Chronik | Wien
05.12.2011

Vergabe-Skandal: AKH und 13 Manager

Der angebliche Bestbieter war nicht nur teurer als die Konkurrenz. Die Qualität der Manager wurde auch nicht hinterfragt.

Man habe eben den Best- und nicht den Billigstbieter gesucht. Diese Antwort gibt AKH-Chef Reinhard Krepler immer dann, wenn er gefragt wird, was bis heute kaum jemand versteht: Wieso schrubbt im größten Spital Österreichs eine Reinigungsfirma die Flure, die in der vorangegangenen Ausschreibung ein um drei Mio. Euro teureres Angebot gelegt hatte als die Konkurrenz. Seit mehr als einem Jahr versucht die Korruptionsstaatsanwaltschaft eine Antwort auf diese Frage zu finden. Haben es sich hier hohe Beamte und der angebliche Bestbieter AGO gerichtet? War von Anfang an klar, wer den 50 Mio. Euro schweren Auftrag erhält? Oder war die AGO schlicht besser als die unterlegene Janus-Gruppe? Teurer zwar, dafür qualitativ hochwertiger, wie es auch die Aussage Kreplers nahelegt.

Prüfer ratlos

Zumindest Letzteres darf bezweifelt werden. Dem KURIER vorliegende Dokumente machen deutlich, dass die AGO nicht nur nicht billiger, sondern auch beim zweiten Ausschreibungskriterium, der Qualität, nicht zwingend besser war. Die AGO legte ihrem Angebot eine Liste mit 13 "Senior-Managern" bei, die vom AKH alle akzeptiert wurden. Janus schickte zwölf Führungskräfte ins Rennen - allerdings wurden sieben vom AKH gestrichen.
Warum ist unklar. Auch externe Prüfer, die den Fall untersuchten, nachdem der Zuschlag erteilt wurde und bevor Krepler den Auftrag offiziell an die AGO vergab, sind ratlos.

Fix ist: Wären zwei weitere Manager von Janus akzeptiert worden, hätte er den Zuschlag für den Millionenauftrag erhalten. "Bei den gestrichenen Arbeitern handelt es sich um hoch qualifizierte Personen. Viele haben schon lange für das AKH gearbeitet", sagt Janus heute.

Zweierlei Maß?

Fragwürdig ist auch, weshalb keine Manager der AGO ausschieden. Schließlich sah die Ausschreibung vor, dass die Manager 40 Stunden die Woche im AKH arbeiten müssen. Ob die drei AGO-Geschäftsführer, die als Manager genannt wurden, gleichzeitig Putzkolonnen kontrollieren und ihr eigenes Unternehmen führen können, muss bezweifelt werden. Zudem gibt die AGO bei den Managern den Personalchef des AKH als Auskunftsperson an. Doch dieser will bei einer Einvernahme die meisten der Leute, für die er bürgen soll, gar nicht kennen.

Ein Sprecher der Dienstleisters AGO bestätigt, dass einige der angeführten Personen nicht oder nur teilweise im AKH anzutreffen waren. "Aber ob ich den Aufgaben im Schwimmbad, in der Zentrale oder im AKH nachkomme, ist sekundär." Mittlerweile, so wird versichert, seien aber zwölf teils neue Manager im Spital vor Ort.

Und was sagt AKH-Chef Krepler zu den Details? Nicht viel. Er verweist auf die laufenden Ermittlungen. Warum hat er aber einen Auftrag erteilt, als sich externe Prüfer bereits in seinem Haus durch Ausschreibungsunterlagen arbeiteten? "Weil ich nicht anders konnte", sagt Krepler. "Zu diesem Zeitpunkt war der Zuschlag bereits rechtsgültig. Eine neue Ausschreibung wäre nach Meinung unserer Anwälte unmöglich gewesen."

Wie die Presse berichtet, sind die Ermittler mittlerweile auch einer zweiten fragwürdigen Ausschreibung auf den Fersen. Die Beteiligten: Einmal mehr die Firma AGO und derselbe, mittlerweile pensionierte, Beamte des AKH, der auch beim Putzauftrag seine Finger mit im Spiel gehabt haben soll.

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