Chronik | Wien
18.07.2018

Wie „Bauchtanz-Seminar“ auf die Website der Wiener Spitäler kam

Laut Spitalsträger KAV handle es sich um keine Fortbildung, sondern um Erfahrungsberichte.

„Die Spiritualität im Bauchtanz“, „Quantenphysikalische Ansätze zur Erklärung von energetischen Heilweisen“ – kuriose Themen wie diese fanden sich bis vor Kurzem auf der Homepage der Akademie für Fortbildungen und Sonderausbildungen des Wiener Krankenanstaltenverbunds ( KAV). Und zwar unter dem Sammeltitel „Therapeutic Touch als gesundheitsförderliche Maßnahmen“.

Wie berichtet, wurden sie im Rahmen der U-Kommission zum Krankenhaus Nord bekannt, wo am Dienstag KAV-Direktor Herwig Wetzlinger unter anderem zu dem Skandal rund um einen 95.000 Euro teuren „Energie-Ring“ für die Baustelle befragt wurde. Anhand der Liste auf der Website der KAV-Akademie versuchte die FPÖ nachzuweisen, dass solche esoterischen Umtriebe im KAV kein Einzelfall sind. Die blaue Enthüllung dürfte dem KAV überaus peinlich sein: Noch am Dienstag wurde die Website offline gestellt. „Die Liste war nicht mehr aktuell und stand irrtümlich noch online“, betont ein KAV-Sprecher in einer Stellungnahme.

Wie aus KAV-Kreisen zu vernehmen ist, war  die KAV-Spitze um Schadensbegrenzung bemüht, nachdem die Bauchtanz-Causa am Dienstag öffentlich bekannt wurde: Mitarbeiter wurden demnach beauftragt, die Fortbildungsprogramme nach ähnlichen Skurrilitäten zu durchforsten. Das will der Sprecher nicht bestätigen. Vielmehr habe man intern Nachforschungen angestellt, was es mit der besagten Liste auf der Homepage auf sich habe.

Laut KURIER-Informationen waren die kuriosen Themen Teil eines eintägigen Kurses, die mit mehreren weiteren Programmpunkten unter dem Titel „Therapeutic Touch“ von der internen Fortbildungsakademie angeboten wurde.  

Im KAV dementiert man das: „Am Ende einer Fortbildungskursreihe im Jahr 2010 haben die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit persönlichen gesundheitsförderlichen Maßnahmen auch schriftlich dargelegt“, sagt der Sprecher.  Die zuletzt publik gemachten Themen wie Bauchtanz seien „persönliche Erfahrungsberichte beziehungsweise Recherchen aus der Literatur von den damaligen Teilnehmern. Es hat aber keine Fortbildung und auch kein Angebot im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung zu diesen Themen gegeben.“  

Grundsätzlich richten sich die  Angebote dieser KAV-internen Fortbildungsakademie  an das Pflegepersonal und an Mitarbeiter des medizinisch-technischen Dienstes. Die Kosten für die Fortbildung übernimmt der KAV.  Im aktuellen Kursprogramm, das dem KURIER vorliegt, finden sich jedenfalls keine obskuren Angebote.