Der Stein des Anstoßes: Diese Schotterfläche diente bis dato als Parkplatz, nun wird sie eine Wiese.

© Privat/Franz Hödl

Chronik Wien
05/27/2020

Warum eine Wiese Stammersdorfer Winzer auf die Barrikaden treibt

Weil die Stadt einen illegalen Parkplatz begrünt, gehen im Floridsdorfer Heurigenort die Wogen hoch.

von Bernhard Ichner

Normalerweise gehen die Wogen hoch, wenn ein Stück Grünland zubetoniert wird. Im Weinbauort Stammersdorf ist es gerade umgekehrt: Dort steigen Heurigenwirte auf die Barrikaden, weil aus einem Parkplatz eine Wiese wird. Für Winzer-Obmann Leopold Klager „der Skandal des Jahres“.

Konkret geht es um den Parkplatz an der Senderstraße. Heurigengäste schätzen ihn wegen seiner Nähe zur Kellergasse und Wanderer stoppen hier auf dem Weg zum Bisamberg. Der Haken war bis dato bloß: Der Parkplatz ist eigentlich keiner.

Zumindest nicht zur Gänze. Nur der asphaltierte Teil ist als Parkplatz gewidmet. Der geschotterte Abschnitt, auf dem sich bis vor Kurzem Autos drängten, fällt jedoch in die Kategorie Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel (SWW). Er wurde also zweckwidrig verwendet.

Zudem habe sich die Betreiberin eines benachbarten Gastrobetriebs wiederholt über die Schotter-bedingte Staubentwicklung beschwert, heißt es vom Bezirk.

Zeitpunkt war Zufall

Darum wurde zuletzt der Forstbetrieb der Stadt (MA49) aktiv. Wobei der Zeitpunkt Zufall war, wie Forstdirektor Andreas Januskovecz zugibt. Man habe die Renaturierung des SWW-Areals zwar ohnehin vorgehabt. Oberste Priorität hatte das Projekt allerdings nicht.

Vor Kurzem fiel im Zuge von Kanalarbeiten aber reichlich Erde an – die die Baufirma der Stadt kostenlos zur Verfügung stellte. Also habe man die Gelegenheit am Schopf gepackt und begonnen, den widmungskonformen Zustand wiederherzustellen, sagt Januskovecz.

"Wollen niemanden verärgern"

Das sorgte vor Ort, aber auch im Bezirksparlament für Aufregung. WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek ortet „einen Schildbürgerstreich“ und SPÖ-Bezirkschef Georg Papai sagt: „Das war gut gemeint, aber nicht gut gemacht.“ Die Parkplätze seien wichtig.

Nach Papais Intervention habe man sich nun aber auf einen Mittelweg geeinigt, erklärt der Forstdirektor - "wir wollen ja niemanden verärgern". Die künftige Wiese werde zu Gunsten geordneter Parkplätze verkleinert. Und auf dem „legalen“ Parkplatz wurden Sträucher entfernt, um auch hier zusätzlichen Platz für Autos zu schaffen. Die etwa zehn verlorenen Parkplätze würden so kompensiert.

 

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