Chronik | Wien 12.02.2017

Was bleibt von "Österreichs Popstar"?

© Bild: KURIER/Franz Gruber

Vor 60 Jahren, am 19. Februar 1957, wurde Falco unter dem Namen Hans Hölzel geboren. Vor 19 Jahren, am 6. Februar 1998, starb er.

Am Abend des Tages, als Falco starb, stand ich im Studio der "ZIB24", die damals noch "ZIB3" hieß, die sehr nette Birgit Fenderl sagte zu mir "Guido Tartarotti, Sie haben Falco gut gekannt, was war er für ein Mensch?", und mir blieb nichts anderes übrig, als wahrheitsgemäß zu antworten: "Das weiß ich nicht, ich bin Falco nie begegnet."

(Ich hatte der Redaktion der Sendung, die mich als Pop-Journalist eingeladen hatte, vorab gesagt, dass ich zwar gut mit Falcos Musik vertraut sei, ihn selbst aber nicht kannte, doch diese Information war im Trubel des Tages irgendwie verloren gegangen.)

Wobei "nie begegnet" auch nicht stimmt. Einmal, bei einer Party der Zeitschrift Rennbahn-Express im U4, ging ich an Falco vorbei und sagte, weil mir nichts anderes einfiel, "Hallo, Falco". Und Falco sagte überraschenderweise nicht "Ja servus, Guido, alte Hütt’n, wie geht’s, wie geht’s dem Hund, wie der Schwiegermama?", sondern er sagte gar nichts und ging weiter.

Und ich dachte mir: Ein echter Star halt.

"Österreichs Popstar"

Als Kulturjournalist ist man daran gewöhnt, Nachrufe zu schreiben, weil es einfach zum Beruf gehört. Manchmal ist man dabei zutiefst erschüttert (etwa beim Tod von Georg Danzer), manchmal muss man sich den trauernden Tonfall eher professionell abringen.

Als Falco starb, fühlte sich das aber gar nicht wie ein Todesfall an, eher wie eine Naturkatastrophe. Trotz seines unübersichtlichen Lebenswandels rechnete niemand mit dem Ableben des Künstlers. Als es dann passierte, war die Reaktion eher: Was, der ist sterblich?

Erst, als man über seinen Tod nachdachte, wurde einem bewusst, wie groß das Gewicht dieses Himmelskörpers gewesen war.

Der Chef vom Dienst des KURIER verfasste damals die Titelzeile: "Österreichs größter Popstar ist tot". Ich überredete ihn dazu, das "größter" einfach wegzulassen. "Österreichs Popstar ist tot", das klang genauso anmaßend, wie die Figur Falco gewesen war, und diese Schlagzeile war dennoch nichts als die Wahrheit – Österreich hatte und hat viele großartige Musiker, aber Falco war der einzige, der der Idee "Popstar" als global wirksame Lichtgestalt zumindest nahe kam. (Abgesehen davon ging sich das Wort "größter" in der Zeile nicht mehr aus.)

Geschrumpft

Der Tod ist ja bekanntlich die Krönung eines Star-Daseins, die Entrückung ins Land der Legende (wobei ein Autounfall in der DomRep jetzt vom Glamour-Faktor her betrachtet nicht gerade ein Erste-Klasse-Ticket Richtung Ewigkeit ist). Nichts aber schadete Falcos Nimbus so sehr, wie das, was nach seinem Tod aufgeführt wurde.

Das bemitleidenswert schwache Album "Out Of The Dark" wurde ein gigantischer Erfolg, der kitschige gleichnamige Song wurde sogar als vertonte Todesahnung vermarktet. Es folgten eine würdelose Restl-Verwertung von minderwertigem Fund-Material und diverse halb gare "Musicals" und "Shows" – alles ungefähr so geschmackvoll wie der unfassbare Plexiglas-Grabstein auf dem Zentralfriedhof.

Und plötzlich war Falco kein Weltstar mehr, sondern posthum auf Österreich-Niveau geschrumpft. Der eher gut gemeinte als gute Falco-Film hatte mit Manuel Rubey immerhin einen tollen Hauptdarsteller.

Erst jetzt, da sich der Nebel verzogen hat, bietet sich ein klarer Blick auf das Werk, das Falco hinterlassen hat: Mit "Einzelhaft" und "Junge Römer" zwei hinreißend überhebliche, kühl swingende Alben zwischen Bowie-Verehrung und der Erfindung des weißen Rap. Danach kam "Rock Me Amadeus" (das Falco selbst ursprünglich gehasst hatte), und es wurde alles ein wenig vorhersehbar .

Wie Falco jetzt beinander wäre, mit 60 – ob er noch einmal eine relevante Stimme im Popgeschehen geworden wäre oder doch eher ein Dschungelcamp-Kandidat –, niemand weiß es.

Aber als "Österreichs Popstar" hat er, wenn wir ehrlich sind, bis heute keinen Nachfolger gefunden. Vermutlich war er eine Ausnahme. Näher wird Österreich dem Prinzip "Pop" – also der Verbindung von Talent, Charisma und der richtigen Hosenwahl – wohl nie wieder kommen.

( kurier.at ) Erstellt am 12.02.2017