Die heiligen Hallen des Wiener Wassers werden derzeit vergrößert

Bausteller größter Wasserbehälter der Welt Wien Niederösterreich
Für die Wasserversorgung der Stadt stehen 31 Wasserbehälter zur Verfügung. Der größte davon wird derzeit erweitert. Im Angesicht von Bevölkerungswachstum und Klimawandel sei das notwendig.

Die größte Kathedrale Niederösterreichs liegt unter der Erde und ist mit Wasser gefüllt. Kaum sichtbar liegt sie da, in Neusiedl am Steinfeld im Bezirk Neunkirchen. Nur wenige kennen sie, zum Beten kommt man schließlich nicht hierher. Ihr Zweck ist ein anderer: Sie speichert das Trinkwasser der Wienerinnen und Wiener.

Alle vier Jahre wird eine Kammer des Trinkwasserspeichers in Neusiedl am Steinfeld entleert und gereinigt.

Alle vier Jahre wird eine Kammer des Trinkwasserspeichers in Neusiedl am Steinfeld entleert und gereinigt.

Die Atmosphäre im entleerten Wasserbehälter aber hat etwas Andächtiges. Die elf Meter hohen Säulen und gewaltigen Kammern geben dem Ganzen die Anmutung eines Kirchenschiffs. Zu sehen ist das allerdings selten. Denn normalerweise speichern diese – technisch gesehen – heiligen Hallen ganze 600 Millionen Liter Wasser. Und es sollen mehr werden.

15 Prozent mehr Wasserverbrauch bis 2050

Denn aufgrund der bevorstehenden „Herausforderungen“ brauche es künftig mehr Wasser, so Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky, der gemeinsam mit Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál (beide SPÖ) die Baustelle besichtigte.  Schon allein angesichts des Bevölkerungswachstums rechnet die MA 31 (Wiener Wasser) bis 2050 mit einem Anstieg des Gesamtwasserverbrauchs von 15 Prozent. Dazu kommt der Klimawandel. Konkret spürbar sei dieser bei den Quellen noch nicht, eine Tendenz in Richtung weniger Niederschlag in den betroffenen Gebieten zeige sich aber, sagt eine Sprecherin von Wiener Wasser.

Um diese Effekte abzufangen, wird der Wasserspeicher in Neusiedl am Steinfeld im Zuge der Strategie „Wiener Wasser 2050“ ausgebaut. Der „größte geschlossene Trinkwasserspeicher der Welt“ soll es laut Stadt Wien werden.

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Derzeit besteht der 1958 fertiggestellte Speicher aus vier Kammern. Bald schon sollen vier weitere, neue Kammern dazukommen. Das Speichervolumen werde sich dadurch um 400 Millionen Liter Wasser erhöhen. Rund eine Milliarde Liter Wasser sollen damit insgesamt gespeichert werden könne.

Gebaut werden die Kammern in zwei Etappen. Bis 2028 sollen die ersten zwei fertiggestellt werden.

Sanierung notwendig

Von der ersten Kammer ist sogar schon einiges zu sehen. 50 der geplanten 67 Wandteile stehen bereits. Und auch 120 von 169 Betonsäulen stehen schon. Demnächst soll auch damit begonnen werden, die Kammerdecke zu betonieren.

Bausteller größter Wasserbehälter der Welt Wien Niederösterreich

Die erste neue Kammer nimmt bereits Form an.

Dass die neuen Kammern fertig werden, ist schließlich nicht nur in Bezug auf die Wasserspeicherung wichtig. Die alten Kammern benötigen eine Sanierung – und zwar möglichst bald. Sie seien zwar noch „gut beieinander“, heißt es aus der Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien (MA 39). „Aber nach fast 80 Jahren wird es schon Zeit.“ Immerhin geht es hier um nichts Geringeres als das Trinkwasser der gesamten Stadt. Auch wenn 30 weitere Wasserbehälter zur Verfügung stehen, ist dieser hier in Neusiedl am Steinfeld der größte der Wiener Wasserversorgung.

Entleerung alle 16 Jahre

Bis die alten vier Kammern aber saniert werden können, wird es noch dauern. Erst wenn alle vier neuen Kammern einsatzbereit sind, wird es so weit sein, heißt es von Wiener Wasser.

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Zu sehen ist von den bestehenden Kammern nur der Eingang.

In der Zwischenzeit muss also die Reinigung genügen. Alle vier Jahre wird eine Kammer gereinigt. Durchschnittlich alle 16 Jahre ist damit jede Kammer an der Reihe.

Das Reinigungsprozedere ist sehr aufwendig. Die zu reinigende Kammer muss komplett entleert werden, erst dann kann sie gründlich gereinigt und kleinere Schäden behoben werden. Samt der Planung dauert das einen ganzen Monat. Nur in dieser Zeit kommt die versteckte Kathedrale zum Vorschein.

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