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Chronik Wien
07/02/2019

Wien: Außenbezirke bei Öffi-Versorgung klar im Nachteil

Laut Studie der Arbeiterkammer haben 300.000 Wiener keine optimale Öffi-Anbindung. Obwohl Wien vor allem in den Randbezirken wächst.

von Julia Schrenk

Alle fünf Minuten eine U-Bahn, die Straßenbahn praktisch vor der Haustür und wenn die nicht fährt, gibt es immer noch den Bus. Zumindest in den Bezirken innerhalb des Gürtels. Denn laut einer Studie der Arbeiterkammer Wien sind nicht alle Bezirke so gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. 

Zunächst die gute Nachricht:

83,7 Prozent der Wiener Bevölkerung sind gut mit öffentlichen Verkehrsmittel versorgt. Das sind etwa 1,5 Millionen Menschen.

Nur 16,1 Prozent verfügen über eine schlechte Anbindung ans Öffi-Netz (das entspricht 300.000 Menschen) und überhaupt nur 0,2 Prozent (4.360 Personen) wohnen in Gegenden, die gar nicht an die Öffis angeschlossen sind.

Außerdem werden 38 Prozente aller täglichen Wege der Wiener mit Öffis zurückgelegt.
 

Jetzt die schlechte Nachricht:

Die Außenbezirke sind in Sachen Öffi-Versorgung deutlich benachteiligt.

Denn während in den Innenstadtbezirken (also 1 bis 9) fast 100 Prozent der Bewohner über eine sehr gute oder gute Öffi-Anbindung verfügen und auch Rudolfsheim-Fünfhäus und die Brigittenau gut angeschlossen sind, nimmt die Qualität der Öffi-Versorgung in den Außenbezirken deutlich ab. Und zwar vor allem in den Bezirken 10 bis 14, 16 bis 19 und 21 bis 23, wie die folgende Grafik zeigt.

Während also in den Bezirken innerhalb des Gürtels (abgesehen von kleineren Teilen des 2. und 20. Bezirks) kaum jemand in einer Gegend wohnt, die schlechter als "Güteklasse A" bewertet wird, sind es in den Außenbezirken zwischen 20 und 50 Prozent.

In den Außenbezirken fahren hauptsächlich Busse. Deren Intervalle liegen ohnehin schon bei fast 10 Minuten, oft können sie diese aufgrund des starken Verkehrs aber nicht einhalten.

Auch bei der Anzahl von Haltestellen gibt es deutliche Unterschiede zwischen innerhalb und außerhalb des Gürtels: Laut Haltestellenzählung des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR) gibt es in der Innenstadt 17 Stopps pro Quadratkilometer, in den Außenbezirken allerdings nur 8.

Das Angebot ist in den Außenbezirken also deutlich schlechter, obwohl gerade diese Bezirke am stärksten wachsen. Denn dort befinden sich wichtige Stadtentwicklungsgebiete.

"Ausgerechnet in den Bezirken, in denen das boomende Wien am meisten Bevölkerungszuwachs verzeichnet, ist die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsangeboten am schwächsten", sagt Thomas Ritt, Leiter der Abteilung Kommunalpolitik bei der Arbeiterkammer Wien.

Bis zum Jahr 2035 werden in den Außenbezirken 180.000 Menschen mehr leben, als jetzt.

Von außen nach innen

Weiteres Problem: Zwar sind die Wege von "draußen" in die Innenstadt vom öffentlichen Verkehrsnetz gut erfasst, nicht aber Wege zwischen den Bezirken. Die Anbindung zwischen Floridsdorf und der Donaustadt etwa ist nicht optimal - obwohl viele Menschen zwischen den Bezirken pendeln. Und zwar nicht nur, was Arbeitswege betrifft, sondern auch Strecken, die privat zurücklegt werden.

Die Arbeiterkammer fordert nun ein "Ausbaupaket für die Außenbezirke" in der Höhe von 1 Milliarde Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren. S-Bahn-, Straßenbahn-, und die Versorgung mit Bussen soll ausgebaut werden.

Neue S-Bahn-Strecken gefordert

Konkret soll etwa die Anzahl von S-Bahn-Haltestellen von Favoriten nach Liesing erhöht werden, von der Donaustadt nach Floridsorf soll eine zusätzliche Straßenbahnlinie geschaffen werden. Eine neue S-Bahn-Strecke brauche es auch vom Gewerbepark Stadlau, im Süden nach Oberlaa.

In Liesing müsse das Bus-Angebot erweitert werden. Ebenso zwischen Simmering und Kagran, sowie Simmering und Aspern.

Auf lange Sicht regt die Arbeiterkammer an, über eine Verlängerung der U2 über die Gutheil-Schoder-Gases bis nach Liesing nachzudenken.

Der U2/U5-Ausbau werde die Anbindung peripherer Gegenden zwar verbessern, sagt AK-Experte Ritt. Künftig sollte der Fokus bei Investitionen in die Öffis aber direkt auf den Außenbezirken und weniger auf der Innenstadt liegen.

Hürden dabei seien unter anderem "Finanzierungserfordernisse" und "Anrainerbedenken" (etwa bei der Errichtung von Straßenbahnen).

Ein Öffi-Ausbau sei auch im Sinne der Klimapolitik, betont Ritt. "Nur wer schnelle, günstige Öffis hat, lässt sein Auto stehen." Und derzeit würden in den Außenbezirken "immer mehr" Autos angemeldet.