Chronik | Wien 14.05.2018

Mädchenmord: Wega-Einsatz bei Hadishs Trauerfeier

© Bild: Birgit Seiser

Im Dittes-Hof wird die Stimmung immer hitziger. Es gibt nun auch Vorwürfe gegen die Polizei.

Nachdem die Mordermittler das Areal rund um den Fundort der Leiche der siebenjährigen Hadish am Sonntag schon verlassen hatten, musste am Abend die Spezialeinheit Wega dorthin ausrücken. Ein Nachbar hat die Polizei alarmiert. Es gäbe eine Trauerfeier im Innenhof, bei der 40 Tschetschenen anwesend seien. Als der Nachbar sich über die Menschenansammlung im Hof beschwert, soll laut Polizei folgender Satz eines Trauernden gefallen sein: „Sei still, sonst schneide ich dir den Kopf ab.“ Beim Eintreffen der Wega beruhigt sich die Situation wieder. Sie steht beispielhaft für die Stimmung, die seit Freitagabend im Dittes-Hof herrscht.

Hadishs Leiche war Samstagfrüh in einem Müllcontainer im Gemeindebau gefunden worden. Nach der Obduktion stand fest: Es war Mord. Ein Stich in den Hals hat das Mädchen getötet. Spuren eines sexuellen Übergriffs seien laut Polizei nicht gefunden worden.

„Polizei kam nicht“

Schon in der Nacht auf Samstag hatten rund ein Dutzend Nachbarn nach Hadish gesucht. Sie war gegen 17 Uhr am Freitag das letzte Mal am Spielplatz gesehen worden, hatte dort mit ihrer 13-jährigen Schwester gespielt. Was in den folgenden Stunden passierte, ist für einige Nachbarn unfassbar. „Wir haben überall gesucht und fünf Leute haben die Polizei angerufen. Aber die sind einfach nicht gekommen. Erst als ein Nachbar gesagt hat, dass es eine Ruhestörung gibt, sind Beamte hergefahren. Die haben aber nur gesagt, dass zuerst eine Vermisstenanzeige auf der Polizeiinspektion gemacht werden muss. Aber ein Kind ist weg, da muss man doch so schnell wie möglich etwas tun“, sagt Nachbarin Natalie (Name von der Redaktion geändert).

Zur Polizeiinspektion ist letztendlich Hadishs Bruder gegangen. Er hatte gegen 22 Uhr ebenfalls bei der Polizei angerufen und schließlich Anzeige erstattet. So steht es auch im Polizeiprotokoll.

Die Behörden sind weiterhin sehr zurückhaltend mit Informationen. Weder zur Tatwaffe noch zum Tatort wird Stellung genommen. Auch zum angeblichen Fund von Blut in einem der Stiegenhäuser äußert sich die Polizei nicht.

Der selbstorganisierte Suchtrupp hat laut eigenen Angaben in der Nacht auf Samstag auch die Müllcontainer mit Taschenlampen durchsucht. Bis Mitternacht wäre Hadish dort aber nicht gefunden worden.

Misstrauen

Aus diesem Grund glauben viele Nachbarn und die Familie des ermordeten Mädchens, dass der Täter selbst im Dittes-Hof lebt. „Der wusste ganz genau, wann wir aufgehört haben zu suchen und hat die Leiche erst dann in den Müll gelegt“, sagt Hadishs Cousin Musa A. Ihre Mutter will nach dem Mord nicht mehr im Dittes-Hof bleiben. Es gäbe Anfeindungen gegen sie, weil die Familie aus Tschetschenien kommt . Immer wieder habe es Probleme mit Nachbarn gegeben, die sich durch die spielenden Kinder gestört gefühlt hätten.

( kurier.at ) Erstellt am 14.05.2018