Chronik | Wien
19.10.2017

Wien: Der Schrebergarten-Schreck

Tagelang brach ein Mann ein und entfachte Feuer. Die Polizei musste ihn gehen lassen.

In der Kleingarten-Siedlung Wasserwiese nahe des Wiener Praters schlief zuletzt keiner gut. Seit vergangenen Samstag hatte sich ein Mann in drei Häuschen einquartiert. Konkret: Er war eingebrochen, hatte das Mobiliar in den Gärten angezündet. Die Polizei fand Diebesgut bei ihm. Bei einer der zahlreichen Festnahmen leistete er Widerstand. Er schlief in einem der Häuser, duschte dort und kochte. Die Beamten wurden (mehrmals) täglich alarmiert, sie nahmen den 33-jährigen Mann aus Ghana jedes Mal fest. Um ihn wenig später wieder auf freien Fuß zu setzen. Die Delikte waren "zu gering", um ihn zu inhaftieren.

"Wir sind in Angst und Schrecken. Das ist keine Übertreibung", sagt Eugen Wendrinsky. Der 85-Jährige lebt mit seiner 76-jährigen Frau Inge nur wenige Häuser weiter. "Die Polizei ist machtlos. Sie muss den Mann jedes Mal frei lassen. Das ist doch genau so eine Geschichte wie damals beim Brunnenmarkt (ein psychisch Kranker erschlug eine Passantin, Anm.)."

Neuer "Besitzer"

Erstmals war der Ghanaer am vergangenen Samstag aufgetaucht. Als die Nachbarn den Fremden auf einem Grundstück sahen, gab er sich als neuer Besitzer aus.

Als solcher dürfte er sich tatsächlich gefühlt haben. Denn im Haus von Herrn S. fühlte er sich daheim. "Er hat eine Fensterscheibe eingeschlagen und ist so ins Haus gekommen. Er duscht, schläft und isst bei mir", schildert Herr S.. Außerdem soll er die Holzlatten der kleinen Sauna abmontiert und sie am Sonntag in einem der Gärten verbrannt haben.

"Die Flammen waren zwei, drei Meter hoch. Die Funken sind bis aufs Nachbargrundstück geflogen. Die Nachbarin musste die Feuerwehr rufen", schildert Anton Wendrinsky, der sich um seine Eltern sorgt.

Am Montag mähte der neue "Nachbar" auf einem fremden Grundstück den Rasen und schlief erneut in einem der Häuser, am Dienstag brach er in ein weiteres Gartenhaus ein. Am Mittwoch wurde er gleich zwei Mal festgenommen – in der Früh hatte er laut Polizei ein gestohlenes Fahrrad dabei. Am Abend soll er wieder in ein Haus eingestiegen sein. Bei seiner Festnahme soll er Widerstand geleistet haben.

"Auf einem Grundstück hat er bereits einen neuen Haufen gestapelt, den er anzünden will", schüttelt Anton Wendrinsky ungläubig den Kopf. Im persönlichen Umgang sei der Unbekannte freundlich gewesen. "Er hat uns einen Kaffee angeboten. Meiner Tochter wollte er unbedingt im Garten helfen. Aber geheuer ist uns das Ganze nicht", schildert Eugen Wendrinsky.

Mittwochabend wurde der Verdächtige schließlich in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert, sagt Sprecherin Nina Bussek. "Natürlich verstehe ich, dass die Situation für die Nachbarn unangenehm war. Aber anfangs handelte es sich um Delikte, die nicht schwer genug waren, um eine Einlieferung in eine Justizanstalt zu verfügen." Nun würde der Verdächtige psychologisch untersucht werden.