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Chronik | Wien
06/12/2019

Wie die Stadt verhindern will, dass die Alte Donau zuwuchert

Zum Start der Badesaison entfernt eine Armada von Amphibiengefährten Wasserpflanzen. Die Wasserqualität ist einwandfrei.

Wer in der Alten Donau Abkühlung sucht, braucht sich vor kitzelnden Unterwasserpflanzen nicht zu fürchten – derzeit jedenfalls. Denn jetzt, wo die Badesaison in Wien so richtig beginnt, haben die städtischen Mähboote bereits 1.000 Tonnen Grünzeug aus dem Gewässer gefischt.

Damit die Pflanzen der Stadt nicht wie im Vorjahr über den Kopf wachsen, sind momentan pro Tag 25 Boote unterwegs.

Darunter sind 13 sogenannte Amphibienboote. Die wendigen Schiffchen können die Pflanzen sowohl schneiden als auch sammeln. Seit vergangenem Sommer sind sie regulär im Einsatz.

Heuer erhielten sie sogar eigene Namen: Sie sind als Teichrose, Schwanenblume, Lilie oder Seekanne unterwegs.

„Für die gute Wasserqualität der Alten Donau sind die Wasserpflanzen unerlässlich“, betonte die die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Mittwoch. Für Schwimmer und Bootsfahrer bzw. -verleiher seien sie aber mitunter lästig.

Bootsvermieter zuversichtlich

Letztere zeigen sich mit der Mahd bis jetzt zufrieden. „Es ist heuer deutlich besser als im Vorjahr zu selben Zeit“, sagt Markus Grießler, Spartenobmann für Tourismus und Freizeit in der Wiener Wirtschaftskammer (WKW) zum KURIER.

Vergangenen Juni seien die Pflanzen so hoch gewesen, dass sie sich in den Propellern der Elektro- und in den Schwertern der Segelboote verfingen. „Sie wurden dadurch unsteuerbar.“

Die Stadt habe daraus gelernt, sagt Grießler. Einerseits seien die Mähboote heuer früher ausgerückt. Andererseits sei auch gemäht worden, als es kühler war. „Wir sind zuversichtlich, dass es so bleibt.“

Sammel-Rekord: 3.350 Tonnen Pflanzen

Grund für das enorme Wachstum der Unterwassergewächse im Vorjahr waren überdurchschnittlich hohe Temperaturen und viele Sonnentage schon im April. Vergangenen Sommer wurden insgesamt 3.350 Tonnen Pflanzen aus der Alten Donau gefischt - so viel wie noch nie.

Gemäht wird bis in eine Tiefe von 2,5 Metern - so tief ist die Alte Donau im Schnitt. Im Uferbereich oder an den Stegen der Bootsverleiher sind auch Taucher im Einsatz, um dort die Feinarbeiten zu erledigen. Das Schnittgut wird in der Lobau zu Bio-Kompost verarbeitet.

In der Neuen Donau müssen die Mähboote übrigens nicht ausrücken. Die Pflanzen wachsen dort im Schnitt in einer Tiefe von vier Metern - und damit unter der Reichweite von Schwimmern und Booten.

Weil die Pflanzen Fischen als Laichplätze und Rückzugsgebiete dienen, werden sie nicht überall getrimmt. In wenig genutzten Bereichen sind Schonzonen eingerichtet, die nicht gemäht werden. Diese sind mit Bojen und Hinweistafeln gekennzeichnet.

Nach Hochwasser wieder Badequalität

Nicht zuletzt sorgen die Pflanzen für eine gute Wasserqualität. Diese ist nach dem Donau-Hochwasser Ende Mai – bedingt durch die starken Regenfälle – in den Wiener Badegewässern wieder einwandfrei.

Um den Pegel zu normalisieren, war laut MA 45 (Wiener Gewässer) Wasser aus der Donau in die Neue Donau geleitet worden. „Da die Donau keine Badewasserqualität hat, wurde aus Sicherheitsgründen ein Badeverbot in der Neuen Donau verhängt“, sagt Sprecherin Mathilde Urban.

Die Wasserqualität in Alter und Neuer Donau sowie am Mühlwasser in der Lobau wird alle 14 Tage gemessen. Bei der Steinspornbrücke an der Neuen Donau ergab die jüngste Untersuchung „gute“ Qualität. An den 16 übrigen Messstellen ist die Qualität „ausgezeichnet“.

Und auch die Wassertemperaturen laden zum Baden ein: Die Neue Donau hat bereits mehr als 20 Grad, die Alte Donau fast 23 Grad.