Chronik | Wien
18.05.2017

Volleyballtrainer soll mindestens fünf Kinder missbraucht haben

Der Mann trainierte Kinder und Jugendliche in Wien und Klagenfurt. Die Polizei sucht weitere Opfer bzw. Zeugen.

Einen schlimmen Verdacht gibt es gegen einen Volleyball-Trainer aus Wien: Er soll zumindest fünf Mädchen in Wien und Klagenfurt missbraucht haben. Der 60-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft, weitere Opfer werden befürchtet.

Der Fall kam im Sommer 2015 ins Rollen: Der Verdächtige war – wie schon in den Jahren zuvor – Ende Juli beim Beachvolleyball-Grand-Slam in Klagenfurt tätig. Mit einigen Kindern und Jugendlichen, die er auch in Wien trainierte, betreute er in seiner Funktion als „Court Manager“ einen Beachvolleyball-Platz im Klagenfurter Europapark. Das ist dort, wo sich die Stars für die Spiele am Center Court im nahen Strandbad aufwärmen.

Im Zuge dessen beobachteten zwei erwachsene Spielerinnen, wie der Beschuldigte ein elfjähriges Ballmädchen aus Niederösterreich, das unter seiner Obhut stand, im Freien unsittlich berührt haben soll. Sie erstatteten Anzeige. Dann aber, so hört man aus höchsten Volleyball-Kreisen, habe die Polizei die Sache nicht weiter verfolgt.

Vor wenigen Tagen wurde der Mann wieder auffällig – und zwar im Rahmen einer internationalen Polizei-Aktion gegen Kinderpornos. Da tauchte auch die Netzwerkadresse des Trainers auf. Bei einer Hausdurchsuchung wurden die Ermittler auch fündig: So soll man etliche Kinderpornos auf der Festplatte seines Computers entdeckt haben.

Aktuell geht die Polizei von zumindest fünf Opfern aus. Der Beschuldigte soll sein Unwesen im Zeitraum zwischen 2006 und 2016 getrieben haben. Die betroffenen Mädchen waren im Alter von acht bis elf Jahren.

„Im Raum steht der Verdacht des mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs. Die weiteren Übergriffe sollen sich im Rahmen von Trainingscamps in Österreich und im Ausland ereignet haben. Von seinen Opfern soll er auch pornografische Bilder hergestellt haben. Wir stehen am Anfang der Ermittlungen, täglich könnten weitere Opfer hinzukommen“, sagt Staatsanwaltschafts-Sprecherin Tina Frimmel-Hesse.


Platzverbot

In den vergangenen Jahren war der Trainer, der nun in die Justizanstalt Klagenfurt überstellt wird und laut Ermittlern teilweise geständig ist, speziell in den Wiener Bezirken Leopoldstadt und Brigittenau tätig – er arbeitete für den Verein Volleyball Niederösterreich Sokol/ Post SV.

Als der Verdacht bekannt wurde, wurde der Mann fristlos entlassen. Die Eltern der Nachwuchsspielerinnen wurden informiert. „Wir wurden vergangene Woche von der Polizei informiert, haben daraufhin sofort ein Platzverbot ausgesprochen und jegliche Zusammenarbeit beendet“, sagt Vereinspräsident Peter Kutschera. Bis jetzt sei nicht ein Verdacht gegen den 60-Jährigen bekannt gewesen, beteuert Aleksandar Jovanovic, der sportliche Leiter. Konsequenz: Ab sofort werden die Nachwuchsmannschaften nur noch von Frauen trainiert.

Peter Kleinmann, Präsident des österreichischen Volleyballverbandes, ist aufgebracht: „Das ist ein kranker Mensch, der sofort aus dem Verkehr gezogen gehört!“

Die Polizei befürchtet weitere Opfer. Hinweise: 01/31310-33800.