Neue Vorwürfe: Auch Wiener Marktamt-Vize versetzt
Der Leiter des Wiener Marktamts (MA 59), Andreas Kutheil, soll jahrelang Mitarbeiter eingeschüchtert und beleidigt haben. Ihm werden Sexismus, Rassismus und gezieltes Mobbing vorgeworfen. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe musste Kutheil vergangene Woche seine Funktionen zurücklegen, auch ein Disziplinarverfahren steht im Raum, der KURIER berichtete.
Nun wurde auch einer seiner engsten Vertrauten zwangsversetzt: Alexander Hengl, Pressesprecher des Marktamts und bisheriger Stellvertreter von Kutheil. Er soll laut einem Bericht im Falter Fake-Profile auf sozialen Medien betrieben oder koordiniert haben, um die Arbeit der Behörde und insbesondere die Wiener Märkte positiv darzustellen.
Marktamtssprecher Alexander soll auf sozialen Medien falsche Identitäten erstellt und Beiträge des Marktamts positiv kommentiert haben: Mutmaßlich sind die Profile von Edi, Sabine und Tobias nicht echt, sondern von ihm erstellt.
Als „Edi“, „Sabine“ oder „Tobias“ habe er auf Facebook und Instagram Beiträge der Stadt gelobt, Stimmung gemacht, Kritik an Märkten oder am Marktamt relativiert. Verfasst habe er Kommentare wie „Ich liebe den Schlingermarkt“ oder „Die machen das einfach super“. „In seinem Büro hängt eine Liste mit den Log-ins der falschen Identitäten“, schildert ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, im Falter-Artikel.
Ein Blick auf die Facebook-Profile zeigt: Die von den Profilen geteilten Inhalte drehen sich ausschließlich um Wiens Märkte und das Marktamt. Auch unter einem Video zur umstrittenen Naschmarkthalle finden sich Kommentare der Profile. Darunter kommentiert mutmaßlich Hengl wiederum selbst als „Edi“, „Sabine“ und „Tobias“. Zu lesen ist: „Bin schon gespannt. Wird traumhaft und schaut super aus.“
Das Marktamt habe über die Profile auch herauszufinden versucht, ob Markthändler ohne Gewerbeschein arbeiten. Unter falscher Identität wären Termine vereinbart worden, etwa mit Nagelstudios. So sei man an die Adressen der vermeintlichen Firmen gekommen, um sie später vom Marktamt kontrollieren zu lassen.
Von Funktionen enthoben und versetzt
Wie die Magistratsdirektion nun per Aussendung erklärt, sei Hengl bereits letzte Woche von seiner Stellvertreter-Funktion enthoben worden. „Nach den erforderlichen internen Schritten wurde er mit Wirksamkeit 21. Juli 2026 in eine andere Abteilung ohne Führungsaufgaben versetzt“, heißt es.
In einer Stellungnahme im Falter hieß es außerdem :„Ihre Anfrage beinhaltet Anschuldigungen hinsichtlich der Nichteinhaltung der Dienstvorschriften und wurde an die Magistratsdirektion der Stadt Wien zur Prüfung weitergeleitet.“ Die Vorwürfe würden seit Ende Juni geprüft.
Nicht nur ist der Einsatz von Fake-Accounts, um Stimmung für eine Behörde zu machen und das öffentliche Bild zu beeinflussen, demokratiepolitisch fragwürdig. Hengl würde damit auch gegen die Wiener Medien-Verordnung verstoßen. Sie verlangt von öffentlichen Stellen wie dem Marktamt eine Kennzeichnungspflicht ihrer Postings und Sachlichkeit.
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