Warum Häupls Ehefrau das Wilhelminenspi­tal verlässt

Moderne Erstversorgung im Wilhelminenspital: Posit
Foto: /Christian Jobst / PID Hörnlein (li.) wechselt in die WGKK

Kollegen haben für den Umstieg von Barbara Hörnlein durchaus Verständnis.

Es ist ein Personalwechsel, der die Führung der Wiener Gemeindespitäler (KAV) und die Ärzte an der Basis gleichermaßen überraschte: Barbara Hörnlein, Ärztliche Direktorin des Wilhelminenspitals und des Otto-Wagner-Spitals sowie Ehefrau von Bürgermeister Michael Häupl wird wie berichtet neue leitende Ärztin der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK).

"Karriere-Sprungbrett ist das sicher keines", sagt ein KAV-Mediziner, der namentlich nicht genannt werden möchte. "Im Vergleich zu ihren bisherigen Posten ist das ein ziemlich bedeutungsloser Job." Für die Leiterin des chef- und kontrollärztlichen Dienstes der WGKK, der unter anderem für die Bewilligung von genehmigungspflichtigen Arzneimitteln zuständig ist, seien die Gestaltungsmöglichkeiten eher begrenzt. Zu den neuen Tätigkeiten der 54-jährigen Medizinerin gehören unter anderem Beratung und Vertretung der WGKK in medizinischen Fragen, Qualitätskontrolle der medizinischen Tätigkeiten des Medizinischen Dienstes, die Durchsicht und Beurteilung von wissenschaftlichen Unterlagen sowie die Mitarbeit bei Verhandlungen mit Interessenvertretungen (zum Beispiel mit der Ärztekammer).

Mit einem Mindestgehalt von laut Ausschreibung knapp 4800 Euro ist der auf fünf Jahre vergebene Job auch nicht übermäßig hoch dotiert.

Trotzdem haben Insider durchaus Verständnis für diesen Schritt Hörnleins: "Wenn ich im Moment eines nicht sein möchte, dann Spitalsdirektor im KAV", sagt der Mediziner. Zu groß sei der Spardruck seitens der KAV-Führung: "Die Botschaft an die Krankenhäuser lautet: ,Ihr müsst sparen – wie, das müsst ihr selbst herausfinden.‘ Gibt man als Spitalschef nach, bringt man das Spital gegen sich auf. Wenn nicht, wird die KAV-Generaldirektion ganz schnell unangenehm." Wobei Hörnlein durchaus zu jenen zu zählen sei, die nicht sofort alle Forderungen von oben umsetzen, betont der Arzt.

Nebeneffekt

Einen positiven Nebeneffekt habe der Jobwechsel auf alle Fälle, ist aus KAV-Kreisen zu hören: Würde sich ihr Ehemann Michael Häupl in der nächsten Zeit in den politischen Ruhestand verabschieden, hätte das Paar wohl wesentlich mehr Zeit füreinander.

Ambitionen

Dabei wurden Hörnlein immer wieder Ambitionen auf höchste Spitzenfunktionen im KAV nachgesagt. Etwa als Pflegedirektorin oder gar als Nachfolgerin des jetzigen KAV-Generaldirektors Udo Janßen. "Das wäre aber undenkbar. Die Optik wäre mehr als schief", sagt ein anderer Arzt.

Hörnlein selbst war vorerst zu keiner Stellungnahme bereit. Offen ist derzeit auch, wer ihr als Spitalschef nachfolgt: "Man wird jetzt gemeinsam eine Vereinbarung finden, wie die Übergabe von Direktorin Hörnlein erfolgt und auch über den Zeitpunkt ihres Ausscheidens sprechen", betont ein KAV-Sprecher. "Natürlich wird der Posten demnächst öffentlich ausgeschrieben."

(kurier) Erstellt am
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