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Chronik Wien
04/08/2019

Wien: Metro-Züge für Saudis mit Graffiti besprüht

Die Züge sind auf Gleisen der ÖBB in Penzing für die Zeit bis zur Lieferung abgestellt.

von Julia Schrenk

Es ist ein Großauftrag, den Siemens Österreich 2013 an Land gezogen hat: 67 Züge werden für die Metro in Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens, in Österreich gebaut. Die Drehgestelle für die Züge des Typs "Inspiro" kommen aus dem Siemenswerk in Graz, die Wägen werden in Wien-Simmering gebaut.

Die fertigen Züge wurden von Siemens auf ÖBB-Gleisen in Penzing (zwischen Westbahnhof und Bahnhof Hütteldorf) "geparkt". Dort sollen sie bis zur Auslieferung bleiben.

Doch wie der KURIER erfuhr, wurden jetzt mehrere dieser Waggons mit Graffiti besprüht. Zum Teil großflächgig.

Nicht der erste Vorfall

Bereits im Mai 2018 dürften erstmals Züge für die Metro in Riad besprüht worden sein. Diesmal aber nicht in Penzing, sondern auf Gleisen nahe des Nordwestbahnhofs. Denn auch dort haben die ÖBB der Firma Siemens Flächen zur Verfügung gestellt, um U-Bahn-Waggons vor der Auslieferung zwischenzuparken.

Auf KURIER-Anfrage hält man sich bei Siemens eher bedeckt. "Leider sind Graffiti trotz intensiver Bewachung in einem Freigelände nicht zu verhindern. Wir werden die Fahrzeuge aber natürlich dennoch wie gewohnt in Top-Zustand an den Auftraggeber übergeben“, sagt Michael Braun, Pressesprecher von Siemens Österreich.

Wie viele Wägen beschmiert wurden, wollte Siemens auf KURIER-Anfrage nicht beantworten. Auch nicht, wie hoch der durch die Graffiti verursachte Schaden ist.

Drei-Klassen-Waggons

Im Jahr 2013 gab Siemens den Zuschlag für den Bau zweier Linien für die Metro in Riad bekannt. Das Auftragsvolumen beträgt 1,5 Milliarden Euro. Einen Teil davon ging an Siemens Österreich

Pikant: Im öffentlichen Nahverkehr in Riad gibt es drei Zug-Klassen - allerdings nicht getrennt nach Komfort, sondern nach Geschlecht beziehungweise sozialer Stellung.

In der ersten Klasse (deren Sitze übrigens in Gold gehalten sind) werden fast ausschließlich Männer Platz nehmen - abgesehen von ein paar "hochgestellten" Frauen, wie es bei der Präsentation des Projekts 2013 hieß.

Die Zweite Klasse entspricht der sogenannten "Family Class", dort können sich Frauen in Begleitung von Männern (Ehemann, anderes männliches Familienmitglied) und Kindern sitzen. Die dritte Klasse ist eine "Single- oder Arbeiterklasse", reserviert für alleinreisende Männer ohne hohe Stellung.