Chronik | Wien
04/25/2019

Verärgerte Erdäpfelbauern protestierten auf dem Heldenplatz

Hitze, Trockenheit und Schädlingsbefall sorgen bei niederösterreichischen Landwirten für Unmut.

Es ist 10 Uhr morgens auf dem Wiener Heldenplatz – der heißeste Tag des bisherigen Jahres. Zahlreiche Touristen machen Selfies mit den Reiterdenkmälern, als plötzlich drei Traktoren samt Anhänger und rund 120 Bauern im Schlepptau durch die Tore des Heldenplatzes fahren. Die PS-starken Traktoren parken unter größter Achtsamkeit direkt auf dem Gelände. Beladen sind die Anhänger mit den laut den Bauern "letzten Erdäpfeln aus der Vorsaison".

Trockenheit und Schädlingsbefall sorgten für massive Ausfälle bei der Erdäpfelernte. Der Niederösterreichische Bauernbund und die Interessengemeinschaft (IG) Erdäpfelbau informierten heute, Donnerstag, Konsumenten auf den Straßen Wiens darüber und fordern fairen Wettbewerb.

Konkret setzen sich die Bauern für eine Lockerung der strengen Vorgaben zur Verwendung von Spritzmitteln ein. Denn der Drahtwurm hat bei der vorigen Ernte massive Schäden angerichtet, spritzen durften die Bauern allerdings nicht. Weil das in anderen Ländern aber erlaubt ist, mussten jetzt bereits Erdäpfel importiert werden - zum Beispiel aus Ägypten.

Kurz nachdem die Traktoren eingeparkt sind, bildet sich eine Menschentraube rund um die Fahrzeuge. Neben zahlreichen Medienvertretern schauen auch die Touristen, was da vor sich geht.

Nach einem schnellen Gruppenfoto geht es auch schon los mit der eigentlichen Aktion: einige Erdäpfel werden in Papiersackerln von den Anhängern abgeladen und in Leiterwägen verladen. „Mit dieser Aktion soll den Konsumenten klargemacht werden, dass ohne moderne Pflanzenschutzmittel keine ganzjährige Versorgung mit Erdäpfel möglich ist“, sagt Franz Wanzenböck, Obmann der IG Erdäpfelbau.

Die Aktion startet

Mit den Sackerln voller Erdäpfeln ziehen die etwa 120 Bauern aus Niederösterreich durch Wien. Eine Gruppe von 35 Personen macht sich in Richtung Oper auf. Die Niederösterreicher sprechen einige Menschen an und versuchen ihr Gemüse unters Volk zu bringen.

Doch so richtig funktionieren will das nicht. Denn unterwegs sind zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich Touristen. Und die zeigen sich von den heimischen Erdäpfel unbeeindruckt.

In Seitengasse zur Oper ist die Verteilaktion deutlich erfolgreicher. Fußgänger zeigen Interesse, die Bauern informieren. Zum Beispiel darüber, dass im Vorjahr 130.000 Tonnen Erdäpfel durch Hitze, Trockenheit und Drahtwurmbefall vernichtet wurden. Beim Schottenring in der Nähe der Universität Wien erfreuen sich Studenten mit knappem Budget über gratis Erdäpfel.

Forderung nach gleichen Bedingungen

Was die Bauern mit ihrer Aktion erreichen wollen? „Faire Bedingungen und Spielregeln für alle Produzentenländer", sagt Alexander Bernhuber, der als Spitzenkandidat des NÖ Bauernbunds für die Europawahl antritt. Der Waldviertler Bauer Hannes Reingruber wünscht sich, „dass es in ganz Europa die gleichen Richtlinien für Pflanzenschutzmittel gibt“, denn: "So, wie es aktuell ist, ist es wettbewerbsverzerrend."

Um 12 Uhr war der Aufmarsch der Bauern wieder vorbei. Die Wiener bleiben zurück. Manche mit fragenden Gesicherten, ob der Traktoren in der Innenstadt, dafür aber mit Erdäpfeln für das Abendessen.