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Chronik Wien
07/17/2019

Wegen Rosmarin und Hecke soll es Biber an den Pelz gehen

Der Nager mit Vorliebe für Mediterranes wird für Anrainer an der Alten Donau zum Problem. Die Stadt Wien kann nicht helfen.

von Marlene Penz

„Der fünfte Rosmarin, zwei Olivenbäume und der Salbei der Nachbarin sind dem Biber in den vergangenen Wochen schon zum Opfer gefallen“, erzählt Eva-Maria Urban in ihrem Garten mit Uferzugang zur Unteren Alten Donau am Dampfschiffhaufen. Ihr Nachbar Christian Werner beklagt die Zerstörung seiner Hecke: „Er hat ein Loch hineingefressen, mir ist ein Schaden von mehr als 4.000 Euro entstanden.“

 

In der Kleingartensiedlung Gänsehäufel sorgt ein Biber für Unruhe. Christian Werner zufolge seien rund 80 Anrainer betroffen. Seit sieben Jahren besitzt er eine Parzelle, Probleme mit den Nagern gab es seither noch keine. "Es ist das erste Mal. Ich habe jetzt einen Zaun aufgestellt, damit er nicht nochmal meinen Garten zerstört. Wenn ich nur die Hecke erneuere, gibt es keine Garantie, dass es nicht noch einmal passiert." Auf den Kosten bleibe er aber sitzen. Das Problem mit den Bibern, die private Gärten zerstören, ist bekannt: "Der Biber hat keinen Nutzen. Ich verstehe nicht, warum Anrainer einen Zaun zum Wasser hin aufstellen sollen, um sich zu schützen." Er fordert Handlungen vonseiten der Stadt Wien.

Artenschutz

Doch das ist nicht so einfach: Die Biber stehen unter Artenschutz, das basiert auf einer EU-Rechtsgrundlage. "Biber dürfen aufgrund der rechtlichen Situation nicht einmal vertrieben werden, also kommt auch das Einfangen oder eine andere Art der Entnahme nicht infrage", erklärt Andreas Januskovecz, Forstdirektor der Stadt Wien.

In Niederösterreich ist aufgrund der "Biberverordnung" eine Entnahme der Tiere in bestimmten Fällen möglich. Für Wien ist dieses Modell keine Option: "Auch die Verordnung in Niederösterreich fußt auf der EU-Rechtsgrundlage, das sehen wir problematisch und würden nicht in der Form vorgehen", sagt der Leiter der Magistratsabteilung 49, Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb. In Niederösterreich gäbe es große Probleme in der Forstwirtschaft, weil die Biber viele Bäume niedernagen, die man wirtschaftlich nutzen könnte. Diese Problematik habe man in Wien nur untergeordnet. Außerdem sagt der Experte: "Biber sind Reviertiere, selbst wenn man sie entnimmt - einfängt oder abschießt -, löst das das Problem nur kurzfristig. In zwei bis drei Tagen wird das Revier wieder von anderen besetzt."

In Wien leben an den Gewässern (vor allem Donauinsel, Alte Donau, Donaukanal und Marchfeldkanal) zwischen 250 und 280 Exemplare. Diese Zahl sei seit Jahren nahezu stabil, einen Anstieg der Population erwarte Januskovecz nicht: "Wir gehen davon aus, dass die attraktiven Biberreviere besetzt sind. Mehr Flächen gibt es nicht, damit wird die Zahl stabil bleiben."

Alleine gelassen

"Der Biber ist ein Ursprungstier hier an der Alten Donau und man soll ihn auch nicht vertreiben, aber es ist blöd, dass es keine Unterstützung gibt. Es wäre hilfreich, wenn uns zumindest jemand Tipps gibt, wie wir ihn vom Garten fernhalten können", beklagt Herbert Mikosch, der Lebensgefährte von Eva-Maria Urban.

Seitens der Stadt Wien wurde bei der Alten Donau im Rahmen des EU "Life +"-Projekts Biberweiden geschaffen. "Wir pflanzen bestimmte Baumarten an, damit er dort frisst und wir ihn weglocken von privaten Flächen", sagt der Forstdirektor. Allerdings gibt er zu, dass das "einmal besser und einmal schlechter gelingt".

Er rät allen, bei denen Biber durch die Gärten marschieren, die Bäume, die man unbedingt schützen will, mit Gitter einzuzäunen: "So machen wir das auch im kommunalen Bereich: unten beim Fuß des Stammes mit einem robusten Gitter schützen. Aber keines wie bei einem Hasenstall, denn das durchbeißt er mit seinen Zähnen leicht."

An der Alten Donau leben derzeit zwei Biberfamilien, meistens im Einklang mit den Menschen.

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