Aida-Kaffeehaus: Wiener Traditionsbetrieb zieht es nach Tokio
Mehrere Filialen unter einer Marke: Aida beansprucht den Titel als erste und älteste Kaffeehauskette der Welt für sich.
Das Croissant stammt vom Butterkipferl ab, Wienerbrød beziehungsweise Danish Pastry vom Plundergebäck – und Starbucks von der Wiener Café-Konditorei Aida? Das legen jedenfalls die Recherchen des Branchenautors Mark Lane nahe, wonach das Familienunternehmen die erste und älteste Kaffeehauskette der Welt ist.
Mit seiner Recherche trat er auch an die Familie Prousek heran. „Wir konnten es anfangs nicht glauben, haben zu googeln begonnen und in der Familie nachgefragt“, sagt Dominik Prousek, der die Kette in vierter Generation führt.
Rosa und Josef Prousek kauften 1913 die Konditorei "Bonsaing & Söhne" und gründeten das Familienunternehmen Aida.
Bereits 1913 gründete Josef Prousek, geboren in Nordböhmen, gemeinsam mit seiner Frau Rosa – ihr zuliebe auch die heute ikonische Farbwahl – die Café-Konditorei. Das Besondere: das Konzept mit mehreren Standorten unter einer gemeinsamen Marke, einheitlichen Produkten, Rezepturen, Uniformen und definierten Qualitätsstandards.
Grundstein für ein Geschäftsmodell, das Jahrzehnte später weltweit Schule machen sollte. „Aida gilt damit als die erste Kaffeehauskette der Welt“, ist man stolz. Zwar gebe es ältere Kaffeehäuser, jedoch eben nicht mit dieser Struktur.
Die Punschkrapferl-rosa Seele bewahren
Die eigentliche Pionierleistung des Urgroßvaters lag darin, die Wiener Kaffeehauskultur unter einer gemeinsamen Marke an mehreren Standorten anzubieten. „Ich lehne mich mal aus dem Fenster und sage, er hat die Systemgastronomie erfunden“, so der Urenkel. Bis 1920 wuchs die Zahl der Standorte auf fünf, bis 1938 waren es bereits elf.
Heute sind es mehr als 40 Filialen in Österreich, Deutschland und Saudi-Arabien. Die Familie treibt die internationale Expansion weiter voran, will gleichzeitig aber nicht seine Punschkrapferl-rosa Seele verlieren.
In der Vergangenheit habe man auch schon Filialen geschlossen und neue Betreiber gesucht, wenn diese die Standards nicht eingehalten haben. „Was uns von internationalen Coffeeshops unterscheidet, ist, dass alles im 21. Bezirk hergestellt wird. In jedem Stück Kuchen, jeder Cremeschnitte steckt mehr als ein Jahrhundert Wiener Handwerk und Familiengeschichte. Das fehlt den anderen.“
17 Tage am Containerschiff
Tatsächlich gilt das auch für die Cremeschnitte am saudischen Flughafen in Jeddah. Statt Massenware werden in der Produktionsstätte in Floridsdorf Cremen, Tortenböden und Marmeladen selbst hergestellt sowie Torten und Mehlspeisen in Handarbeit produziert. Die werden schockgefrostet und per Containerschiff innerhalb von 17 Tagen in das Königreich geliefert. Haltbar ist das gefrorene Gut laut Prousek bis zu einem Jahr.
Es gibt Interesse aus der ganzen Welt, wir bekommen Anfragen aus Deutschland und zuletzt aus Bukarest in Rumänien.
Aida-Chef
Auch die Wiener Filialen bekommen die Produkte auf minus 18 Grad heruntergekühlt, um sie jeweils am Vortag im Kühlschrank aufzutauen. Damit die Qualität stimmt, gibt es immer wieder Blindverkostungen. Mehl, Eier, Butter, Milch und andere Produkte stammen – sofern in Österreich verfügbar – von heimischen Bauern und Betrieben.
„Unser Ziel ist nicht, den billigsten Lieferanten zu finden. Unser Fundament sind die eigene Produktion in Wien, unsere Rezepturen und das damit verbundene Konditorhandwerk und die Zusammenarbeit mit österreichischen Partnern. Das ist aufwendiger, aber genau deshalb ist Aida seit mehr als 110 Jahren Aida“, erklärt Prousek.
Nächster Halt Tokio
Dieselben Ansprüche würden auch für einen Standort in Asien, genauer gesagt Japan, gelten. Prousek habe sich erst kürzlich den Markt in Tokio angesehen und sei mit gleich drei potenziellen Partnern im Gespräch: „Es gibt Interesse aus der ganzen Welt, wir bekommen Anfragen aus Deutschland und zuletzt aus Bukarest in Rumänien.“
Torten und Cremeschnitte, egal ob für Wien oder Saudi-Arabien, wird in Floridsdorf produziert.
Dass die modernisierte Aida-Aufmachung in Japan, dem Heimatland von Hello Kitty, gut funktionieren würde, glaubt man gerne. Bestes Beispiel ist die Filiale am Stephansplatz, die mit Wänden voller rosaroter Kunstblumen und Leuchtschrift-Sprüchen verjüngt wurde. Damit soll auch die jüngere Generation angesprochen werden.
Wo alles beim Alten bleibt
Die Wienerinnen und Wiener haben es währenddessen bekanntlich am liebsten, wenn alles beim Alten bleibt. Das soll es auch, zum Beispiel in der historischen Filiale auf der Wollzeile. Dort nahm Gründersohn Felix Prousek 1946 die erste Espressomaschine Österreichs in Betrieb.
Daran erinnert bis heute die charakteristische „Kaffeeinsel“ in der Mitte des Lokals. Dass es hier, so wie in anderen Aida-Filialen, bis heute zwei Eingangstüren gibt, hat ebenfalls einen historischen Grund: Durch die eine Tür betrat man das Kaffeehaus, durch die andere kam man, um an der Theke einzukaufen. Wie es sich damals eben gehörte.
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