riesigen Abfallbunker in einer Industrieanlage.

262 Kilo Restmüll produziert der durchschnittliche Wiener, die durchschnittliche Wienerin pro Jahr. Im Bundesländervergleich liegen die Bewohner der Hauptstadt also unangefochten auf Platz eins. Plastik und Karton sind dabei noch nicht einmal eingerechnet.

Wer all den Müll, der in den Wiener Containern landet, abholt, ist bestens bekannt – die MA 48. Hinter der Verwertung der Abfallstoffe stehen in Wien allerdings noch viele weitere Akteure.

Ganze 483 private und öffentliche Unternehmen mit 7.333 Beschäftigten sind in Wien in der Abfallwirtschaft tätig und erwirtschaften gemeinsam 1,74 Milliarden Euro. Ergeben hat das eine Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien.

"Überdurchschnittliche Rolle"

Herauszulesen ist dabei, dass im Österreich-Vergleich die öffentlichen Unternehmen in Wien eine „überdurchschnittliche Rolle“ spielen. Rund 28 Prozent des Umsatzanteils in dieser Branche entfällt auf sie. Heißt aber gleichzeitig, dass die restlichen zwei Drittel der Umsätze auf private Unternehmen entfallen, wie auch bei der Studienpräsentation der Wirtschaftskammer berichtet wird.

Der wichtigste Sektor in dieser Branche ist statistisch betrachtet die Abfallbehandlung. Sprich: die Aufbereitung von Abfällen vor deren Verwertung oder Beseitigung.

Von den rund 10 Millionen Tonnen an Abfällen, die in Wien jährlich anfallen, kann die Hälfte in Wien aufbereitet werden. Der Großteil vom Rest werde in Abfallbehandlungsanlagen nach Niederösterreich gebracht.

Spezifikum Wien

Ein Spezifikum für Wien sei außerdem, dass es eine starke Zusammenarbeit zwischen kommunaler Abfallwirtschaft und privaten Unternehmen gibt, sagt Tobias Olbrich, von der Fachgruppe Entsorgungs- und Ressourcenmanagement der WKW. „Unternehmen nutzen zum Teil sogar öffentliche Anlagen.“ Das führe mitunter dazu, dass die Transportwege sehr kurz seien und der Müll nicht quer durch Österreich transportiert werden müsse.

Um am Markt bestehen zu können, habe sich die private Abfallwirtschaft spezialisieren müssen. Vor allem um Bauabfälle, Abfälle aus dem Gewerbe, gefährliche Abfälle, Problemstoffe, Metalle oder Schrott würden sich die Privaten derzeit kümmern.

Es braucht Spezialisten

Das seien jene Nischen, um die sich die Stadt Wien selbst nicht kümmern könne, sagt Olbrich. Etwa weil die Produkte sehr schwierig zu entsorgen sind oder deren Entsorgung finanziell sehr aufwendig ist – und immer aufwendiger wird. „Die Produkte verändern sich und auch deren Entsorgung muss immer spezifischer werden“, sagt Olbrich. Das bedeutet allerdings auch, dass die Anlagen immer aufwendiger und moderner werden müssen. Das sei kostenintensiv. Daneben steigen auch die Personalkosten, weil es Spezialisten braucht, die die Anlagen bedienen, sagt Olbrich.

Für die Zukunft erhoffen sich die Wiener Unternehmer mehr Verständnis vonseiten der Bevölkerung. Etwa wenn es darum geht, eine neue Anlage zu bauen. „Abfall ist immer negativ behaftet, niemand will solche Anlagen in seiner Nähe“, sagt Olbrich. „Solche Anlagen brauchen aber die richtigen Rahmenbedingungen, etwa eine gute Anbindung. Wir können nicht einfach auf der grünen Wiese bauen.“

Hoffen auf weniger Bürokratie

Außerdem hoffe man auf weniger Bürokratie und einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen in Europa, ergänzt Peter Hodecek von der WKW. Etwa eine einheitliche Definition darüber, wie lange Abfälle als Abfälle gelten, beziehungsweise ab wann sie wieder zu verwendbaren Stoffen werden. Klarheit darüber soll die neue EU-Abfallrahmenrichtlinie.

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