Das versteckte Wasserwerk: Neue Aufbereitungsanlage auf der Donauinsel
Am Ende soll alles wieder ausschauen, wie vorher. Nichts soll von dem neuen Bauwerk zu sehen sein, das auf der Donauinsel entsteht. Zumindest fast nichts. „Die Türen werden wohl erkennbar sein“, sagt Paul Hellmeier, der Chef von Wiener Wasser (MA 31). Der Rest aber wird unter der Erde verschwinden und bepflanzt. Dass sich unter diesem Erdhügel die Zukunft des Wiener Trinkwassers befindet, wird man also nur erahnen können.
Mehr Wasser für Wien
Gebaut wird es aber, das neue Wasserwerk auf der Donauinsel. Zwischen Nordbrücke und Steinitzsteg errichtet Wiener Wasser eine neue Aufbereitungsanlage für Trinkwasser. Ziel ist es, damit die verfügbare Wassermenge zu steigern, so Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) beim Spatenstich für die neue Anlage am Donnerstag.
Festgeschrieben ist der Bau des neuen Wasserwerks in der Strategie „Wiener Wasser 2050“. Die Stadt will sich damit auf die künftige Herausforderung im Bereich des Trinkwassers vorbereiten: nämlich dem erhöhten Wasserbedarf durch Bevölkerungswachstum und der Klimakrise.
Neben der Erweiterung und Sanierung der Wasserrohre und der Vergrößerung der Wasserbehälter (etwa jenem in Neusiedl am Steinfeld, der KURIER hat berichtet) soll künftig also auch die verfügbare Menge an Wasser erhöht werden. Unter anderem mit dem neuen Wasserwerk auf der Donauinsel.
Hier soll ab 2030 das Wasser aus 17 Grundwasserbrunnen der Schutzgebiete Donauinsel und Nußdorf gereinigt werden. „Ähnlich wie der Berg das Hochquellwasser reinigt“, sagt Wiener-Wasser-Chef Paul Hellmeier. Heißt übersetzt: Das Wasser wird in vier Stufen aufbereitet (siehe Grafik). Zuerst wird dem Wasser Sauerstoff zugeführt, wodurch gelöste Verunreinigungen abgebaut werden. Im zweiten und dritten Schritt fließt das Wasser durch einen Grobfilter und einen Feinfilter. Und im vierten und letzten Schritt wird das Wasser mittels UV-Licht desinfiziert.
Saubereres Wasser
Herauskommen soll Trinkwasser in „bester Qualität“. Und zwar einiges davon: 1.000 Liter Trinkwasser pro Sekunde soll das Werk künftig liefern. In anderen Worten: Bis zu 20 Prozent des durchschnittlichen täglichen Trinkwasser-Gesamtbedarfs kann die Anlage decken. Insbesondere wenn andere Quellen ausfallen, Reparaturen bei den Hochquellleitungen gemacht werden müssen oder der Wasserverbrauch bei längeren Hitzewellen steigt, sei die Anlage zentral.
Derzeit entspricht das Wasser aus den Schutzgebieten Nussdorf und Donauinsel nämlich noch nicht dem Trinkwasser-Standard und könne deshalb nicht „uneingeschränkt“ genutzt werden, sagt Hellmeier. Laut wasserrechtlichem Bescheid dürfe das Wasser aktuell nur dann genutzt werden, „wenn es die Versorgungssituation erfordert.“
Für eine uneingeschränkte Nutzung müsse das Wasser gereinigt werden. Mit dem neuen Wasserwerk ist das ab 2030 möglich.
Getestet wird die Arbeit des künftigen Wasserwerks aber schon im Vorfeld in einer „Pilotanlage“, also in einer Miniatur des Originals. Ab 2027 arbeitet Wiener Wasser mit mehreren Universitäten zusammen, um einzelne Verfahrensschritte auszuprobieren. Die Forschung soll dann im fertiggestellten Wasserwerk fortgesetzt werden, wird berichtet.
Umleitung auf der Insel
Für Besucher der Donauinsel bedeutet der Bau des Wasserwerks ab 20. April kleinere Einschränkungen: Der Fußgänger- und Fahrradverkehr wird zwischen Floridsdorfer Brücke und Nordbrücke über den Treppelweg umgeleitet, weil der Hauptweg für den Baustellenverkehr benötigt wird.
Die Bauarbeiten selbst finden auf einer Fläche von circa 50 mal 90 Metern statt. Zunächst werden Bohrpfähle hergestellt, um die Baugrube zu sichern. Bis Sommer 2029 soll dann der Betonbau errichtet werden, von dem anschließend aufgrund der Begrünung wenig zu sehen sein soll. Kosten wird das Großprojekt 140 Millionen Euro.
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