Verstärkte Präsenz der Polizei am Praterstern

© APA/ROBERT JAEGER

Drehscheiben der Kriminalität
05/01/2016

Vergewaltigung am Praterstern: "Angsträume" sollen verschwinden

Wie man die Hotspots in Wien wieder sicherer machen will – ein Lokalaugenschein.

von Michaela Reibenwein, Patrick Wammerl

Es sind nicht die schönsten Plätze Wiens. Und sie gehören doch zu denen, die am meisten frequentiert werden. 250.000 Menschen, vor allem Pendler, verkehren täglich am Praterstern. 200.000 sind es am Handelskai. In die Schlagzeilen sind diese Orte in den vergangenen Wochen vor allem durch Übergriffe gekommen.

Eine 21-jährige Austauschstudentin aus der Türkei wurde auf der Bahnhofstoilette am Praterstern von drei afghanischen Flüchtlingen vergewaltigt. Wie am Samstag durch polizeiliche Ermittlungen bekannt wurde, haben die Asylwerber ihr Opfer gezielt in der Toilettenanlage im Bahnhofsbereich abgepasst. Sie hätten bei der Toilette auf ein Mädchen gewartet, um "mit ihr Sex zu haben", gab der Jüngste des Trios (16) zu Protokoll. Als die Ziviltechnik-Studentin in das WC ging, seien sie ihr nach und haben mit einer Münze die versperrte Kabinentüre geöffnet. Es kam zu einem erbitterten Kampf.

Die junge Frau musste ein Martyrium über sich ergehen lassen. Während sich der 17-jährige Täter an ihr verging, fixierte sie dessen Freund am Boden und hielt ihr den Mund zu. Anschließend vergewaltigte der dritte, ebenfalls 16-jährige Afghane das Mädchen. Sie habe auf Englisch darum gebettelt und sie angefleht, dass sie aufhören sollen. "Nicht wehren, dann wird alles gut und schnell vorbei sein", soll ihr einer der Burschen auf Englisch geantwortet haben. Weil sie allerdings nicht still hielt, schmetterten die Peiniger den Kopf der Studentin mehrmals wuchtig gegen die Kloschüssel.

Die Polizei ist jedenfalls nach den jüngsten Vorfällen alarmiert und zeigt deutliche Präsenz, speziell am Praterstern. Bis zu hundert Beamte sind laut Polizei täglich vor Ort, das fällt auch denen auf, die hier unterwegs sind. Jutta Bünzli etwa, die seit 18 Jahren in der Gegend wohnt. "Polizei sehe ich immer", sagt sie. Und auch Gruppen junger Männer, die speziell vor dem Bahnhof herumlungern. Angst hat sie vor ihnen nicht. "Mir ist hier noch nie etwas passiert, ich gehe auch abends hier allein durch."

Das bestätigt auch Oswald Ondrejka. "Gruppen stehen hier immer herum. Aber einen Wirbel hab’ ich nie erlebt. Auch kein Stänkern. Was hier passiert, das erfahr ich nur aus der Zeitung."

Alkohol und Drogen

Auch beim Lokalaugenschein am frühen Nachmittag ist die Lage ruhig. Ein junger Mann hockt vor dem Eingang und mischt Schnaps mit Milch. Männer stehen in Gruppen zusammen, trinken Bier, plaudern.

Die subjektive Angst am Bahnhof ist da, weiß Bezirksvorsteher Karlheinz Hora. "Da brauchen wir uns nichts vormachen. Auch wenn hier vor zwei, drei Jahren deutlich mehr los war." Sein Konzept: Ecken und Nischen sollen weg. "Angsträume" nennt er das. Dazu gehören Telefonzellen genauso wie unbetreute Toiletten. Das WC, in dem sich die Vergewaltigung ereignete, soll künftig rund um die Uhr durch eine Klofrau besetzt sein, die Eingänge werden besser beleuchtet. "Es wird keine Winkel und Nischen zum Verstecken mehr geben."

Zwei Schnellbahnstationen vom Praterstern entfernt liegt der Handelskai. Ein Ort, an dem viele Ethnien aufeinandertreffen. Und wo es zuletzt zu gröberen Auseinandersetzungen kam. "Jede Woche passiert hier etwas", sagt er. "Die Leute trinken hier. Dann gibt es Probleme." Im Bahnhofsbereich warten afrikanische Dealer auf Kunden. Sechs Männer sind es, die sich an den Auf- und Abgängen die Beine in den Bauch stehen. "Die stehen schon in der Früh", berichtet Romana Potocsny. Sie arbeitet hier, begegnet den Männern jeden Tag. "Natürlich fühl ich mich unsicher. Ich schau dann extra böse, damit sie mich nicht ansprechen."

Findet sich doch ein Kunde, schlendern die Männer zum gläsernen Aufzug. Dort findet die Übergabe statt. Zuschauen kann jeder. Für den Nachschub sorgt eine Frau, die den Männern Servietten überreicht. Ein Blick genügt. "Jeder bekommt das hier mit", sagt Monika Szabo. "Eine Mitarbeiterin von mir muss jeden Tag hier vorbei. Auch abends. Polizei sieht man hier selten." Das bestreitet jedoch die Bezirksvorstehung.

Praterstern und Handelskai sind nur zwei Beispiele. Seit dem vergangenen Februar, das bestätigt auch Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamtes, ist die Kriminalität auf den Bahnhöfen gestiegen. Doch das betrifft vor allem die Kleinkriminalität – also Körperverletzungen, Diebstähle oder Drogenkonsum und -verkauf.

Beispiel Praterstern: Seit Jahresbeginn wurden auf dem Pendler-Drehkreuz ein Prozent aller Wiener Straftaten begangen. Davon 33 Prozent (140 Anzeigen) im Drogenbereich, 23 Prozent Eigentumsdelikte sowie 13,6 Prozent Körperverletzungen.

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