Chronik | Wien 05.04.2018

Rendi-Wagner nach Wien? Wie Ludwig die Regierung umbaut

© Bild: Kurier/Juerg Christandl

Rendi-Wagner ist Favoritin für das Gesundheitsressort im Wiener Rathaus, Brauner und Mailath-Pokorny stehen vor der Ablöse.

Nach Sandra Frauenbergers Rückzug als Gesundheits- und Sozialstadträtin dürfte es inzwischen eine Favoritin für ihre Nachfolge geben: Pamela Rendi-Wagner, Ex-Gesundheitsministerin und derzeit Nationalratsabgeordnete, soll das Ressort übernehmen. Das ist von mehreren Seiten in der SPÖ zu hören. Und auch an anderen Stellen des roten Regierungsteams gewinnt das Personalkarussell an Fahrt.

Wie berichtet, will SPÖ-Chef Michael Ludwig am 14. Mai sein neues Stadtratsteam präsentieren. Darin wäre für Frauenberger, die im parteiinternen Duell um Michael Häupls Nachfolge Andreas Schieder unterstützt hatte, kein Platz vorgesehen gewesen. Sie kam ihrer Ablöse daher zuvor und gab am Mittwoch ihren Rückzug bekannt.

Im Gespräch für ihren Posten ist neben Rendi-Wagner auch Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres . Für ihn spricht seine fachliche Kompetenz, sein gutes Image in der Bevölkerung aufgrund des „Don’t Smoke“- Volksbegehrens und sein guter Draht zur Ludwig. Eine Übernahme des Amts durch Szekeres wäre mit einer gewissen Ironie verbunden: Im Konflikt um die Ärztearbeitszeiten zerstritt er sich 2016 mit der damaligen Stadträtin Sonja Wehsely derart, dass er seine SPÖ-Mitgliedschaft zurücklegte. Jetzt könnte er ihr Nachfolger werden.

Szekeres dementiert aber: Der vakante Posten sei eine „schwierige Aufgabe“, die ein „Vollblut- und nicht ein Standespolitiker“ übernehmen solle, sagt er. Um das Amt und damit die Nachfolgersuche bewältigbarer zu machen, steht dem Vernehmen nach eine Teilung der problembehafteten Bereiche Gesundheit und Soziales in separate Ressorts im Raum.

Als sicher gilt inzwischen auch, dass Finanzstadträtin Renate Brauner ihren Posten räumen muss. Als Nachfolger sollen Wien-Holding-Chef Peter Hanke und Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner ins Auge gefasst worden sein – beide sollen aber an ihren attraktiven Jobs hängen. Selbiges dürfte für Josef Ostermayer gelten. Der ehemalige Kulturminister, der im Vorstand der Sozialbau AG sitzt, wird laufend als neuer Stadtrat für Finanzen, Kultur und Wohnbau genannt. Die Wohn-Agenden sind durch Ludwigs Wechsel auf den Bürgermeister-Sessel ja ebenfalls zu vergeben.

Nicht fix ist auch die Zukunft von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Gerüchten zufolge soll auch er freiwillig zurücktreten und sich neu orientieren. Dafür spricht auch, dass seine Frau, die als Business-Coach arbeitet, ab Juni ihr Büro vermietet. Im Büro des Kulturstadtrats will man sich an den Spekulationen nicht beteiligen. "Der Stadtrat macht seinen Job sehr gerne", sagt eine Sprecherin. Potenzielle Nachfolger wäre Ex-Kulturminister Thomas Drodza und die Favoritener Bezirksparteichefin Kathrin Gaal. Sie gilt als Personalreserve und wäre ein Signal an die bisher vernachlässigten Flächenbezirke. Gaal wird auch als Anwärterin auf das Wohnbau-Ressort gehandelt.

PK - 130 JAHRE WIENER VOLKSHOCHSCHULEN: CZERNOHORSZKY / LUDWIG
Michael Ludwig und Jürgen Czernohorszky © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Apropos Zukunftshoffnung: Weiterarbeiten dürfen soll Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky . Er deklarierte sich zwar für Andreas Schieder, wird aber als aufstrebende Personalreserve gelobt. Ulli Sima, derzeit zuständig für Umwelt und die Wiener Stadtwerke, soll ebenfalls Teil von Ludwigs Regierungsteam sein – möglicherweise als Sozialstadträtin.

Personelle Umwälzungen stehen auch an der Spitze des Rathaus-Klubs an. Klubobmann Christian Oxonitsch gilt als fixer Ablösekandidat, da er sich im Nachfolgeduell sehr passiv verhalten hatte – was ihm Ärger von beiden Seiten einbrachte. Er könnte statt Nurten Yilmaz in den Nationalrat wechseln. Möglicher Nachfolger ist Marcus Schober. Ihm wurden Chancen auf den Posten des Landesgeschäftsführers nachgesagt – den letztlich aber Barbara Novak erhielt.

( kurier.at , rach ) Erstellt am 05.04.2018