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"Am Tabor" entsteht Wiens erste "Protected Bike Lane" und sorgt noch vor der Fertigstellung für Probleme im Bezirk.

© Hirsch

Chronik Wien
11/23/2020

Wie es mit den Fahrradstraßen in Wien weitergeht

Von den 15 geplanten Fahrradstraßen sind 6 fertiggestellt, 5 befinden sich noch in Bau. 4 Fahrradstraßen werden frühestens 2021 fertiggestellt. Kritik gibt es an der neuen "Protected Bike Lane".

von Nina Oezelt

21 Straßen sollten noch im Jahr 2020 für Fahrräder umgebaut werden. Das kündigte die Stadt Wien im Mai dieses Jahres an. Aber was ist von dem Vorhaben bisher umgesetzt worden? Und werden mit dem Wechsel der Zuständigen in der Stadtregierung überhaupt noch alle Projekte umgesetzt.

"Ja", heißt es aus der Magistratsabteilung für Straßenverwaltung und Straßenbau über die Projekte für den Radverkehr für 2020. "Die aktuellen Bauvorhaben des Radverkehrs sind genehmigt worden und werden auch realisiert."

Für die Projekte sind auch bereits verpflichtende Bauverträge abgeschlossen worden. So wird der Machtwechsel in der Stadtregierung, auch wenn sich das manche Bezirke womöglich wünschen, nicht viel daran ändern können.

Verspäteter Baustart für "Protected Bike Lane" 

Dennoch werden 7 der 21 Straßen, die für Fahrräder reserviert waren, erst nächstes Jahr umgebaut oder realisiert. Der Bau wurde zeitlich verschoben, da beim ersten Lockdown die Baustellen für eine Zeit lang still standen, heißt es.

Insgesamt plante die Stadt 30 Projekte für den Radverkehr. Darunter befinden sich eben Fahrradstraßen (Straßen mit Vorrang für Fahrräder) und fahrradfreundliche Straßen (Straßen für Fahrräder, Autos sind erlaubt), 9 Straßen wurden schon umgebaut. 

Die erste "Protected Bike Lane", also der erste Fahrradweg mit Betonschutzeinrichtungen, sorgt indessen wegen dem Verlust von 89 Parkplätzen für Polemik im zweiten Bezirk. Der KURIER gibt einen Überblick:

Fahrradstraßen

Dieses Jahr sollten laut Bauplan 15 sogenannte Fahrradstraßen gebaut werden, die meisten davon im 3., 11. und im 14. Bezirk. Die Fahrradfahrer haben hier Vorrang, Autos dürfen nur zu- und abfahren und maximal mit Tempo 30 unterwegs sin. Radfahrer dürfen dort nebeneinander fahren.

Die Straßen sind mit dem Verkehrsschild "Fahrrad auf blauem Hintergrund" gekennzeichnet. Bereits zehn solcher Straßen gab es bis jetzt in Wien.

In der Scherzergasse/Castellezgasse im 2. Bezirk (siehe Foto) wurde so eine Fahrradstraße errichtet. Die Fahrradstraße soll als Parallelverbindung zur Taborstraße dienen und verbindet die bestehenden Radwege in der nördlichen Taborstraße und in der südlichen Castellezgasse.

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Von den 15 geplanten Fahrradstraßen sind 6 fertiggestellt, 5 befinden sich noch in Bau. 4 Fahrradstraßen werden aber frühestens nächstes Jahr fertiggestellt. Hier die Details:

Diese Fahrradstraßen sind bereits fertiggestellt worden:

  • 2., Castellezgasse-Scherzergasse
  • 3., Fasanplatz / Joseph-Schmidt-Platz 
  • 10., Ettenreichgasse zwischen Dieselgasse und Troststraße
  • 13./14., Hofjägerstraße von Mühlbergstraße bis Nr. 8 
  • 14., Bahnstraße zwischen Hamerlinggasse und Nr. 2 
  • 22., Alte Straße 

Diese Fahrradstraßen werden gerade fertiggestellt:

  • 9., Währinger Gürtel Nebenfahrbahn gegenüber AKH (in Bauvorbereitung)
  • 11., Am Kanal von Nr. 15 bis Nr. 25 (Bodenmarkierungen und Verkehrszeichen fehlen)
  • 11., Am Kanal von Geiselbergstraße bis Zehetbauergasse (2021)
  • 11., Am Kanal von Geystraße bis Lorystraße (Bodenmarkierungen und Verkehrszeichen fehlen)
  • 19., Döblinger Gürtel von Nr. 2 bis Nr. 10

Diese Fahrradstraßen werden erst nächstes Jahr oder später fertiggestellt:

  • 3.,Helmut-Qualtinger-Gasse / Maria-Jacobi-Gasse (2021)
  • 3., Markhofgasse (2021)
  • 3., Henneberggasse (2022, nach Fertigstellung eines Hochbaus)
  • 11., Geiselbergstraße bis Zehetbauergasse (2021)

Fahrradfreundliche Straßen

Rechtlich unterscheiden sich Fahrradstraßen und fahrradfreundliche Straßen darin, dass fahrradfreundliche Straßen nicht verordnet sind. Damit sind die Bestimmungen der StVO zu Fahrradstraßen hier nicht gültig: das Nebeneinanderfahren von Radfahrern ist daher in dieser Straße nicht gestattet. Die Zu- und Durchfahrt ist für Autofahrer rechtlich möglich. Das soll aber weitgehend unterbunden werden.

