Chronik | Wien
09.11.2018

Ausbau der U2/U5 verzögert sich um neun bis zwölf Monate

Zwei Angebote für den Tiefbau sind den Wiener Linien zu teuer. Das macht eine Neuausschreibung nötig.

Der Neubau der U5 und die Verlängerung der U2 kommen neun bis zwölf Monaten später als geplant. Der Grund: Die Ausschreibung für zwei große Tiefbau-Abschnitte muss wiederholt werden. Die bisherigen Angebote seien für ein mit Steuergeldern finanziertes Projekt inakzeptabel, erklärt Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer.  Geht man von einer einjährigen Verschiebung aus, dürfte  die U5 nun also erst ab 2025 (statt 2024) zum Frankhplatz fahren und die U2 erst ab 2027 (statt 2026) zum Matzleinsdorfer Platz. 

Konkret geht es um die Vergabe des Tunnelbaus vom Frankhplatz zur Knotenstation Rathaus sowie um den Tunnelvortrieb vom Matzleinsdorfer Platz stadteinwärts. Da die Angebote aus der derzeit boomenden Baubranche  „nicht plausibel“ gewesen seien, sehe man sich gezwungen, die Ausschreibungen „mit anderen Rahmenbedingungen“ zu wiederholen. Um welche Summen es geht, wird mit Verweis auf das noch nicht abgeschlossene Vergabeverfahren nicht verraten.

Die Bauverzögerung für die neuen U2/U5-Abschnitte wirkt sich auch auf die zweijährige Sperre der U2 zwischen Schottentor und Karlsplatz aus. Die war eigentlich ab Sommer 2019 geplant, beginnt nun aber erst im Laufe des Jahres 2020.

Das hat aber auch einen Vorteil: Denn so wird die U2 nicht zeitgleich mit der U4 eingestellt – die im Zuge der Sanierung kommendes Jahr im Juli und August nicht zwischen Karlsplatz und Längenfeldgasse fährt. Die Station Pilgramgasse wird schon ab Februar etwa ein Jahr lang nicht eingehalten. Grund sind Umbauarbeiten, die nötig sind, weil hier die verlängerte U2 die U4 kreuzen wird.

Diese Arbeiten laufen ungeachtet der Gesamtverzögerungen weiter – ebenso wie diverse Vorarbeiten entlang den neuen Trassen von U2 und U5.

Keine Lösung für 13A in Sicht

Etwas zeitlichen Druck nimmt die neueste Entwicklung aus der Debatte um die Route für den 13A. Für die meistfrequentierte Busverbindung Wiens wird ja eine alternative Strecke gesucht, da in der Kirchengasse während des U-Bahn-Baus keine Durchfahrt möglich ist.

Die Wiener Linien würden am liebsten in beiden Richtungen durch die Neubaugasse fahren. Da dies bis dato aber am Widerstand des grünen Neubauer Bezirkschefs Markus Reiter scheiterte, gebe es als weitere Möglichkeiten die Umleitung über Nelken- und Zollergasse oder über Stift- und Siebensterngasse, sagt Steinbauer. Wobei letztere Option „nur die drittbeste Lösung“ sei. Da die Siebensterngasse nur 5,7 Meter breit und dort auch die Straßenbahnlinie 49 unterwegs sei, könne man keine Gelenksbusse einsetzen. Eine 13A-Teilung wolle man jedenfalls vermeiden. Es sei nun Sache der Politik, zu entscheiden, wie der Bus tatsächlich fahren soll.

Reiter wünscht sich angesichts der Bauverzögerung einen breiten Beteiligungsprozess, in dem noch einmal über die Routenführung diskutiert wird. Sehe man sich nun doch mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert. „Der Druck punkto Anbindung an die U3 während die U4-Station Pilgramgasse saniert wird, fällt jetzt ja weg.“ Nach Reiters Ansicht  spricht nichts gegen die Führung durch die Stiftgasse.

Vom U-Bahn-Bau beeinträchtigte Unternehmer können übrigens trotz der Bauverzögerung schon ab 2019 mit der in Aussicht gestellten Förderung von Stadt und Wirtschaftskammer rechnen.

"Die Baustelle wird uns nicht umbringen"

Apropos: Die Unternehmer in der Kirchengasse, die von der U-Bahn-Baustelle unmittelbar betroffen wären, reagieren unterschiedlich auf die Bauverzögerung

Nicht sonderlich beunruhigt ist etwa Barbara Sickenberg von „Geschirr Niessner“ – obwohl sie die „Verschnaufpause“ von der U-Bahn-Hektik begrüßt. „Natürlich wird die Situation unangenehm, natürlich wird es Lärm und Dreck geben, das ist ja keine Frage – aber uns gibt es seit 166 Jahren, da wird uns eine U-Bahn-Baustelle nicht umbringen.“ Zumal die angekündigten Bohraktivitäten nicht immer an derselben Stelle stattfinden sollen und es zum Vorteil aller sei, wenn die U-Bahn erst einmal fertig gebaut ist.

Weniger optimistischen Unternehmern in der Nachbarschaft gebe die Verzögerung nun mehr Zeit, sich um Ausweichlokale umzusehen, sagt Sickenberg, die auch Sprecherin der Kirchengassen-Kaufleute ist.  

Einen alternativen Standort während der Bauarbeiten ziehen etwa David Rüb und Severin Rogl, Inhaber des Schuhfachgeschäfts „Zapateria“ in Betracht. Mit der Baustelle vor der Tür lasse sich der herkömmliche Betrieb in der Kirchengasse nicht fortsetzen, erklärt Rogl. Ganz verzichten möchte man auf den Standort aber auch nicht – darum seien während des nun nach hinten verschobenen U-Bahn-Baus Pop-up-Verkäufe und andere Events im bisherigen Geschäftslokal vorstellbar.