Bei fahrradfreundlichen Straßen gibt es kein Verkehrsschild. Piktogramme können den Radverkehr sicherer gestalten. Ein Beispiel ist die Hasnerstraße im 16. Bezirk.

Bei der Gestaltung und den inhaltlichen Kriterien soll keine Unterscheidung zwischen fahrradfreundlichen Straßen und Fahrradstraßen gemacht werden. Von den 6 geplanten fahrradfreundlichen Straßen werden jedoch drei Straßen erst nächstes Jahr gebaut.

Diese fahrradfreundlichen Straßen sind im Bauprogramm 2020 bereits fertiggestellt worden:

  • 6., Mollardgasse von Eisvogelgasse bis Grabnergasse
  • 9., Boltzmanngasse von Währinger Straße bis Alserbachstraße und Alserbachstraße bis Nr. 18 
  • 9., Borschkegasse von Währinger Gürtel bis Lazarettgasse

Diese Fahrradfreundlichen Straßen werden erst nächstes Jahre oder später fertiggestellt:

  • 3., Haeussermannweg (2021)
  • 14., Goldschlagstraße von Ameisgasse bis Amortgasse (2021)
  • 14.,15., Goldschlagstraße von Amortgasse bis Sturzgass(2021)

Das Bauprogramm Radinfrastruktur der Stadt Wien im Jahr 2020 sah auch die Errichtung von drei Radstrecken gegen eine Einbahn vor sowie die Errichtung von drei Radfahrstreifen und vier Radwegen vor. Die sind so gut wie fertig.

Radfahren gegen die Einbahn

  • 7., Lindengasse von Neubaugasse bis Andreasgasse 
  • 10., Laxenburgerstraße von Theodor-Steiskal-Gasse und Heuberggsstättenstraße 
  • 12., Laksegasse

Radfahrstreifen

  • 9., Lazarettgasse
  • 16., Possingergasse von Hasnerstraße bis auf die Schmelz
  • 17., Hernalser Hauptstraße von Wichtelgasse bis Wurlitzergasse

Radwege

  • 2., Am Tabor von Nordbahnstraße bis Taborstraße
  • 2., Nordbahnstraße von Kleine Stadtgutgasse bis am Tabor
  • 22., Wagramer Straße von Schüttaustraße bis Arbeiterstrandbadstraße
  • 23., Breitenfurter Straße von Walter-Jurmann-Gasse bis Gregorygasse 

Verstimmung im Bezirk wegen der "Protected Bike Lane"

Die "Protected Bike Lane", also ein "permanent geschützter Radweg", der "Am Tabor" bis 17. Dezember, von Kreuzung Nordbahnstraße bis zur Kreuzung Taborstraße und Nordwestbahnstraße gebaut werden soll, sorgt schon jetzt für Ärger beim designierten Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Alexander Nikolai (SPÖ).

Nikolai tritt am 1. Dezember sein Amt an. Er zeigt sich wenig erfreut, dass er dieses Projekt seiner Vorgängerin Uschi Lichtenegger, die nun wieder als Bezirksrätin arbeiten wird, fast fertig übernehmen muss.

Er kritisiert die ehemalige grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein: "Sie hat die Planung bei der zuständigen MA 28 beauftragt. Meines Wissens wurden keine alternativen Pläne geprüft oder in Erwägung gezogen." Nikolai klagt, dass es vorab wohl zu wenig Information und Kommunikation über dieses Projekt gegeben habe.

Keine Visualisierungen, fehlende Information

Eine gute Radwegverbindung zwischen Nordbahnviertel, Augarten, der Brigittenau und des zu entwickelnden Nordwestbahnviertel sei absolut notwendig, sagt Nikolai. "Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass nach den Grundsätzen guter Planung die Anwohner eingebunden worden wären und auch der Bezirk beteiligt worden wäre."

Bereits vorab hatte es Kritik bei den Sitzungen der Fachkommission zu dem neuen Radweg gegeben. Auch Visualisierungen des neuartigen Fahrradweges gab es keine. Die Wiener Linien und die Wirtschaftskammer stimmten gegen diesen neuen Radweg, abgesegnet wurde er schließlich von der Stadtregierung.

"Durch den Umbau wird der Autoverkehr auf die Gleise verlegt, die Straßenbahn wird so behindert", heißt es von Seiten der Wiener Linien. Das könne zu einer Verlangsamung führen und es könne mitunter gefährlich werden. Auch der zusätzliche Bau der Ampelanlage (Höhe Pazmanitengasse) werde zu einer Verlangsamung führen. Auf der Strecke fährt die Straßenbahnlinie 5, betroffen ist die Station "Am Tabor".

Bis 17. Dezember soll der Bau der neuen Fahrradstrecke fertig sein. Eine Ampelanlage soll auch für mehr Verkehrssicherheit sorgen, in dem umliegenden Bereich befinden sich zahlreiche Schulen.

Gänzlich freudig zeigt sich die Fahrradlobby über die neue "geschützte Fahrradstrecke". Das Phänomen des Doorings sei, dank den Betonteilen, auf dieser Strecke nicht mehr möglich. 

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